Mutmaßlicher russischer Waffendealer: Moskau erzürnt über But-Auslieferung

Russland reagiert mit scharfer Kritik auf die Auslieferung von Wiktor But an die USA. Die thailändische Regierung hatte am Morgen die Überstellung genehmigt - kurz darauf saß der mutmaßliche Waffenhändler bereits im Flugzeug.

Bangkok - In Moskau sorgt die Auslieferung Wiktor Buts für großen Zorn: Die Entscheidung sei "illegal" und unter Druck der US-Regierung getroffen worden, kritisierte das russische Außenministerium in einer Erklärung. Der russische Konsul in Thailands Hauptstadt Bangkok, Andrej Dwornikow, monierte die "rasche und heimliche" Auslieferung des mutmaßlichen Waffenhändlers, der sich bereits in einem Flugzeug auf dem Weg in die USA befindet. "Wir wurden nicht offiziell von den örtlichen Behörden unterrichtet", sagte er der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Die US-Regierung wies die russische Kritik zurück. Der Vorgang sei vollkommen vereinbar mit internationalem Recht und mit bilateralen Abkommen zwischen den USA und Thailand, sagte Außenministeriumssprecher Philip Crowley am Dienstag in Washington. Die Angelegenheit beeinträchtige die Beziehung der USA zu Russland nicht.

Thailands Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva hatte am Dienstag mitgeteilt, dass seine Regierung die Auslieferung Buts beschlossen habe. In einem von den USA für die Überführung des Russen bereitgestellten Flugzeug wurde der 43-Jährige wenig später aus Thailand ausgeflogen.

Damit endete ein monatelanges Tauziehen um die Auslieferung Buts. Im Oktober hatte ein thailändisches Gericht die letzte juristische Hürde auf dem Weg zu Buts Auslieferung aus dem Weg geräumt.

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Wiktor But: "Lord des Krieges"
Der weltweit gesuchte mutmaßliche Waffenhändler, der in Medien auch als "Händler des Todes" bezeichnet wird, war im März 2008 von US-Agenten in Bangkok gefasst worden. Die Agenten hatten sich als Vertreter der kolumbianischen Farc-Rebellen ausgegeben und vorgegaukelt, Waffen kaufen zu wollen. But ging nach Angaben der Ermittler auf das Geschäft ein. Zwei Jahre lang saß der Russe daraufhin im berüchtigten "Bangkok Hilton"-Gefängnis in Bangkok ein - die Großmächte USA und Russland rangen derweil um sein Schicksal.

But soll nun in den USA der Prozess gemacht werden: Die offizielle Anklage gegen ihn lautet auf "Verschwörung" mit dem Ziel, Waffen an die Terroristen der kolumbianischen Farc-Bewegung zu liefern und US-Bürger zu töten. Er soll eine ganze Flotte von Frachtflugzeugen unterhalten und Waffen in Krisengebiete in Afrika, Südamerika, den Nahen Osten und nach Asien geliefert haben. But droht eine lebenslange Haftstrafe. Laut Untersuchungen der Uno soll But Waffen in Bürgerkriegsgebiete verkauft haben, angeblich sogar an die Taliban. Eindeutige Beweis fehlen indes. But beteuert seine Unschuld und gibt an, legal im Flugfrachtgeschäft tätig gewesen zu sein.

Der Fall ist für Thailand politisch brisant: Die USA sind ein traditioneller Verbündeter des Königreichs, aber Thailand legt auch Wert auf gute Beziehungen zu Russland. Moskau hat das US-Auslieferungsgesuch als politisch motiviert verurteilt und mit allen Mitteln versucht, But in seine Heimat zurückzuholen. So bot Russland Thailand Lieferungen von Öl und Kampfjets zu Vorzugskonditionen an. Außenminister Sergej Lawrow versprach gar persönlich, "alles für Buts Heimkehr" zu tun. Für den Kreml bedeutet die Auslieferung an die USA nun deshalb eine schwere Niederlage.

Im Ausland hatte der Einsatz der russischen Regierung für den mutmaßlichen Waffenhändler für Verwunderung gesorgt - über die Motive des Kreml wurde spekuliert. Beobachter gehen davon aus, dass Moskau fürchtet, im Prozess könnte But Insiderkenntnisse aus dem russischen Geheimdienst und Militär preisgeben. But war früher Offizier bei der russischen Luftwaffe.

anr/AFP

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