Nach Terroranschlag Uno schließt alle Büros in Pakistan

Mindestens drei Menschen wurden getötet, etliche verletzt. Die Uno reagiert auf den verheerenden Selbstmordanschlag auf ein Büro des Welternährungsprogramms in Pakistan. Sämtliche Außenstellen der Organisation in dem Land wurden vorerst geschlossen.

WFP-Gebäude in Islamabad: Schwere Explosion zerstört Uno-Büro
AFP

WFP-Gebäude in Islamabad: Schwere Explosion zerstört Uno-Büro


Islamabad - Ein Selbstmordattentäter hat sich am Montag in der Zentrale des Welternährungsprogramms (WFP) in Islamabad in die Luft gesprengt und dabei mindestens drei Menschen mit in den Tod gerissen. Etliche Personen wurden bei der Explosion im Empfangsbereich der WFP-Vertretung verletzt, wie die pakistanische Polizei und Augenzeugen berichteten. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Rauch aus dem Gebäude aufstieg. Fensterscheiben gingen zu Bruch.

"Das war ein Selbstmordattentat", sagte Polizeisprecher Bani Amin am Anschlagsort. "Wir haben die Beine und den Kopf des Attentäters gefunden." Derzeit werde untersucht, wie der Mann zu dem hochgesicherten Gebäude vordringen konnte.

Die Weltorganisation teilte wenige Stunden nach dem Anschlag mit, vorübergehend alle Uno-Büros in Pakistan schließen zu wollen. Das Sicherheitsrisiko für die Beschäftigten sei zu hoch, sagte Uno-Sprecher Ishrat Rizvi. Unklar sei, wann die Büros wieder öffnen.

"Das ist eine schreckliche Tragödie für das WFP und die gesamte humanitäre Gemeinschaft in Pakistan" sagte Amir Abdulla, stellvertretender Direktor im Hauptquartier in Rom. "Unser aufrichtiges Beileid gilt den Familien, Freunden und Kollegen der Verstorbenen. Diese Menschen haben den Armen und Bedürftigen in Pakistan im Kampf gegen den Hunger beigestanden."

Mehrere Kilogramm Sprengstoff

Über die Hintergründe des Attentats war zunächst nichts Näheres bekannt. Als Urheber wurden aber Kämpfer der Taliban und der al-Qaida vermutet, die immer wieder Anschläge auch auf ausländische Einrichtungen verüben. Ein Polizeisprecher sagte, der Attentäter sei zwischen 22 und 25 Jahre alt gewesen.

Nach ersten Ermittlungen sprengte sich der Attentäter mit rund sieben bis acht Kilogramm Sprengstoff in der Lobby des WFP-Gebäudes in die Luft. Das Büro liegt in einem stark bewachten Viertel Islamabads, in dem sich auch die Residenz von Präsident Asif Ali Zedari befindet. Das WFP beschäftigt dort rund 70 Angestellte. Bei den Toten soll es sich um einen Iraker und zwei Pakistanerinnen handeln. Einer der Verletzten schwebe noch in Lebensgefahr, hieß es im Krankenhaus, in das die Opfer gebracht wurden.

In den vergangenen Tagen hatten nach einem Bericht des britischen Rundfunksenders BBC in Islamabad Gerüchte die Runde gemacht, radikalislamische Taliban planten einen Anschlag in der Hauptstadt. Das pakistanische Militär bereitet derzeit eine neue Offensive gegen die Taliban in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan vor.

Der neue Führer der pakistanischen Taliban, Hakimullah Mehsud, äußerte sich unterdessen vor Reportern. Er kündigte dabei als Vergeltung für die Angriffe der USA mit unbemannten Flugzeugen im Grenzgebiet zu Afghanistan Anschläge auf pakistanische und amerikanische Einrichtungen an. Mehsuds Treffen am Sonntag beendete Spekulationen, er sei bei internen Machtkämpfen der Taliban ums Leben gekommen.

