Nach Massenprotesten: Bahrains König lässt Oppositionelle frei

Der Herrscher von Bahrain gibt dem Druck der Demonstranten nach: Er hat 23 Oppositionelle begnadigt. Die Freigelassenen wurden wie Pop-Stars gefeiert, auf Händen von einer Menge getragen. Eine "positive Geste" des Königs, lobte die Opposition - neue Proteste wird es wohl trotzdem geben.

Freigelassener Häftling auf dem Platz der Perle: Fest der Protestler Zur Großansicht
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Freigelassener Häftling auf dem Platz der Perle: Fest der Protestler

Manama - Sie lachten, hielten Victory-Zeichen in die Kameras und ließen sich von anderen Oppositionellen auf Händen tragen: 23 Protestler wurden am Mittwoch in Bahrain freigelassen.

Damit kam der König einer wichtigen Forderungen der Demonstranten nach, die seit Tagen gegen das Königshaus protestieren und Reformen fordern. Ein führendes Mitglied der schiitischen Opposition, Abdul Dschalil Chalil, sprach am Dienstag - als die Freilassung der Häftlinge angekündigt worden war - von einer "positiven Geste". Die Freigelassenen waren im vergangenen Herbst wegen Bildung einer illegalen Vereinigung und Terrorismus verurteilt worden.

Am Dienstag hatten sich in Bahrains Hauptstadt Manama erneut Zehntausende Demonstranten auf dem Platz der Perle versammelt, dem Zentrum der oppositionellen Proteste. In Sprechchören forderten sie den Rücktritt von König Hamad. Sie trugen vor sich ein großes Transparent mit der Aufschrift "Marsch der Treue für die Märtyrer" und mit Fotos der beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte bislang getöteten sieben Menschen. Die Sicherheitkräfte hielten sich dieses Mal im Hintergrund, lediglich ein Helikopter überflog den Protestmarsch.

Begonnen hatten die Demonstrationen in Bahrain zunächst mit der Forderung nach politischen Reformen. Inzwischen richtet sich der Protest aber gegen das gesamte Regime und das Königshaus des Golfstaats. "Diese Regierung hat die Entscheidung getroffen, auf das Volk zu schießen", sagte der Oppositionspolitiker Chalil. "Unsere Forderung bleibt daher, dass die Regierung zurücktritt, weil sie nicht in der Lage war, das Volk zu schützen."

Die Protestbewegung umfasst in dem gerade einmal eine Million Einwohner zählenden Bahrain die mehrheitlich schiitische Bevölkerung, die sich durch die sunnitische Herrscherdynastie benachteiligt sieht.

Wegen der Unruhen im Land wurde das dortige Formel-1-Rennen abgesagt. Knapp drei Wochen vor dem geplanten WM-Auftakt der Formel 1 auf dem Wüstenkurs in Sakhir gaben die Veranstalter am Montag ihre Entscheidung bekannt.

kgp/AFP/dpa/

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