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Nach Papst-Schelte: Ägypten zieht Botschafter aus dem Vatikan ab

Die ägyptische Regierung reagiert vergrätzt: Nachdem Papst Benedikt XVI. erneut den besseren Schutz von Christen in dem Land angemahnt hatte, zog Ägypten seinen Botschafter aus dem Vatikan vorerst ab. Das Außenministerium kritisierte die Einmischung des Geistlichen in innere Angelegenheiten.

Papst Benedikt bei einer Neujahrsmesse: "Einmischung in die inneren Angelegenheiten"? Zur Großansicht
dpa

Papst Benedikt bei einer Neujahrsmesse: "Einmischung in die inneren Angelegenheiten"?

Kairo/Berlin - Nach dem Anschlag auf koptische Christen in Alexandria bahnt sich ein Konflikt zwischen dem Vatikan und der ägyptischen Regierung an. Aus Verärgerung über Ermahnungen von Papst Benedikt XVI. berief das Außenministerium in Kairo am Dienstag seine Botschafterin beim Vatikan zu "Konsultationen" zurück. Ein Sprecher sagte, die Bemerkungen des Papstes über die Situation der Christen in Ägypten stellten eine "inakzeptable Einmischung in die inneren Angelegenheiten" des Landes dar.

Der Papst hatte am Montag während einer Audienz für Diplomaten in Rom gesagt, die Attentate und Drangsalierungen, denen Christen unter anderem im Irak und in Ägypten ausgesetzt seien, hätten ihn "zutiefst betrübt". Wie schon in seiner in Ägypten ebenfalls kritisierten Neujahrsansprache appellierte der Papst erneut an die Regierungen dieser Staaten, "sich dafür einzusetzen, dass ihre christlichen Mitbürger in Frieden leben".

Diesmal richtete der Papst seinen Appell zusätzlich an die islamischen Religionsführer in diesen Ländern. Auf die Worte Benedikts XVI. antwortete deshalb am Dienstag auch Ahmed al-Tajjib, der Scheich des einflussreichen Al-Azhar-Instituts in Kairo.

Der Islam-Gelehrte erklärte, es sei richtig, die Regierungen der Staaten des Nahen Ostens an ihre Verpflichtung zum Schutz der christlichen Minderheit zu erinnern. "Dies darf jedoch nicht mit irgendeiner Form von Einmischung in die inneren Angelegenheiten der arabischen islamischen Staaten einhergehen, unter welchem Vorwand auch immer", fügte er hinzu.

Vertreter der koptischen Kirche in Ägypten versuchten, die Wogen zu glätten. Sie sagten, die Äußerungen des Papstes seien nicht einwandfrei übersetzt worden.

Bundespräsident Christian Wulff rief die internationale Staatengemeinschaft zum Kampf für Religionsfreiheit auf. "Gewalt gegen Religionsgemeinschaften, wie wir sie in der jüngsten Zeit leider vermehrt erleben mussten, hat hier keinen Raum", sagte Wulff bei dem traditionellen Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps in Berlin. "Wir müssen ihr entschieden entgegentreten."

Bei einem Selbstmordattentat vor einer koptisch-orthodoxen Kirche in Alexandria waren in der Silvesternacht 23 Menschen ums Leben gekommen. Die ägyptische Regierung wehrt sich seither gegen Kommentare, in denen der Anschlag als Folge wachsender Spannungen zwischen Muslimen und Christen in Ägypten dargestellt wird.

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1. einmischung
iosono3 11.01.2011
die einmischung ägyptischer politiker nach der messerattacke in dresden waren dagegen ok......? es wurde auch ein besserer schutz der muslime gefordert obwohl in diesem fall dieser russlanddeutsche schon wegen beleidigung einer muslima zum gericht vorgeladen wurde-weshalb er auch durchdrehte-unter anderem. ob in ägypten jemandem der prozess wegen beleidigung einer christin oder ungläubigen gemacht wird? fragen sie den ägyptischen botschafter in deutschland-der hat am lautesten geschrien.
2. hm
Rodri 11.01.2011
Ist doch wieder typisch für diese muslimischen Länder. Heulen rum, wenn ihnen was gegen den Strich geht, aber wenn sie selber Mist bauen dann ist das natürlich was anderes. Was für eine peinliche Aktion der Ägypter.
3. Al-Quida???
Abraksara 11.01.2011
Zitat von sysopDie ägyptische Regierung reagiert vergrätzt: Nachdem Papst Benedikt XVI. erneut den besseren Schutz von Christen in dem Land angemahnt hatte, zog Ägypten seinen Botschafter aus dem Vatikan vorerst ab. Das Außenministerium kritisierte die Einmischung des Geistlichen in innere Angelegenheiten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739000,00.html
Und gerade meldet Die Welt: "Ein Zugpassagier hat in Ägypten einen Christen erschossen und weitere Fahrgäste verletzt. Das Motiv des Mannes für die Bluttat ist unklar. Ein Mann hat in Ägypten einen Christen erschossen. Bei dem Zwischenfall in einem Zug seien drei bis sieben weitere Menschen verletzt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Unter den Opfern befänden sich sowohl Christen als auch Muslime. Die Bluttat ereignete sich in der Nähe der Stadt Assiut, 350 Kilometer südlich von Kairo. Die Polizei nahm den Täter fest". Die Regierung wird wohl wieder wie in Alexandria Al-Quida und ausländische Kräfte als verantwortlich heranziehen und einen asiatisch aussehenden Typen mit langen Haaren-typisch für Ausländer- aus dem Hut ziehen. Der Rückzug des ägyptischen Botschafters am Vatikan ist nur ein weiteres Ablenkungsmanöver von Mubarak und seiner Mannschaft.
4. Austeilen ja, einstecken nein
kyon 11.01.2011
Zitat von sysopDie ägyptische Regierung reagiert vergrätzt: Nachdem Papst Benedikt XVI. erneut den besseren Schutz von Christen in dem Land angemahnt hatte, zog Ägypten seinen Botschafter aus dem Vatikan vorerst ab. Das Außenministerium kritisierte die Einmischung des Geistlichen in innere Angelegenheiten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739000,00.html
Wie war das noch mit der besonderen Empfindlichkeit des Vatikans bezüglich der Kritik seitens der Politik in Bezug auf den Umgang mit Mißbrauchsfällen?
5. Titel
Panslawist 11.01.2011
Zitat von sysopDie ägyptische Regierung reagiert vergrätzt: Nachdem Papst Benedikt XVI. erneut den besseren Schutz von Christen in dem Land angemahnt hatte, zog Ägypten seinen Botschafter aus dem Vatikan vorerst ab. Das Außenministerium kritisierte die Einmischung des Geistlichen in innere Angelegenheiten. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,739000,00.html
Das ist alles schön und gut, von dorft habe ich nichts anderes erwartet, aber die Schande ist doch, dass Ägypten den Botschafter aus dem Vatikan abzieht, anstatt aus Rußland. Wie tief ist Rußland gesunken, dass der Vatikan die Verteidigung der Orthodoxen in Agypten übernimmt?! Eine Schande!
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Fotostrecke
Anschlag auf Kopten: Trauer, Wut, Zerstörung

Fläche: 1.009.450 km²

Bevölkerung: 85,783 Mio.

Hauptstadt: Kairo

Staatsoberhaupt:
Abdel Fattah el-Sisi

Regierungschef: Sherif Ismail

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