Nach Gebietsreform Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr wird gefährlicher

Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan könnte weitaus gefährlicher werden, als bislang bekannt. Nach Informationen des SPIEGEL wird der Bereich, für den die Deutschen zuständig sind, ausgeweitet - und umfasst dann auch die besonders umkämpfte Provinz Faryab. Grund: eine Gebietsreform.


Hamburg - Das Einsatzgebiet der Bundeswehr in Nordafghanistan wird größer und gefährlicher. Grund ist eine Gebietsreform, die Präsident Hamid Karzai auf Betreiben seiner Militärs verfügt hat.

Deutscher Soldat in Afghanistan: Einsatz wird gefährlicher
DDP

Deutscher Soldat in Afghanistan: Einsatz wird gefährlicher

Der Bezirk Ghormach in der Provinz Badghis, der als eine Hochburg der Taliban gilt und nur sporadisch von italienischen Truppen kontrolliert wird, soll demnach der Nachbarprovinz Faryab zugeschlagen werden. Für sie ist laut Nato-Operationsplan das von der Bundeswehr geführte Regionalkommando Nord zuständig.

Seit 2007 gab es in Ghormach mehrmals blutige Gefechte mit Taliban-Kämpfern, die eine wichtige Straßenverbindung unterbrechen wollten. Nur mit Sondererlaubnis des Bundesverteidigungsministeriums durften deutsche Soldaten den norwegischen und afghanischen Kampftruppen beistehen, die auf Bitten der überforderten Italiener aus Faryab in den Gefahrenbezirk vorgerückt waren.

Über Karzais Absichten waren die Abgeordneten des Bundestags nicht unterrichtet, als sie kürzlich das Isaf-Mandat um 14 Monate verlängerten und die Erhöhung der Truppenstärke von 3500 auf bis zu 4500 Soldaten billigten. Als der - von Nato-Generälen und deutschen Militärs längst befürwortete - Karzai-Plan vergangene Woche ruchbar wurde, verwahrten sich aufgebrachte Parlamentarier prompt gegen eine "schleichende Ausweitung" des Einsatzgebiets.

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) versprach daraufhin, den Bundestag zu "befassen", also die Abgeordneten zu informieren. Erst danach werde Berlin der "Neuordnung" und einer "Anpassung des Operationsplans" zustimmen.

Im Februar hatte die Regierung einen Bericht des SPIEGEL dementiert, dass sie erwäge, mehr Truppen zu schicken, das Mandat über zwölf Monate hinaus zu strecken und den Einsatzraum der Bundeswehr auszudehnen.

ffr



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