Nach SPIEGEL-Interview Iran irritiert über Musharraf

Nach einem SPIEGEL-Interview mit Pervez Musharraf ist die iranische Regierung irritiert und verlangt Aufklärung vom pakistanischen Präsidenten. Musharraf hatte Teheran Interesse an der Atombombe unterstellt.


Musharraf: Ärger mit Teheran
DPA

Musharraf: Ärger mit Teheran

Teheran - "Wir hoffen, dass die Pakistaner uns erklären, dass dieser Bericht verzerrt wurde", sagte der iranische Außenamtssprecher Hamid Resa Asefi. Es sei "nicht Sache anderer Länder", das iranische Atomprogramm zu kommentieren. "Wir bestehen darauf, dass wir solche Waffen nicht anstreben."

Musharraf hatte in dem SPIEGEL-Interview gesagt, Iran sei "sehr hinter der Bombe her". Asefi nannte es "unwahrscheinlich", dass Musharraf dies tatsächlich gesagt habe, "weil er es besser weiß".

Musharraf äußerte sich in dem Interview auch zur Rolle des pakistanischen Atomforschers Abdul Qadeer Khan, der Iran und Nordkorea beim Aufbau ihrer Atomprogramme geholfen habe. Pakistan hatte bereits eingeräumt, dass der Atomforscher und "Vater der pakistanischen Atombombe" Zentrifugenteile an Iran lieferte, die zur Urananreicherung verwendet werden. Angereichertes Uran kann entweder in Atomkraftwerken oder zum Bau von Atombomben eingesetzt werden.

Das iranische Atomprogramm wird seit zwei Jahren von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) beobachtet. Vor allem die USA werfen der Regierung in Teheran vor, unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der atomaren Forschung den Bau einer Atombombe anzustreben. Deutschland, Frankreich und Großbritannien verhandeln seit Monaten mit Iran über eine Aufgabe seines Atomprogramms. Nach einer Drohung, seine Atomaktivitäten wieder aufzunehmen, gab Teheran am Mittwoch bekannt, es halte vorerst an der Aussetzung des Programms fest. Die ins Stocken geraten Verhandlungen mit der EU-Troika sollen im August wieder aufgenommen werden.



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