Mutmaßlicher Kriegsverbrecher Rentennachzahlung von 50.000 Euro für Mladic

Weil er auf der Flucht war, fror der serbische Staat die Rente für Ex-General Ratko Mladic sein. Jetzt sitzt der wegen schwerster Kriegsverbrechen angeklagte Militär in Den Haag fest - und kriegt wegen seiner neuen ständigen Adresse seine ausstehenden Renten von rund 50.000 Euro ausgezahlt.

Ex-Militär Mladic: Seit 2005 ohne Rente, weil er keinen festen Wohnsitz hatte
Politika Newspaper/AFP

Ex-Militär Mladic: Seit 2005 ohne Rente, weil er keinen festen Wohnsitz hatte


Belgrad - Der wegen Kriegsverbrechen angeklagte serbische Ex-General Ratko Mladic hat eine Rentennachzahlung von umgerechnet 50.000 Euro erhalten. Sohn Darko habe fünf Millionen Dinare für seinen Vater in Empfang genommen, berichtete die Zeitung "Novosti" in Belgrad. Wegen seiner Flucht nach Ende des Bosnien-Kriegs waren die Rentenzahlungen für den 68-jährigen Militär im Jahr 2005 schließlich eingefroren worden. Der Durchschnittsverdienst in Serbien beträgt etwa 350 Euro im Monat.

Mladic war am 26. Mai in Serbien festgenommen worden und am 31. Mai an das UN-Kriegsverbrechertribunal in den Niederlanden ausgeliefert worden - fast 16 Jahre, nachdem Anklage gegen ihn erhoben wurde. Ihm werden Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Kriegs von 1992 bis 1995 vorgeworfen. Die Anklage umfasst elf Punkte, insbesondere außer dem Massaker von Srebrenica auch die 43 Monate währende Blockade Sarajevos, bei der etwa 12.000 Menschen getötet wurden.

Bei seinem ersten Auftritt vor dem Den Haager Gericht am Freitag bezeichnete Mladic die Vorwürfe gegen ihn als "abscheulich" und "monströs". "Ich habe mein Volk verteidigt, mein Land. Jetzt verteidige ich mich selbst", sagte der als "Schlächter vom Balkan" bekannt gewordene frühere Berufssoldat.

hpi/dpa/rtr



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