Nach Bluttat in Kabul Karzai will Taliban-Büro in Afghanistan

Afghanistans Präsident plant, Friedensverhandlungen mit den Taliban offizielles Gewicht zu verleihen. Hamid Karzai spricht sich für ein Büro der Gruppe im eigenen Land aus. Damit greift er eine Idee seines Vorgängers auf - der bei einem inoffiziellen Treffen mit Aufständischen von ihnen ermordet wurde.

Afghanistans Präsident Hamid Karzai: Büro für Taliban gefordert
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Afghanistans Präsident Hamid Karzai: Büro für Taliban gefordert


Kabul - Es ist ein Schritt hin zu Friedensverhandlungen mit den Taliban: Der afghanische Staatspräsident Hamid Karzai hat sich für die Errichtung eines offiziellen Taliban-Büros in Afghanistan ausgesprochen. Ein solche Niederlassung sei "ausschließlich für Friedensverhandlungen" zuständig, teilte die Präsidialverwaltung nach einer Versammlung führender afghanischer Politiker mit.

Sollte es derzeit nicht möglich sein, ein Büro in Afghanistan zu errichten, sollten sie es in einem anderen islamisch geprägten Staat wie Saudi-Arabien oder der Türkei eröffnen, sagte Karzai. Einen Tag hatte die indische Tageszeitung "The Hindu" berichtet, dass die Aufständischen im Golfstaat Katar ein Büro eröffnen wollten.

Keine Verhandlungen mit unbekannten Aufständischen

Mit der Forderung reagiert Karzai auf die Ermordung des afghanischen Ex-Präsidenten Burhanuddin Rabbani im September. Der Vorsitzende des Hohen Friedensrates hatte die Einrichtung eines Taliban-Büros gefordert, um verbindliche Verhandlungspartner für Friedensgespräche zu haben. Damit hatte Karzais Vorgänger versucht, den jahrelangen Konflikt am Hindukusch mit politischen Mitteln zu lösen.

Es würden keine inoffiziellen Verhandlungen mit unbekannten Aufständischen mehr geführt, sagte Karzai nach der Tat. Der Selbstmordattentäter, der Rabbani in den Tod riss, gab sich als Unterhändler der Taliban aus.

Karzai hatte bereits Ende vergangenen Jahres die Idee einer eigenen Vertretung der Taliban in einem neutralen Land ins Spiel gebracht. Allerdings zeigte sich die Regierung in Kabul verärgert, als die USA und Deutschland ohne ihre Beteiligung über die Eröffnung einer Taliban-Vertretung in Katar verhandelten. Sie zog am Mittwoch aus Protest ihren Botschafter aus Katar zurück.

Die Taliban waren in Afghanistan von 1996 bis 2001 an der Macht. Ihre Herrschaft wurde damals nur von drei Ländern anerkannt: Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Pakistan. Seit ihrem Sturz führen die Taliban einen blutigen Kampf gegen die afghanische Regierung und die Soldaten der NATO-Truppe ISAF.

dis/dapd/afp



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insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
nickleby 15.12.2011
1.
Zitat von sysopAfghanistans Präsident plant, Friedensverhandlungen mit den Taliban offizielles Gewicht zu verleihen. Hamid Karzai spricht sich für ein Büro der*Gruppe im eigenen Land aus. Damit greift er*eine Idee*seines Vorgängers auf - der bei einem inoffiziellen Treffen mit Aufständischen von ihnen ermordet wurde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804063,00.html
Wenn dies verwirklicht werden sollte, muss man sich fragen, warum überhaupt 10 Jahre tausende Soldaten der NATO für die Freiheit des afghanischen Volkes im Namen der UNO gekämpft haben und auch gefallen sind. Die Taliban sind Verbrecher ubd heimtückische Massenmörder, die auf nichts Rücksicht nehmen , Sie sind eitel, selbsverliebt und kulturelle Barbaren, die erst noch lernen müssen, sich wie gesittete Menschen zu betragen
peter.pfeifer 16.12.2011
2. Für was?
Zitat von sysopAfghanistans Präsident plant, Friedensverhandlungen mit den Taliban offizielles Gewicht zu verleihen. Hamid Karzai spricht sich für ein Büro der*Gruppe im eigenen Land aus. Damit greift er*eine Idee*seines Vorgängers auf - der bei einem inoffiziellen Treffen mit Aufständischen von ihnen ermordet wurde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,804063,00.html
Für was hat der Westen so viele menschliche und finanzielle Opfer gebracht? Die Taliban sind fast wieder, da wo sie vor 10 Jahren schon waren. Die Russen waren die Einzigen, die relativ schnell erkanten, daß für Afghanistan fast alles umsonst ist. 3 Anglo-Afghanische Kriege haben auch nix gebracht! Man lernt ja leider nichts aus der Geschichte, sehr schade.
vlupme 16.12.2011
3. .
Wer hat eigentlich das Märchen vom "moderaten" Taliban erfunden, Taliban bleiben wer sie sind bärtige Männer die einen Steinzeit-Islam fordern. Also einfach alles schnell abziehen und als Abschiedsgeschenk alle Mohnfelder verbrennen anstatt sie zu beschützen, danach alle moderen Waffensysteme usw. mitnehmen und das Abenteuer Afghanistan beenden.
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