Krise nach "Sandy" Sturmopfer rufen nach der US-Regierung

Tausende sind noch ohne Strom, es fehlt Heizöl, viele Menschen sind obdachlos - jetzt droht ein Kälteeinbruch an der US-Ostküste. Die von "Sandy" heimgesuchten Regionen sind noch weit von der Normalität entfernt. Die Wut wächst. US-Präsident Obama verspricht erneut schnelle Hilfe.

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New York - Der New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg kann sehr eigensinnig sein. Trotz erheblicher Proteste setzte er in der Stadt kürzlich ein Verbot von Limonade in XXL-Bechern durch. Und kurz nachdem Hurrikan "Sandy" in New York schwere Schäden angerichtet hatte, empfahl der frühere Republikaner Bloomberg den Demokraten Barack Obama zur Wiederwahl - weil dieser Führungsstärke beim Thema Klimawandel gezeigt habe.

Nun aber musste Bloomberg eine symbolträchtige Entscheidung revidieren: Der berühmte New Yorker Marathon wurde abgesagt. Bloomberg hatte lange an dem Lauf festgehalten, ähnlich wie nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sollte er die Rückkehr zur Normalität symbolisieren.

Doch davon wollten selbst viele Teilnehmer nichts wissen. "Im Central Park gibt es Zelte und Generatoren für Läufer", sagte die Läuferin Kristen Faughnan, die sich laut "Washington Post" schon vor der Absage des Marathons gegen eine Teilnahme entschieden hatte. "Diese Ressourcen sollten an Leute gehen, die sie wirklich brauchen. Ich will nichts davon." Athletin Kate Krimmel aus Manhattan sagte ihre Teilnahme der Zeitung zufolge sogar schon am Mittwoch ab. Auf ihrer Facebook-Seite habe sie die Veranstalter aufgerufen, das für sie bereitgestellte Wasser, Energie-Gel und einen Regenponcho an Opfer von "Sandy" zu spenden.

Auch Politiker hatten Bloombergs anfängliche Verteidigung des Laufs scharf kritisiert. James Molinaro, der Chef des Stadtbezirks Staten Island, nannte sie gar "idiotisch". Enge Mitarbeiter des Bürgermeister fürchteten laut "New York Times", der Marathon könnte Bloombergs Ansehen beschädigen, nachdem ihm öffentlich bislang ein gutes Management der Krisensituation bescheinigt wurde.

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US-Ostküste nach "Sandy": Benzin für das Krisengebiet
Ähnliche Sorgen dürften nicht nur Bloombergs Mitarbeiter umtreiben. Präsident Barack Obama bekam bislang viel Lob für seinen Umgang mit der Sturmkatastrophe - selbst von politischen Gegnern wie dem Gouverneur von New Jersey, Chris Christie. Doch fünf Tage nach der Katastrophe herrscht vielerorts immer noch der Ausnahmezustand, die Menschen stehen stundenlang für Benzin an.

Ausharren in halbüberfluteten Häusern

Auch das Heizöl wird im Nordosten knapp, zugleich sollen die Temperaturen in der kommenden Woche auf zwei bis drei Grad Celsius sinken. Tausende Amerikaner in den besonders vom Sturm heimgesuchten Bundesstaaten New York, New Jersey oder Connecticut müssen dann voraussichtlich ohne Heizung auskommen.

Hinzu kommt, dass fast 3,5 Millionen Haushalte und Geschäfte an der Ostküste noch ohne Elektrizität sind. Im Bezirk Queens soll es noch neun Tage oder länger dauern, bis es wieder Strom gibt. Bewohner beschweren sich, sie würden ignoriert. "Es gibt keine Fernsehberichte von hier", klagt Grace Lane, die sich den Evakuierungsanweisungen widersetzte und mit ihrer Familie in einem teilweise überfluteten Haus ausharrt.

Die New Yorker Polizei ist noch immer im Dauereinsatz. Bislang ist ein befürchteter Anstieg der Kriminalität ausgeblieben, seit "Sandy" wurde laut einem Sprecher kein einziger Mord gemeldet. In den Stadtteilen ohne Strom wachse jedoch die Angst vor Straftaten, Gerüchte über Plünderungen und Einbrüche machen die Runde. "Niemand geht so weit zu sagen, dass es schlimmer ist als die Anschläge von 2001", zieht ein Polizist Bilanz. "Aber vergleichbar ist es schon."

"Wo ist unsere Regierung?", zitiert die "Washington Post" Jim Brennan, einen pensionierten Feuerwehrmann aus dem besonders stark betroffenen Stadtteil Staten Island. Weder die Nationalgarde noch das Rote Kreuz oder die US- Katastrophenschutzbehörde Fema hätten sich bislang blicken lassen. Auch der Versicherungsberater Michael Cremer zeigte sich verärgert: "Die Menschen in Staten Island fühlen sich vergessen", sagt der 45-Jährige. "Das mit dem Marathon ist einfach irre und die Menschen hier sind äußerst wütend."

"Euer Land wird für euch da sein"

Der Umgang mit dieser Wut ist für Obama und seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney schwierig. Zum einen dürfen sie nicht den Eindruck erwecken, die Opfer der Katastrophe aus den Augen zu verlieren. Andererseits befinden sie sich nun mitten im Wahlkampfendspurt.