Die pakistanische Hauptstadt wird regelmäßig von Gewalttaten erschüttert. Bei einem Bombenanschlag auf das Marriott-Hotel in Islamabad wurden im vergangenen Jahr mehr als 50 Menschen getötet.

amz/dpa/Reuters/AFP/AP

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Forum - Taliban in Pakistan - was ist die richtige Strategie?
insgesamt 869 Beiträge
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Seite 1
eigentlicher_Schwan 04.05.2009
1.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Wenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
mauskeu 04.05.2009
2.
Zitat von sysopImmer näher rücken die Taliban an die Pakistanische Hauptstadt heran und werden zu einer ernsteren Bedrohung für die Regierung. Wie soll sich der Westen verhalten? Was ist generell die richtige Strategie?
Ich könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Justus F. 04.05.2009
3.
Zitat von eigentlicher_SchwanWenn sie das immer tun, muss man damit leben, nicht? Vielleicht sollte die pakistanische Regierung ihre Hauptstadt verlegen?
Genau, nach Berlin. Dann ist unser Kampf sogar gerechtfertigt!
X-Man 04.05.2009
4.
Zitat von mauskeuIch könnte mir vorstellen, dass die pakistanische Führung das SWAT "freiwillig" aufgegeben hat um jetzt eine bessere Front vor sich zu haben. Jetzt haben die Islamisten eine Heimat in Pakistan anstatt überall verstreut als Guerrillas zu fungieren. Jetzt weiss man besser wo die Feinde sind und die Herrschaft der Taliban wird den Rest besorgen. Wäre vielleicht keine schlechte Strategie.
Nettes Gedankenspiel, aber leider Unsinn. Seit dem Rückzug der afghanischen Taliban über die Grenze stand fest dass die FATA die neue Basis der Gotteskrieger sind. Von 2002-2005 entstanden weit über 190 Ausbildungslager in den Stammesgebieten, lokale Milizen verschmolzen durch Allianzen mit Taliban-Elementen, ausländische Gruppen allen voran Al Qaida nisteten sich ein, es entstand eine nicht homogene aber ideologisch eng verstrickte Bewegung deren mächtigster Flügel heute die Tehrik e-Taliban ist. Für die pakistanische Führung war also längst klar welche Gebiete die neue Heimat der Taliban sind, man musste ihnen keinen Spielplatz zur Verfügung stellen. Der Einzug in Swat hat vielmehr damit zutun dass es Kreise des ISI und des Militärs gibt die sich nicht von amerikanischer Seite in die Terror-Bekämpfung hineinquatschen lassen wollen. Sie hegen zum Teil große Sympathie für die Taliban, bieten ihnen mit dem Swat ein Gebiet was sich weit weg von den üblichen Terrornestern Waziristans befindet und somit den Radius der Drohnenangriffe erweitert. Zudem erhofft man sich natürlich dort eine kashmir-nahe islamistische Bastion gegen den allgegenwärtigen Erzfeind Indien.
lupenrein 04.05.2009
5.
Man darf sich über die Ziele der Taliban in Pakistan (und im Dominoeffekt anschliessend Afghanistan) keine Illusionen machen. Die Regierung Pakistans - und indirekt auch Afghanistans - ist in ernster Gefahr. Und auch über einen 'Sieg' über die Taliban , dies besonders als Ausländer (USA usw) darf man sich keine Illusionen machen. Der asymmetrische Kriegsführung der Taliban ist mit normalen militärischen Mitteln (Terrorismus) nur sehr schwer wirksam zu begegnen. Am Beispiel der somalischen Piraten sieht man , wie schwierig es ist, mit militärischen Mitteln in diesem Versteckspiel mitzuhalten. Auch die Taliban führen einen (allerdings ideologischen) 'Versteck-spiel-Krieg' a la David gegen Goliath. Und noch eine Übereinstimmung: beide lassen mit sich nicht über eine Einstellung ihrer terroristischen Kampf nicht verhandeln. Alles in allem eine fatale Situation.
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