Nach Massaker der Armee Präsident von El Salvador bittet um Verzeihung

Es ist eine beispiellose Geste: Der Präsident von El Salvador, Mauricio Funes, hat für ein von der Armee begangenes Massaker um Verzeihung gebeten. Vor 30 Jahren hatten Soldaten während des Bürgerkriegs mehr als 1000 Dorfbewohner ermordet.

El Salvadors Präsident Mauricio Funes: "Abscheuliche Verstöße gegen die Menschenrechte"
AP

El Salvadors Präsident Mauricio Funes: "Abscheuliche Verstöße gegen die Menschenrechte"


San Salvador - Er rang mit den Tränen: Der Präsident von El Salvador, Mauricio Funes, hat sich für ein Massaker der Armee entschuldigt. Er bitte die Familien der Opfer um Vergebung "für die abscheulichen Verstöße gegen die Menschenrechte", sagte er am Ort der Tat, im Dorf El Mozote, rund 175 Kilometer östlich der Hauptstadt San Salvador.

Dort fand eine Zeremonie anlässlich des 20. Jahrestags der Unterzeichnung des Friedensvertrags zwischen Staat und linken Rebellen statt, mit dem 1992 der Bürgerkrieg zu Ende gegangen war.

Funes erklärte, die Vorfälle vom Dezember 1981 in El Mozote seien möglicherweise das größte Massaker im heutigen Lateinamerika gewesen. Zwischen dem 11. und 13. Dezember 1981 hatten während des Bürgerkriegs Soldaten der Spezialeinheit Atlacatl mehr als 1000 Dorfbewohner ermordet.

Die Soldaten hätten Unschuldige gefoltert und umgebracht, sagte Funes. Frauen und Mädchen seien sexuell missbraucht worden. Im Bürgerkrieg zwischen 1980 und 1992 starben etwa 75.000 Menschen, 8000 gelten immer noch als vermisst.

Der Staatschef erwähnte auch die Namen der drei ranghöchsten Chefs der Spezialeinheit Atlacatl, die nach einer Untersuchung aus dem Jahr 1993 die direkten Verantwortlichen für das Massaker waren. Funes ordnete an, dass die Streitkräfte ihre Geschichte überprüfen.

Im Namen der Opfer forderte María Dorila Márquez die Bestrafung der Schuldigen. Die Straffreiheit müsse ein Ende habe, verlangte sie.

heb/dpa/AFP

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AusVersehen 17.01.2012
1. Komische Geste
Zitat von sysopEs ist eine beispiellose Geste: Der Präsident von El Salvador, Mauricio Funes, hat*für ein von der Armee begangenes Massaker um Verzeihung gebeten. Vor 30 Jahren hatten Soldaten während der Bürgerkriegs mehr als 1000 Dorfbewohner ermordet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,809481,00.html
Komische Geste! Es gibt Dinge die sind nicht zu verzeihen und die muß man auch nicht verzeihen. Beispielsweise den Holocaust. Man sollte sich an solche unverzeihlichen Dinge erinnern und daraus für die Zukunft lernen. Dann haben vielleicht unsere Enkel die Chance in einer gerechteren Welt zu leben, aber ich habe daran leider Zweifel.
Reg Schuh 17.01.2012
2.
Zitat von AusVersehenKomische Geste! Es gibt Dinge die sind nicht zu verzeihen und die muß man auch nicht verzeihen. Beispielsweise den Holocaust. Man sollte sich an solche unverzeihlichen Dinge erinnern und daraus für die Zukunft lernen. Dann haben vielleicht unsere Enkel die Chance in einer gerechteren Welt zu leben, aber ich habe daran leider Zweifel.
Aber eine wichtige Geste. Eine solche Geste ist gleichbedeutend mit einer offiziellen Anerkennung des geschehenen Unrechts. Und sehr oft werden vergangene Untaten totgeschwiegen. Die Angehörigen der Opfer können natürlich am besten beantworten, wie gut sie verzeihen können, und es ist auch klar, daß Tote nicht mehr lebendig gemacht werden, aber ich bin ziemlich sicher, daß diese Geste für die Angehörigen besser ist als das Ausbleiben einer solchen. Ich möchte an Willy Brandts Kniefall erinnern, der sehr viel zur Versöhnung beigetragen hat. Vergessen dürfen wir nicht.
jh72 17.01.2012
3. Geschichtsvergessenheit
Schlecht recherchierter Artikel. Wobei mich die Geschichtsvergessenheit irritiert, die dazu führt, dass sowas überhaupt recherchiert werden muss. Funes ist und war FMLN-Aktivist. Er gehörte also nicht zu den Tätern und ihren Anhänger/innen sondern quasi zu den Adressat/innen dieses Massakers. Und genau das ist der Sinn der "Bitte um Verzeihung": Die Opfer des Massakers waren ja nicht identisch mit den Adressat/innen. Das war Staatsterror, der die FMLN erschrecken und (potentielle) Unterstützer/innen abschrecken sollte. Funes bat nicht im Namen der Täter um Verzeihung sondern im Namen derer, die dieses Massaker indirekt verursacht (durch ihre Existenz und ihren Widerstand) und nicht verhindert haben, dies nicht konnten. Also quasi im Namen der FMLN und der Gesellschaft. Denn die Opfer waren ja weitestgehend am Bürgerkrieg bis dahin unbeteiligte Zivilist/innen. Das macht diese Geste viel größer als sie wäre, wenn tatsächlich ein Vertreter der Täter "um Verzeihung bitten" würde. Und auch viel wichtiger und annehmbarer.
bernardinho 17.01.2012
4. Kleine Ergänzung
Zitat von jh72Schlecht recherchierter Artikel. Wobei mich die Geschichtsvergessenheit irritiert, die dazu führt, dass sowas überhaupt recherchiert werden muss. Funes ist und war FMLN-Aktivist. Er gehörte also nicht zu den Tätern und ihren Anhänger/innen sondern quasi zu den Adressat/innen dieses Massakers. Und genau das ist der Sinn der "Bitte um Verzeihung": Die Opfer des Massakers waren ja nicht identisch mit den Adressat/innen. Das war Staatsterror, der die FMLN erschrecken und (potentielle) Unterstützer/innen abschrecken sollte. Funes bat nicht im Namen der Täter um Verzeihung sondern im Namen derer, die dieses Massaker indirekt verursacht (durch ihre Existenz und ihren Widerstand) und nicht verhindert haben, dies nicht konnten. Also quasi im Namen der FMLN und der Gesellschaft. Denn die Opfer waren ja weitestgehend am Bürgerkrieg bis dahin unbeteiligte Zivilist/innen. Das macht diese Geste viel größer als sie wäre, wenn tatsächlich ein Vertreter der Täter "um Verzeihung bitten" würde. Und auch viel wichtiger und annehmbarer.
!!! Hier eine kleine Ergänzung, der Gerechtigkeit der Geschichte und Gegenwart gegenüber: Die Todesschwadron Batallón Atlacatl, die die Morde beging, war auch für weitere schwere Übergriffe auf Zivilisten verantwortlich. Sie war unter Aufsicht des US-Colonels John David Waghelstein aus Soldaten der Armee El Salvadors gebildet worden. Während des Einsatzes im Bürgerkrieg erhielt die Todesschwadron Schulungen durch US-amerikanische Green Berets.
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