Nach Attentat von Arizona Waffenverkäufe in den USA schnellen nach oben

Sie sind klein, leicht und einfach zu handhaben: Pistolen der Marke Glock, wie sie der Attentäter von Arizona benutzte. Nach dem Blutbad hat nun ein Run auf die Handfeuerwaffen begonnen - Tausende US-Bürger fürchten eine Verschärfung der Gesetze und decken sich rasch ein.

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Schießübung mit Glock-Pistole: Beliebt bei Polizei, Sicherheitsfirmen, Sportschützen
REUTERS

Schießübung mit Glock-Pistole: Beliebt bei Polizei, Sicherheitsfirmen, Sportschützen


Hamburg - Der 22-Jährige Todesschütze Jared Lee Loughner konnte problemlos an jene Waffe gelangen, mit der er am vergangenen Samstag sechs Menschen tötete und 14 weitere verletzte. Er betrat am 30. November 2010 das Sportsman's Warehouse in Tucson und kaufte eine halbautomatische Glock 19, dazu vier Neun-Millimeter-Magazine, zwei davon erweitert - 25 bis 33 Schuss anstatt der normalen 15.

Die Sache war binnen Minuten erledigt. Das übliche Prozedere beschränkt sich auf einen raschen Computercheck an der Verkaufstheke über eine mögliche kriminelle Vergangenheit. Eine Genehmigung für den Waffenbesitz brauchte Loughner nicht, und er konnte seine Neuerwerbung sogar versteckt am Körper tragen. So sieht es das Gesetz im US-Bundesstaat Arizona vor, eines der liberalsten Waffengesetze im ganzen Land.

Das Attentat in Tucson, bei dem unter anderem die US-Abgeordnete Gabrielle Giffords schwer durch einen Kopfschuss verletzt wurde, hat nun offenbar einen Massenansturm auf Glock-Pistolen ausgelöst. 499 US-Dollar kostet die halbautomatische Handfeuerwaffe bei den meisten Fachhändlern. Glock-Pistolen sind klein, leicht und einfach zu handhaben, die Modelle der in Österreich ansässigen Firma sind besonders beliebt bei Sicherheitsfirmen, Polizisten und Sportschützen. Giffords selbst besaß eine Glock.

Wie der Finanznachrichtendienst Bloomberg auf seiner Internetseite berichtet, schnellen die Tagesverkäufe von Handfeuerwaffen in den USA nach dem Blutbad von Tucson nach oben. Allein am 10. Januar, zwei Tage nach dem Attentat, stiegen die Tagesverkäufe von Handfeuerwaffen in Arizona um 60 Prozent auf 263 verkaufte Pistolen. Bloomberg stützt sich auf Daten des FBI.

Doch auch außerhalb Arizonas beginnt der Run auf Handfeuerwaffen.

  • Der FBI-Statistik zufolge stieg der Verkauf im US-Bundesstaat Ohio um 65 Prozent (395 verkaufte Waffen), um 16 Prozent in Kalifornien (672 verkaufte Waffen), 38 Prozent in Illinois (348 verkaufte Waffen) und 33 Prozent in New York (206 verkaufte Waffen).
  • Landesweit stiegen die Verkäufe um fünf Prozent, auf insgesamt knapp 8000 verkaufte Handfeuerwaffen an einem Tag.
  • Ähnliches, so zeigt die Statistik Bloomberg zufolge, passierte im Jahr 2007, unmittelbar nach dem Amoklauf an der Virginia Tech Universität, bei dem 32 Menschen starben. Die Tatwaffe des Amokläufers: eine Neun-Millimeter-Glock.

Waffen der Marke Glock gelten als Topseller. Grew Wolff, Besitzer von zwei "Glockmeister"-Waffenshops in Arizona, sagte Bloomberg, er habe in den vergangenen Tagen "doppelt so viele" halbautomatische Glock-Pistolen verkauft wie üblich. Der Grund: Torschlusspanik, meint der Händler. "Wenn so ein Attentat passiert, bekommen die Leute Angst vor einem möglichen Waffenverbot."

