Nach Selbstmordanschlag Israel greift angebliches Dschihad-Lager in Syrien an

Israel hat auf den palästinensischen Selbstmordanschlag in Haifa reagiert, bei dem 19 Menschen ums Leben gekommen waren. Zunächst griffen Kampfhubschrauber Ziele im Gaza-Streifen an. Dann wurde auch ein angebliches Ausbildungslager der palästinensischen Terrororganisation Dschihad in Syrien attackiert. Bundeskanzler Gerhard Schröder kritisierte die Aktion.


Gaza: Dieses Haus wurde beim israelischen Angriff zerstört
REUTERS

Gaza: Dieses Haus wurde beim israelischen Angriff zerstört

Jerusalem/Gaza - Im israelischen Rundfunk wurde der Name des Lagers als Ein Saher angegeben. Es werde außer von Dschihad auch von Hamas und anderen palästinensischen Organisationen genutzt. Ob Einheiten der Luftwaffe oder des Heeres an dem Angriff beteiligt waren, ließ die israelische Armee offen. Das Ziel habe tief auf syrischem Territorium gelegen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder, der sich gerade auf einer Rundreise durch mehrere arabische Staaten befindet, verurteilte den Anschlag von Haifa, kritisierte aber auf einer Pressekonferenz in Kairo zugleich den Angriff gegen Syrien. Dadurch werde die Rückkehr zur "Road-Map" des Friedensprozesses schwieriger. "Deshalb ist die Aktion in Syrien auch nicht akzeptabel", so Schröder.

Die israelische Führung verteidigte die Aktion. Der Angriff sei eine Reaktion auf den Selbsmordanschlag von Haifa. "Nach diesem Angriff haben die Streitkräfte eine Operation gegen jene begonnen, die dahinter stecken, gegen jene, die Terror unterstützen um den Bürgen Israels zu schaden", hieß es in der israelischen Militärerklärung.

Syrien wurde beschuldigt, Terror zu unterstützen und ständig Bemühungen zu unterlaufen, die Ruhe und Stabilität in die Region bringen könnten. Dschihad werde außer von Syrien auch von Iran unterstützt.

Haifa: Opfer des Anschlags werden abtransportiert
REUTERS

Haifa: Opfer des Anschlags werden abtransportiert

Die radikale Palästinensische Volksfront zur Befreiung Palästinas/Generalkommando (PFLP-GC) behauptete, bei dem angegriffenen Ziel handele es sich um ein ehemaliges militärische Ausbildungslager der PFLP. Es sei seit langem verlassen und niemals vom Islamischen Dschihad genutzt worden. Heute lebten dort nur palästinensische Flüchtlinge.

In der Nacht zum Sonntag hatte Israel Ziele im Gaza-Streifen angegriffen. In Gaza-Stadt wurde das Haus eines Mitglieds der radikal-islamischen Hamas-Bewegung mit Raketen beschossen. Dabei soll es nach palästinensischen Angaben vier Leichtverletzte gegeben haben.

Nur wenige Minuten später sei auch das Haus eines Führers der militanten Gruppe Islamischer Dschihad im Flüchtlingscamp al-Bureidsch im Gaza-Streifen angegriffen worden, berichtete die israelische Tageszeitung "Haaretz" in ihrer Onlineausgabe. Es entstand aber nach palästinensischen Angaben lediglich Sachschaden. Der Dschihad hatte sich zu dem Anschlag in Haifa vom Samstag bekannt.

Wie "Haaretz" weiter berichtete, wurde außerdem die Stadt Dschenin in der Nacht erneut von israelischen Truppen besetzt. Die Attentäterin von Haifa stammte aus der Stadt im Westjordanland.

Um Palästinenserpräsident Jassir Arafat vor möglichen Vergeltungsaktionen des israelischen Militärs zu schützen, hatten sich in der Nacht Dutzende Friedensaktivisten an seinem Amtssitz in Ramallah versammelt. Der Gründer der israelischen Friedensgruppe "Gush Shalom", Uri Avneri, sagte vor Reportern: "Wir sind hier als menschliche Schutzschilde, um Präsident Arafat zu schützen". Zugleich warnte er vor einem Angriff auf Arafat. "Dies wurde nicht nur den Nahen Osten ins Unheil stürzen, sondern die ganze Welt."

Wie der israelische Armeerundfunk berichtete, befanden sich am frühen Sonntagmorgen noch 36 der über 50 Verletzten des Anschlags von Haifa im Krankenhaus. Fünf seien noch in kritischem Zustand, darunter auch drei Kinder.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.