Pressekonferenz der National Rifle Association: US-Waffenlobby will Schulen mit bewaffneten Wachen schützen
Eine Woche lang hat die US-Waffenlobby geschwiegen - jetzt kommt sie aus der Deckung. Auf einer Pressekonferenz warb sie dafür, nach dem Amoklauf von Newtown Schulen durch Bewaffnete zu schützen. Denn das einzige Mittel gegen einen bösen Menschen mit einer Waffe sei: ein guter Mensch mit einer Waffe.
Washington - Die National Rifle Association (NRA) hat sich am Freitag erstmals nach dem Amoklauf von Newtown vor einer Woche zu dem Verbrechen geäußert. Wer erwartet hatte, die US-Waffenlobby würde sich geläutert zeigen, der irrte. Die NRA tritt für noch mehr Waffen ein. Jede Schule sollte von bewaffneten Polizisten oder Wächtern geschützt werden, forderte NRA-Vizepräsident Wayne LaPierre in Washington. Die NRA sei bereit, beim Training für entsprechende Programme zum Schutz von Schulkindern mitzuhelfen.
Als Verantwortliche für solche Taten wie den Amoklauf von Newtown machte er die Medien aus. Jedes amerikanische Kind sehe bis zu seinem 18. Geburtstag 16.000 Morde. In Musikvideos und Computerspielen werde das Leben als ein Spiel dargestellt.
LaPierre begründete seinen Vorstoß für bewaffnete Wachen an Schulen damit, dass schließlich auch der Präsident und sogar Sportstadien von Bewaffneten beschützt würden. "Das einzige Mittel gegen einen bösen Menschen mit einer Waffe ist ein guter Mensch mit einer Waffe." Strengere Gesetze zum Erwerb von Schusswaffen in den USA lehnte er ab. Solche Gesetze würden nichts bringen. Journalisten durften bei der Pressekonferenz im teuersten Hotel Washingtons keine Fragen stellen.
Die Pressekonferenz wurde mehrfach von Gegnern der NRA unterbrochen. Gleich zu Beginn stürmte ein Mann nach vorn und rief: "Die NRA tötet unsere Kinder." Er zeigte ein Transparent mit der entsprechenden Aufschrift. Minuten später hielt eine Frau ein weiteres Transparent hoch, auf dem zu lesen stand: "Die NRA hat Blut an ihren Händen."
Unmittelbar nach dem Massaker, bei dem 20 Kinder und sechs Schulmitarbeiter starben, hatte sich die NRA aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Anders als bei früheren Amokläufen hatte die Organisation keine Beileidsbekundungen für die Angehörigen der Opfer veröffentlicht. Überdies schaltete sie ihr Facebook-Konto im Internet vorübergehend ab und sendete keine Mitteilungen über den Kurznachrichtendienst Twitter.
Die Tragödie löste eine landesweite Debatte über eine Reform des vergleichsweise liberalen Schusswaffenrechts der USA aus, die jahrelang am Widerstand vieler Amerikaner gescheitert war. US-Präsident Barack Obama setzt sich für eine Verschärfung der Gesetze ein. Er rief die Bürger auf, den Druck auf die Abgeordneten aufrechterhalten. "Rufen Sie Ihre Kongressvertreter so oft wie nötig an, bekennen Sie Farbe und sagen Sie im Namen unser aller Kinder: 'Es reicht'."
Der Präsident will den Kongress dazu bewegen, den Verkauf von Sturmgewehren zu verbieten sowie den bisher weitgehend unkontrollierten Handel mit Waffen auf einschlägigen Messen strenger zu kontrollieren. Obamas Regierungsmannschaft soll die Reformvorschläge noch im Januar vorlegen. "Es ist an der Zeit, den Worten Taten folgen zu lassen." Mit der Ausarbeitung der Vorschläge beauftragte er Vizepräsident Joe Biden.
ler/Reuters
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- Freitag, 21.12.2012 – 17:39 Uhr
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