Der Besitzer eines Schießübungszentrums in Phoenix, Don Gallardo, verzeichnete einen Ansturm auf den hauseigenen Schießunterricht - die Kurse zum Waffentraining hätten doppelt so viele neue Anmeldungen wie vor dem Wochenende. "Nach Ereignissen wie diesen rennen die Leute los und wollen etwas tun, um ihre Familie zu beschützen", meint Gallardo, "gerade wenn die Tat quasi vor der Haustür stattgefunden hat."

Im Zuge des Attentats läuft die Diskussion um die Sicherheit von US-Staatsvertretern derweil auf Hochtouren. Der republikanische Kongressabgeordnete Dan Burton aus Indiana forderte im Fernsehsender CBS, die Besuchertribüne im Repräsentantenhaus mit einem "transparenten und harten Material" wie Plexiglas zu verkleiden, um Abgeordnete bei Abstimmungen und Debatten besser vor potentiellen Attentätern zu schützen.

Jesse Jackson Jr., demokratischer Abgeordneter aus Illinois, will mehr Geld für den Schutz von Parlamentariern. Erst in der vergangenen Woche hatte der US-Kongress eine Budgetkürzung von fünf Prozent für Parlamentarierbüros gebilligt - Jackson fordert eine Rücknahme des Beschlusses plus zusätzliche zehn Prozent für "Überwachungskameras, Sicherheitspersonal und andere Maßnahmen", heißt es in einem Statement.

Für Mittwochmorgen Ortszeit ist auf dem Capitol Hill eine Lagebesprechung zu Sicherheitsfragen angesetzt. Senats-Saalmeister Terrance Gainer sagte gegenüber dem Fernsehsender ABC, die Zahl der Drohungen gegen Senatsmitglieder sei im vergangenen Jahr "auf 49 angewachsen". Ankündigungen einiger US-Politiker, künftig verstärkt Waffen am Körper zu tragen, wies er jedoch zurück: "Ich denke nicht, dass noch mehr Waffen die Situation verbessern werden."

mit dpa

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BadTicket 12.01.2011
1. Der wilde Westen
Der wilde Westen hat sich anscheinend auf ganz Amerika ausgedehnt. Eine sehr traurige Entwicklung die in der Schweiz ein paar radikale Politiker und Bürger auch gerne hätten...
h0l0fernes 12.01.2011
2. Ich bin dafür,
dass jeder Bürger der VSA das Recht bekommt, seine eigene Atombombe zu besitzen. Denn nur so hat er die Chance, sich gegen die Atombomben der anderen Bürger zu schützen! Gerne dürfen die Atombomben auch versteckt mitgeführt werden. Man weiß ja nie, wie man die mal brauchen kann. So könnte doch auch der völlig verarmte militärisch-industrielle Komplex der VSA noch ein paar kleine Geschäfte machen.
Shane 12.01.2011
3. Titelverteidiger
Hilfe! Ich muss mich vor den Leuten schützen, die sich vor Attentätern schützen wollen und deshalb Handfeuerwaffen kaufen... aber wie schützt ihr euch dann vor mir?
Kranken-pfleger 12.01.2011
4. Würde
es genauso machen. Hier in der BRD darf sich ja ein Opfer nicht wehren, der Täter hat ja meist eine schlechte Kindheit gehabt. Jeder Vater würde sofort zurück schießen wenn solche Idioten in der Schule/Veranstaldung oder öffentliche Gebäude auftauchen.
Rockaxe 12.01.2011
5.
Andere Länder andere Sitten. Bevor jetzt wieder alle anfangen gegen Waffen, "die bescheuerten Amerikaner" oder ähnliches zu wettern, sollten sich diese Personen mal mit dem 2. Zusatzartikel der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika vertraut machen, sowie der allgemeinen Gesetzgebung und der Möglichkeit, dass auch einzelne Bundesstaaten und Countys Gesetze erlassen können. Mich würde eher mal interessieren, wie der Täter die Munition bearbeitet hatte, dass sie so tödlich wirkte (gezielte Schüsse bzw. das Mädchen aussen vor.) Glock 19 = 9mm Parabellum, als Killerwaffe nicht unbedingt erste Wahl, da gibt es "bessere" Kaliber.
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