Nach Protesten Syrien inhaftiert Regimekritiker

Seit fünf Tagen erheben sich auch syrische Regimegegner gegen ihren Machthaber - gegen Baschar al-Assad. Es gab bereits Tote und Verletzte. Jetzt haben die Sicherheitsbehörden wichtige Aktivisten festgenommen.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Der arabische Frühling hat auch Syrien erfasst - seit dem vergangenen Freitag gehen täglich Tausende in allen Landesteilen auf die Straße und verlangen politische Freiheiten und Wandel. Das autoritäre Baath-Regime unter Führung von Präsident Baschar al-Assad versucht die Proteste niederzuschlagen.

Fokus ist bisher die Stadt Daraa im Süden des Landes, unweit der jordanischen Grenze. Allein dort kamen mindestens sieben Demonstranten ums Leben - allesamt mutmaßlich durch Gewalt der Polizei oder anderer Sicherheitsbehörden, die in Syrien allgegenwärtig sind. Dabei soll auch scharf geschossen worden sein; die Uno verlangt eine Untersuchung der Todesfälle.

Das Regime hat nun zu einem weiteren Gegenschlag ausgeholt und Führungsfiguren der Opposition verhaftet. Wie das Syrian Observatory for Human Rights bestätigte, wurde am Dienstagmorgen der Schriftsteller Louay Hussein festgenommen.

Hussein, der bereits von 1984 bis 1991 als politischer Gefangener inhaftiert war, hatte über das Internet zu Solidarität mit den Demonstranten in Daraa und zu friedlichen Kundgebungen aufgerufen. Ein Freund bestätigte, dass der 1960 geborene Hussein in seiner Wohnung nahe Damaskus aufgegriffen wurde.

Fadenscheinige Anklagepunkte

Ebenfalls nach Angaben des Syrian Observatory wurde bereits gestern der Anwalt Issa al-Musalima in Daraa verhaftet. Zahlreiche weniger bekannte Teilnehmer der Proteste traf offenbar dasselbe Schicksal.

In Syrien sind politische Gefangene keine Seltenheit. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Land dafür seit Jahrzehnten. In Syrien regiert die Baath-Partei seit 1963. Baschar al-Assad übernahm die Macht im Jahr 2000 nach dem Tod seines Vaters Hafis.

Er trat ursprünglich als vorsichtiger Reformer an, blieb jedoch weit hinter seinen Versprechungen zurück. Seit 1962 gilt ununterbrochen der Ausnahmezustand. Das Internet wird zensiert, Menschenrechtsaktivisten drangsaliert. Das Aufkeimen einer zivilgesellschaftlichen Reformbewegung nach Baschars Machtübernahme hatte unter diesen Umständen keine Dauer.

Amnesty International berichtet, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche friedliche Aktivisten unter fadenscheinigen Vorwürfen wie "Veröffentlichung von gegen die Würde des Staates gerichteten Falschinformationen" oder "Schwächung des nationalen Bewusstseins" angeklagt und zu Haftstrafen verurteilt wurden.



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insgesamt 6 Beiträge
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blaudistel 22.03.2011
1. Na das liegt doch in der Nachbarschaft
da kann man doch kurz mal rüberspringen und gleich einen Gruppenkrieg machen. Liegt doch nur Ägypten dazwischen. Das nehmen wir auch gleich noch mit. Und dann müsste uns vom Westen doch wirklich bald die ganze Ecke gehören ...
newliferw 22.03.2011
2. Wir ?
Zitat von blaudistelda kann man doch kurz mal rüberspringen und gleich einen Gruppenkrieg machen. Liegt doch nur Ägypten dazwischen. Das nehmen wir auch gleich noch mit. Und dann müsste uns vom Westen doch wirklich bald die ganze Ecke gehören ...
Was meinst du den mit wir? Man muss den Deutschen schon Geld oder Öl anbieten damit Sie gegen Unterdrückung handeln. Solange es in Syrien keinen wirtschaftlichen voreilt für Deutschland gibt, ist es doch egal was da passiert. Man möchte ja nicht seine Freunde wie China und Russland verärgern.
udaraj 22.03.2011
3. Wenn man nicht auf der Strasse war ,sollte man ruhig sein .
Ich war ab dem 28 jan. in Kairo auf der Strasse . am 29/30 Jan hatte die 3 Armee Feuerbefehl , sie haben ihn nicht ausgefuehrt , der Rest ist bekannt . Ja zu den Luftangriffen , ja zu der Bewaffnung der Opposition , nein zu Bodentruppen.Nur wenn der Vorschlag von blaudistel meint ueber Israel zu gehen noch so gerne . Dem Westen war alles recht nur um diesen Kunststaat zu sichern (Gruppen wie Peace Now u.Ae. hat man gefliessentlich ignoriert und ueber Schweinereien diverser Regierungen milde hinweggesehen ). Mubarak das Haus Saud oder Ben Ali , Reza Pahlewi und Sadam Hussein alle waren sie Produkte dieser Politik oder zumindest des klaeglichen Versuches den Nahen Osten zu dominieren . Es ist an der Zeit das Israel umdenkt , wenn es bestehen will , der Thron der Saud wackelt und ebenso der von Jordanien . Spiegelfechtereien bringen nichts und die Zeit laeuft allen davon .
wekru, 22.03.2011
4. wieso Ägypten?
Zitat von blaudistelda kann man doch kurz mal rüberspringen und gleich einen Gruppenkrieg machen. Liegt doch nur Ägypten dazwischen. Das nehmen wir auch gleich noch mit. Und dann müsste uns vom Westen doch wirklich bald die ganze Ecke gehören ...
Wenn Sie zu Fuß nach Syrien wollen, empfehle ich den Weg über Griechenland und Türkei. Syrien und Türkei sind Nachbarländer. Oder schippern Sie mit Zwischenstop über Zypern. Ein Steinwurf vor der Küste Syriens. Relativ. Ist also weniger weit weg von Europa als man denken möchte. Tja, leider sind viele Regierungen dieser Region überfordert wenn der Ruf nach Freiheit ertönt. Wie viel einfacher haben wir es da doch. Aber mal im ernst. Die Allgegenwart der Staatssicherheit ist den Syrern ebenso lästig wie die Unberechenbarkeit staatlicher Bediensteter. Das wird schon was mit verkrusteten Strukturen zu tun haben, die mal aufgefrischt gehören. Aber an der Spitze des Staates steht kein Tyrann, sondern eher ein Hoffnungsträger. Das Problem ist der verkrustete Apparat. Eine etwas andere Situation als in den anderen arabischen Ländern. Das Baschar al-Assad als Oberbefehlshaber der Syrischen Armee Soldaten gegen das eigene Volk einsetzt, ist extrem unwahrscheinlich. Eher wird er ein paar Hardliner austauschen und im Sinne von Veränderungen vermitteln.
sturz_der_wirklichkeit 22.03.2011
5. Vermutlich auch hier
nur eine Frage der Zeit bis Panzer auffahren um die 'Ordnung' aufrecht zu erhalten. Leider hat scheinbar niemand, ausser vlt. den Islamisten Konzepte wie es weitergehen soll. Ok, erstmal Wahlen und dann schaunmermal, ob man eine handlungsfähige Regierung zusammen bekommt. Das Grundproblem des Nahen Ostens, mangelnde Bildung, Gleichberechtigung und weit verbreitete Armut wird man auch mit 100 Revolutionen nicht lösen. Aber wenn alles schief geht stehen zumindest für weite Teile der Bevölkerung die Schuldigen an ihrem Schlamassel schon jetzt fest, der Westen und Israel, wer sonst?
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