Nach Autounfall: Premierminister Tsvangirai verlässt Simbabwe

Der Premierminister von Simbabwe, Morgan Tsvangirai, ist nach Botswana ausgeflogen worden. Am Freitag hatte er bei einem Autounfall seine Frau verloren und war selbst verletzt worden. Seine Partei drängt auf eine Untersuchung des Unfalls.

Harare - Der Präsident von Botswana, Ian Seretse Khama, sandte sein Privatflugzeug, um den verletzten Tsvangirai aus Simbabwe abzuholen. Nach Angaben aus Tsvangirais Partei, dem MDC, soll der Premierminister sich in dem Nachbarland erholen. Bei einem tragischen Autounfall war Tsvangirai am Freitag verletzt worden; seine Frau starb.

Tsvangirai, Ehefrau Susan: Untersuchung gefordert
AFP

Tsvangirai, Ehefrau Susan: Untersuchung gefordert

Zugleich wirft der gestrige Unfall Fragen auf. Tsvangirai war erst im Februar, nach Monate langen Verhandlungen und Unruhen, Premierminister geworden. Präsident Robert Mugabe hatte sich beharrlich geweigert, einen Teil seiner Macht abzutreten. Die vorangegangene Wahl, zu deren Sieger sich Mugabe erklärt hatte, war nicht fair verlaufen, sondern von Gewalt und Einschüchterung durch Mugabes Schergen geprägt gewesen.

Nun fordert Tsvangirais Partei eine Untersuchung des Unfalls. Aus der Partei hieß es, der Unfall hätte vermieden werden können, wenn die Sicherheitsvorkehrungen für den Premier besser gewesen wären. Der Unfall fand auf einer heruntergekommenen Straße südlich der Hauptstadt Harare statt.

Mangelnder Schutz für den Premier?

Der MDC-Generalsekretär und Finanzminister Tendai Biti sagte, die Polizei untersuche den Vorfall bereits. "Hätte es eine Polizeieskorte gegeben, wäre das, was geschehen ist, unmöglich gewesen", sagte er. Tsvangirais Ehefrau Susan starb bei dem Unfall, als ein Lastwagen von der Gegenfahrbahn abkam und in das Auto des Premiers fuhr. Die beiden haben sechs Kinder.

Das Fahrzeug überschlug sich bei dem Unfall mehrmals. Tsvangirai selbst erlitt Kopf- und Halsverletzungen, aber sein Zustand sei stabil, hieß es. Schon am Montag wird er in Simbabwe zurückerwartet.

Präsident Mugabe besuchte Tsvangirai in Simbabwe im Krankenhaus und sagte, der Tod von dessen Ehefrau sei ein Rückschlag zu einer Zeit, da Simbabwe den neuen politischen Modus feiere. Mugabe gilt als einer der korruptesten Herrscher Afrikas. Die Bevölkerung leidet unter Mangelernährung und einer grassierenden Choleraepidemie, während der Präsident kürzlich prunkvoll seinen Geburtstag beging.

Ex-US-Botschafter sieht Anlass für Misstrauen

Bisher hat niemand in Tsvangirais Umfeld die Vermutung aufgestellt, der Unfall könnte ein getarnter Anschlag gewesen sein. Aus der US-Botschaft verlautetet, der in den Unfall involvierte LKW habe Aids-Medikamente transportiert, die von der US-Regierung gestiftet worden seien. Der Fahrer sei aus Simbabwe, arbeite aber für die USA.

Ein Polizeiermittler erklärte, der Lastwagen sei möglicherweise auf ein Hindernis gefahren, bevor er aus der Spur ausbrach. Autounfälle sind häufig in Simbabwe, die Straßen generell in schlechtem Zustand.

Allerdings sagte Tom McDonald, der ehemalige US-Botschafter in Simbabwe, es wäre nicht das erste Mal, dass Mugabes politische Gegner bei Autounfällen verletzt oder getötet würden. "Ich bin bei jedem Autounfall in Simbabwe skeptisch, an dem ein Oppositionspolitiker beteiligt ist", sagte er CNN. Autounfälle seien die Methode der Wahl des Mugabe-Regimes, um "Leute loszuwerden".

Als Beispiele nannte der Diplomat, der von 1997 bis 2001 die USA in Harare vertrat, den Unfalltod des Verteidigungsministers Moven Mahachi 2001 und zweier weiterer Minister im vergangenen Jahr. McDonald forderte eine unabhängige Untersuchung des Unfalls.

yas/AP/Reuters

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