Rom - Italien gilt als Land des guten Geschmacks, man schätzt Essen, Mode und auch den politischen Streit. Doch in der Stunde des Triumphs über Deutschland bei der Fußball-EM scheinen einige Journalisten ihre Stilsicherheit vergessen zu haben. Zu sehen ist das am Freitag auf zwei Titelblättern von Zeitungen, die Bundeskanzlerin Angela Merkel schmähen.
Fußball und Politik vermischen sich in diesen Tagen stärker als sonst in Italien - aber die Titelzeilen der beiden Blätter, die zum Dunstkreis von Ex-Premier Silvio Berlusconi gehören, haben zudem noch einen, nun ja, besonderen Ton getroffen. Fast fragt man sich, ob sich die beiden Redaktionen im Niveau gegenseitig unterbieten wollten.
Die Zeitung "Il Giornale" überschrieb ein Bild der jubelnden italienischen Fußballer auf der Titelseite mit der Schlagzeile: "Ciao Ciao Culona". Culona ist die Vergrößerungsform von "culo" - ein unschönes Wort für das Hinterteil. Gemeint war damit die Kanzlerin. "Liebe Merkel, aus dem Euro fliegst Du", hieß es weiter.
Das Wort "culona" hat eine pikante Vorgeschichte: Skandalpolitiker Berlusconi hatte laut Abhörprotokollen in einem Telefonat die Kanzlerin als "culona" bezeichnet, und den Kraftausdruck außerdem mit einem Adjektiv versehen, das die Schmähung noch deutlich verstärkt. Heraus kam eine heftige Abschätzung des Äußeren der Kanzlerin, die man besser nicht wiedergibt.
Das "Giornale", das die Schmähung nun wieder aufgriff, ist übrigens im Besitz von Paolo Berlusconi, dem Bruder des früheren Premiers.
Und dann gab es noch die Titelseite von "Il Libero". Dort sieht man Italiens Starstürmer Mario Balotelli, der Deutschland aus dem Turnier schmiss, beim strammen Schuss, allerdings schießt er nicht mit einem Ball, sondern mit dem Kopf der Kanzlerin. Garniert wurde die Zeichnung dann mit der Titelschlagzeile "Vaffanmerkel". Eine Abwandlung des beliebten italienischen Schimpfwortes "Vaffanculo" - die rüde Aufforderung, etwas im "culo" machen, dessen Bedeutung ja nun bekannt ist.
Auch das rechtspopulistische Blatt "Il Libero" steht Berlusconi nahe. Blattgründer Vittorio Feltri, der die Zeitung im Jahr 2000 auf den Markt brachte, leitete später eine weitere Berlusconi-Zeitung, der aktuelle Chefredakteur Maurizio Belpietro hat unter anderem einen Nebenjob als Moderator in Berlusconis Fernsehimperium.
Auf der "Libero"-Website ermutigten die Berlusconi-Journalisten dann noch die Leser, die beste Schlagzeile zum EM-Triumph über Deutschland zu wählen. Mit weiteren Fehlgriffen ist zu rechnen.
fab
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