Nach Eklat in Genf Ahmadinedschad will künftig alle internationalen Konferenzen besuchen

Irans Präsident Ahmadinedschad hat einen Strategiewechsel angekündigt: In Zukunft will er auf allen internationalen Konferenzen auftreten. Anlass ist der von ihm provozierte Eklat auf der Anti-Rassismus-Konferenz in Genf.


Teheran - Mahmud Ahmadinedschad hat seine eigene Interpretation der Ereignisse vom Montag. Bei seiner Rückkehr nach Teheran warf der iranische Präsident dem Westen "Intoleranz" vor. "Diejenigen, die Redefreiheit fordern, waren nicht einmal dazu bereit, bei einer von ihnen selbst organisierten Konferenz eine oppositionelle Stimme zu tolerieren", klagte er.

Mahmud Ahmadinedschad: "Von nun auf allen internationalen Konferenzen"
AFP

Mahmud Ahmadinedschad: "Von nun auf allen internationalen Konferenzen"

Mit seiner Rede vor der Anti-Rassismus-Konferenz der Vereinten Nationen in Genf hatte Ahmadinedschad weltweit Empörung ausgelöst. Darin hatte er Israel mit Blick auf die Palästinenser als barbarisches und rassistisches Regime bezeichnet. Nach Beginn der Rede hatten westliche Delegierte unter Protest den Saal verlassen. Die iranischen Medien bezeichneten diese am Dienstag als eine Minderheit und als "von Israel engagierte Clowns".

Mehrere Staaten - darunter Deutschland und die USA - hatten ihre Teilnahme an dem Uno-Treffen abgesagt. Ahmadinedschad sagte bei seiner Rückkehr nach Teheran: "Wegen mir haben einige Länder die Konferenz boykottiert. Ich erkläre hiermit, dass ich von nun an an allen internationalen Konferenzen teilnehmen werde."

Am Dienstag hat die EU offiziell auf die Rede Ahmadinedschads reagiert - und dabei scharfe Kritik geübt. Die EU weise dessen Vorwurf entschieden zurück, wonach Israel rassistisch sei, erklärte der tschechische EU-Vorsitz in Prag. Die EU-Vertreter hatten während der Rede geschlossen den Saal verlassen.

Nach dem Zwischenfall folgte auch Tschechien dem Beispiel Deutschlands und drei weiterer EU-Länder und zog sich von der Konferenz zurück. Damit sind nun noch 22 EU-Mitgliedstaaten bei der Tagung vertreten, die am Freitag zu Ende geht.

Frankreich erklärte sich weiter zur Teilnahme bereit. Das Treffen sei trotz der antisemitischen Ausfälle "kein Fehlschlag", sagte Außenminister Bernard Kouchner dem französischen Radiosender Europe 1. In dem über Jahre vorbereiteten Abschlussentwurf sei alles enthalten, "was die westlichen Länder wünschen", auch wenn das Dokument "nicht perfekt" sei und etwa ein Verbot der Diskriminierung von Homosexuellen nicht enthalte. Laut Kouchner war dies nicht durchsetzbar.

ler/dpa/AFP



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