Obama demonstrierte seinen Einsatz zuletzt, indem er den zusätzlichen Kauf von rund 80 Millionen Litern Treibstoff anordnen ließ. Für Samstagmorgen berief der Präsident nach Angaben des Weißen Hauses zudem eine Sitzung mit Regierungs- und Behördenvertretern ein. Daran teilnehmen sollten unter anderen Heimatschutzministerin Janet Napolitano und der Fema-Leiter Craig Fugate. Anschließend wollten Behördenvertreter in besonders stark vom Sturm verwüstete Regionen reisen, um sich über den Stand der Aufräumarbeiten zu informieren und sicherzustellen, dass alle dafür nötigen Mittel bereitstehen.

In seiner letzten wöchentlichen Rundfunkansprache vor der Wahl bekräftigte Obama, dass sich die Opfer auf die Hilfe ihrer Regierung und Mitbürger verlassen könnten. "Euer Land wird für euch da sein, so lange es dauert, Tritt zu fassen und wiederaufzubauen", sagte Obama. "Wir öffnen unsere Häuser und Herzen, wie eine einzige amerikanische Familie. Wir genesen, wir bauen wieder auf, wir kommen stärker zurück - und zusammen werden wir das wieder tun."

Herausforderer Romney schaltete bereits am Freitag wieder auf Angriff um, als er Obama wegen der jüngsten Arbeitslosenzahlen Versagen vorwarf. Noch deutlicher als Romney wurde der frühere New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani. Nach einer Schweigeminute für die Opfer von "Sandy" bei einer Veranstaltung im Bundesstaat Ohio setzte er zu einer heftigen Attacke auf Obama an, der die Bürger einst aufgefordert hatte, ihn an seiner Arbeitsmarktbilanz zu messen. Die USA seien "das großartigste Land der Erde, das großartigste Land in der Weltgeschichte - und wir haben ein Wachstum von 1,2 Prozent", rief Guiliani. Obama solle zurücktreten. "Er hat gesagt, er würde zurücktreten, wenn er das schlecht macht."

Nach "Sandy" schätzte allerdings auch Giuliani die politische Lage falsch ein: Laut "New York Times" hatte er seinem Nachfolger Bloomberg noch am Freitagmorgen geraten, den Marathon nicht zu abzusagen.

dab/dpa/Reuters

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Seite 1
stanislaus2 03.11.2012
1. Der hat viel versprochen...
Zitat von sysopREUTERSTausende sind noch Strom, es fehlt Heizöl, viele Menschen sind obdachlos - jetzt droht ein Kälteeinbruch an der US-Ostküste. Die von "Sandy" heimgesuchten Regionen sind noch weit von der Normalität entfernt sind. Die Wut wächst. US-Präsident Obama verspricht erneut schnelle Hilfe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nach-hurrikan-sandy-waechst-die-wut-der-buerger-waechst-a-865093.html
Und wenig gehalten. Wenn er gewählt wurde, hat er auch dies vergessen.
adam68161 03.11.2012
2. Ist ja klar,
man baut bequeme, billige Holzhäuser am Wasser, mach keine Sicherung durch Deiche usw., und wenn diese der Sturm wegbläst, soll die Regierung neue bauen. Es sind ja Wahlen....
Seska Larafey 03.11.2012
3. ...
Nichts gegen FEMA, aber die "Strom Firmen" aus den betroffenen Gebieten sollten mal bei ihren "Kollegen" innerhalb der USA "Manpower" anfordern.Mit mehr Händen geht es schneller. Natürlich sollten nur "Freiwillige" an die Ostküste helfen. Aber solange jemand "Redet" sollten welche "Fakten" schaffen. Strom ist überall gleich. Oder? Vergessen Sie aber auch nicht, diese "Manpower" brauchen auch Verpflegung usw. Also, packen Sie es an. Je schneller jeder Geholfen wird, desto schneller ist es Vorbei. oder wollen es einige "Bürgermeister" nicht einsehen in ihrem Stolz?
overhead 03.11.2012
4. Die New York Marathon Gegner
Die Gegner des Marathon sprechen im peinlichsten Gutmensch-Ton von "Ressourcen", die den Bürgern, statt den Läufern zugute kommen sollten – was sie jedoch nicht verstehen, ist, dass die 340 Millionen Dollar (oder mehr), die dieser Marathon durch die Läufer in die Stadt gebracht hätte, hundert Tausend Mal sinnvoller gewesen wäre!
neue_mitte 03.11.2012
5. schlanker Staat doch jetzt nicht so vorteilhaft?
Zitat von sysopREUTERSTausende sind noch Strom, es fehlt Heizöl, viele Menschen sind obdachlos - jetzt droht ein Kälteeinbruch an der US-Ostküste. Die von "Sandy" heimgesuchten Regionen sind noch weit von der Normalität entfernt sind. Die Wut wächst. US-Präsident Obama verspricht erneut schnelle Hilfe. http://www.spiegel.de/politik/ausland/nach-hurrikan-sandy-waechst-die-wut-der-buerger-waechst-a-865093.html
Klar. Im Alltag soll denen die Regierung möglich fern bleiben, ganz weit weg, auch ja keinen Cent dorthin. Man will alles für sich behalten, der Bürger weiß ja besser mit dem Geld umzugehen, als der doofe Staat. Kaum ist das schöne Wetter passé, ist der Staat nicht nur wieder für was gut, ganz im Gegenteil, es wird sogar geschimpft, dass er nicht dies und das und überhaupt alles tut. Von was denn, wenn ihm sonst jeder Cent vorenthalten werden soll. Man sollte sie sitzen lassen, mit ihrer schlanker-Staat-Denke. Der Bürger kann alles besser und effizienter: Bitte schön! Der Staat soll sich aus allem raushalten: Bitte schön! Wäre nur konsequent.
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