Mutmaßlicher Mossad-Einsatz Israel droht nach Mord an Hamas-Chef diplomatische Krise

In der Affäre um die Ermordung eines Hamas-Führers in Dubai gerät Israel immer stärker unter Druck. Großbritannien, Irland und Frankreich verlangen eine Erklärung, warum sich die mutmaßlichen Mossad-Killer mit Pässen fremder Länder auswiesen - Jerusalem ist in Erklärungsnot.

DPA/ Dubai Police

Dubai - Nach dem Mordanschlag auf einen ranghohen Hamas-Kommandeur in Dubai gerät der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, aber auch die Regierung in Jerusalem in Bedrängnis. Vor allem die Tatsache, dass israelische Agenten die Pässe von europäischen Einwanderern kopiert haben sollen, um mit falscher Identität nach Dubai einzureisen, könnte für Mossad-Chef Meir Dagan problematisch werden.

"Das könnte die Dinge für Dagan erschweren, obwohl die juristischen Konsequenzen hier noch nicht ganz geklärt sind", sagte ein enger Vertrauter von Dagan an diesem Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Einen Rücktritt des Mossad-Chefs schloss der Informant aus: "Dagan hat nicht die Absicht, vor dem Ablauf seiner Amtszeit aufzuhören." Schließlich käme dies einem Schuldeingeständnis gleich.

Die Hamas hat Israel beschuldigt, hinter der Tat zu stecken. Auch Dubais Polizeichef Dahi Chalfan sagte am Donnerstag: "Unsere Ermittlungen zeigen, dass der Mossad in den Mord von Mabhuh verwickelt ist. Das ist zu 99 Prozent sicher, wenn nicht 100 Prozent." Es gebe Indizien, die auf eine "klare Verbindung" zwischen den Verdächtigen und "Leuten mit direkten Beziehungen zu Israel" hinwiesen.

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Mord an Hamas-Führer Mabhuh: Tod in Dubai
Israel hat eine offizielle Stellungnahme zu den Vorwürfen abgelehnt. Außenminister Avigdor Lieberman ließ eine Beteiligung seines Landes an der Ermordung zuletzt offen. Beweise dafür gebe es nicht.

Der ranghohe Funktionär der radikal-islamischen Hamas, Mahmud al- Mabhuh, war im Januar in einem Luxushotel in Dubai umgebracht worden. Die Polizei der Vereinigten Arabischen Emirate verdächtigt elf Täter, die mit gefälschten europäischen Pässen nach Dubai gereist sein sollen. Darunter waren sechs britische Pässe, drei irische, ein deutscher und ein französischer. Aufnahmen von Überwachungsvideos zeigen die mutmaßlichen Killer vor und nach der Tat.

Briten, Iren und Franzosen fordern Aufklärung über Pässe

Großbritannien geht davon aus, dass die Pässe gefälscht wurden und hat den israelischen Botschafter einbestellt. Die Regierung in Dublin folgte dem Schritt am Donnerstag. Auch aus französischen Geheimdienstkreisen hieß es, ein ebenfalls benutzter französischer Pass sei eine gut gemachte Fälschung. Das französische Außenministerium verlangt nun ebenfalls eine Erklärung von den Israelis.

Die britische Regierung forderte Israel zur Zusammenarbeit auf. London sei entschlossen, der Sache mit den gefälschten Pässen "auf den Grund zu gehen", sagte Außenminister David Miliband. Er "hoffe und erwarte" von Tel Aviv, bei den Ermittlungen des "Verbrechens" zu kooperieren. Premierminister Gordon Brown hatte diese Untersuchung am Vortag angekündigt.

Der israelische Botschafter in London, Ron Prosor, sagte nach dem Treffen im Außenministerium, er habe keine zusätzlichen Informationen. Sein Pendant in Dublin, Zion Evrony, sagte, er wisse nichts über den Mord in Dubai. Der irische Außenminister Micheál Martin erklärte, es handle sich um einen "außerordentlich ernsten Fall", der die Sicherheit irischer Bürger aufs Spiel setze.

Nach Angaben aus israelischen Sicherheitskreisen und der Hamas soll Mabhuh beim Waffenschmuggel in den Gaza-Streifen eine Schlüsselrolle gespielt haben. Die radikal-islamische Hamas lehnt ein Ende des bewaffneten Kampfes gegen den jüdischen Staat ab und beherrscht den Gaza-Streifen.

ffr/dpa/AFP/Reuters

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