Aung San Suu Kyi Umgang mit Rohingya-Krise hätte "besser" ausfallen können

Für ihr Schweigen wurde Myanmars De-facto-Regierungschefin kritisiert. Jetzt hat sie Fehler in der Rohingya-Krise eingeräumt, verteidigte aber auch die Sicherheitskräfte - und die Verhaftung von Journalisten.

Aung San Suu Kyi
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Aung San Suu Kyi


Die Uno spricht von "ethnischer Säuberung", 700.000 Menschen verließen das Land: Die Rohingya-Krise sorgt weltweit für Aufsehen und scharfe Kritik. Aus Sicht von Myanmars De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi hätte das Land "besser" mit den Geschehnissen umgehen können.

Die Friedensnobelpreisträgerin äußerte sich nach langem Schweigen erstmals wieder zu der Thematik. "Im Nachhinein betrachtet gibt es natürlich Wege, auf denen besser mit der Situation hätte umgegangen werden können", sagte Suu Kyi auf einem Wirtschaftsforum des Verbandes südostasiatischer Staaten (Asean) in Hanoi. Wegen ihres langen Schweigens zur Rohingya-Krise hatte auch sie wiederholt international in der Kritik gestanden. Erst nach Wochen des Zögerns hatte Suu Kyi die Gewalt gegen die Rohingya überhaupt erstmals verurteilt.

Die muslimische Minderheit der Rohingya wird in Myanmar, dem ehemaligen Burma, seit Jahrzehnten unterdrückt und diskriminiert. Die Lage eskalierte vor einem Jahr, nachdem Rohingya-Rebellen bei Angriffen zahlreiche Grenzwächter töteten. Das Militär in dem mehrheitlich buddhistischen Land reagierte mit brutaler Gegengewalt. Den Einheiten werden Massenvergewaltigungen, Tötungen und das Anzünden Tausender Häuser vorgeworfen. Uno-Beobachter nannten die Vorgänge zuletzt sogar Völkermord. Auch der Internationale Strafgerichtshof, den Myanmar nicht anerkennt, will sich mit dem Fall befassen.

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Suu Kyi verteidigte nun allerdings auch die Sicherheitskräfte. Sie betonte, dass alle Gruppen im westlichen Bundesstaat Rakhine beschützt werden müssten. "Wir müssen allen Seiten gegenüber fair sein", sagte sie. "Das Gesetz muss für jeden gelten." Die enorm hohe Anzahl ethnischer Minderheiten in dem Gebiet mache die Situation sehr kompliziert. Einige von ihnen drohen, komplett zu verschwinden.

Die Gewalt in Rakhine ist zuletzt zwar zurückgegangen, trotzdem kämpft Myanmar noch mit den Folgen der Krise. So wird zum Beispiel schon seit Monaten an der Rückführung der vielen geflohenen Menschen gearbeitet. Suu Kyi sagte, Myanmar sei bereit, die Flüchtlinge wiederaufzunehmen. Weil aber zwei Regierungen involviert seien, gestalte sich die Rückführung kompliziert. Hilfsarbeiter sprechen davon, dass die Bedingungen für eine sichere und geregelte Rückkehr noch nicht erfüllt worden seien.´

Suu Kyi verteidigt Verhaftung von Journalisten

Suu Kyi äußerte sich auch erstmals direkt zur Inhaftierung zweier Journalisten der Nachrichtenagentur Reuters in ihrem Land. Das Urteil habe nichts mit Meinungsfreiheit und der Arbeit als Journalisten zu tun, sagte sie. Das Gericht habe festgestellt, dass die Journalisten das Gesetz für Staatsgeheimnisse verletzt hätten.

Die beiden Journalisten, die über die Tötung von Angehörigen der Rohingya berichtet hatten, waren Anfang September wegen Landesverrats zu jeweils sieben Jahren Haft verurteilt worden. International wurde das Urteil scharf kritisiert. US-Vizepräsident Mike Pence hatte Myanmar zur sofortigen Freilassung der Journalisten aufgefordert.

Suu Kyi sagte, die Verurteilten hätten das Recht, gegen das Urteil Berufung einzulegen und deutlich zu machen, warum es aus ihrer Sicht falsch sei. Der Prozess und jede Anhörung seien öffentlich gewesen. Wenn jemand der Ansicht sei, dass es sich um ein Fehlurteil handele, solle er es begründen, sagte die Politikerin.

aev/AP/AFP/Reuters

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