Nach Angriff auf Ramallah Arafat wirft Israel "Faschismus" vor

In der Nacht kam der Vergeltungsschlag für das gestrige Selbstmordattentat in Megiddo. Israelische Panzer nahmen in Ramallah das Hauptquartier von Jassir Arafat massiv unter Beschuss. Jetzt wirft der Palästinenserpräsident Israel "Rassismus und Faschismus" vor.


Wieder da: Die israelischen Panzer in Ramallah
AP

Wieder da: Die israelischen Panzer in Ramallah

Ramallah - Palästinenser-Präsident Jassir Arafat hat Israel Rassismus und Faschismus vorgeworfen und gesagt, der Angriff auf seinen Amtssitz in Ramallah werde die Palästinenser nur noch standhafter machen.

"Ich fordere die Welt auf zu kommen und sich diesen Rassismus und diesen Faschismus und diesen massiven Angriff auf den Sitz der palästinsischen Führung anzuschauen", sagte Arafat nach dem Abzug der israelischen Panzer. "Das macht dem palästinensischen Volk nichts aus. Im Gegenteil, es wird die Standhaftigkeit dieses Volkes stärken." Die Palästinenser sind seit 20 Monaten im Aufstand gegen die Besatzungsmacht Israel.

Truppen ziehen sich an Stadtrand zurück

Wenige Stunden nach dem Vorstoß auf sein Hauptquartier im Westjordanland in der Nacht zum Donnerstag zog die israelische Armee von dort wieder ab. Aus Militärkreisen verlautete am Morgen, die Truppen hätten sich an den Stadtrand von Ramallah zurückgezogen.

Die Armee war in der Nacht mit Panzern auf das Gelände vorgerückt. Nach palästinensischen Angaben wurde ein Leibwächter Arafats beim israelischen Artillerie-Beschuss der Anlagen getötet, mindestens sechs weitere Palästinenser seien verwundet worden. Arafat selbst blieb unversehrt. An den Gebäuden entstand den Berichten zufolge schwerer Schaden.

Mit dem Vorstoß reagierte Israel auf den jüngsten Selbstmord-Bombenanschlag in Israel vom Vortag, bei dem nach neuesten Angaben 17 Menschen starben und mindestens 40 verletzt wurden. Israel hatte Arafat für den Anschlag verantwortlich gemacht. Arafat wies die Vorwürfe zurück. Die radikale Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad hatte sich zu dem Anschlag bekannt. Palästinensische Sicherheitskräfte hatten den Anschlag verurteilt und angekündigt, sie würden nach den Verantwortlichen fahnden.

Wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete, drangen in der Nacht 30 bis 50 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge aus drei Richtungen in die Stadt Ramallah vor. Dabei rückten Panzer auch in das Hauptquartier des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat ein und rissen ein riesiges Loch in die Außenmauer, wie der israelische Rundfunk meldete. Planierraupen seien den Panzern gefolgt, um Gebäude in dem weiträumigen Areal niederzureißen.

Arafat sei bislang nichts geschehen, sagte der palästinensische Kabinettsminister Sajib Erekat dem US-Sender CNN. Den israelischen Einmarsch bezeichnete er als ernste Eskalation. Erekat rief Amerikaner und Europäer auf zu intervenieren.

Israel hatte Ende März zu Beginn einer groß angelegten Militäroffensive im Westjordanland nach einer Serie von Anschlägen Arafats Hauptquartier schon einmal umstellt. Die Belagerung damals dauerte 34 Tage.

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