Nach Treffen mit Putin Jetzt muss Trump daheim die Wogen glätten

Viel besprochen, viel erreicht: So bewertet Donald Trump sein Gipfeltreffen mit Wladimir Putin. Moskau sieht das ähnlich - im Gegensatz zur Partei des US-Präsidenten. Von den Republikanern hagelt es Kritik.

Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump ist nach seiner Europareise wieder zurück in der Heimat angekommen, er landete in der Nacht zu Dienstag in der Nähe von Washington. Fast zeitgleich wurde ein Interview ausgestrahlt, das Trump seinem Lieblingssender Fox News gegeben hat. Darin zieht er ein positives Fazit seines Treffens mit Wladimir Putin in Helsinki.

"Es war ein sehr langes Treffen, es war ein gutes Treffen", sagte Trump im Gespräch mit Moderator Sean Hannity. "Wir haben so viele unterschiedliche Dinge diskutiert, darunter Nuklearwaffen, Krieg und Frieden, Wirtschaft, Syrien, Ukraine. Wir haben viele, viele Dinge diskutiert." Am Ende des Treffens seien sie zu "vielen guten Beschlüssen gekommen", sagte Trump. Einzelheiten nannte er kaum (mehr dazu, was genau über die einzelnen Themen besprochen wurde, können Sie hier nachlesen).

Trump hatte sich am Montag in Helsinki mit Putin getroffen, die beiden sprachen mehr als zwei Stunden lang nur von Dolmetschern begleitet. Anschließend kamen die Außenminister Sergej Lawrow und Mike Pompeo sowie zwei weitere Berater auf jeder Seite dazu. Trump und Putin bezeichneten den Gipfel anschließend bei einer gemeinsamen Pressekonferenz als Erfolg. Sie unterzeichneten allerdings keine Erklärungen zu einzelnen Politikfeldern. "Natürlich bleiben viele Probleme, und wir konnten nicht alle Blockaden auflösen", sagte Putin. "Ich denke, wir haben einen wichtigen ersten Schritt in diese Richtung gemacht."

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Trump hat fast eine Woche in Europa verbracht und dabei kräftig für Furore gesorgt. Zunächst kritisierte er Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Nato-Gipfel in Brüssel, dann brüskierte er die britische Regierungschefin Theresa May in London. Nach dem Gipfel in Helsinki erntete Trump allerdings Kritik sogar aus den Reihen der eigenen Partei. Ihm wird vorgeworfen, er habe sich nicht mit klaren Worten gegen die Einmischung Russlands in die US-Wahlen 2016 verwahrt - und damit Schwäche signalisiert.

Selbst einer der größten Trump-Unterstützer, der Republikaner Newt Gingrich, sprach am Montagabend vom bislang ernsthaftesten Fehler des Präsidenten seit Amtsantritt vor rund anderthalb Jahren. Trump müsse seine Äußerungen über die US-Geheimdienste und Putin umgehend korrigieren, verlangte Gingrich.

Andere Politiker beschrieben Trumps Auftreten mit Worten wie "beschämend", "schändlich", "verräterisch", "gefährlich" oder "schwach". Der Mehrheitsführer von Trumps Republikanern im US-Senat, Mitch McConnell, sagte: "Russland ist nicht unser Freund." Das Weiße Haus teilte nach der massiven Kritik mit, Trump wolle sich am Dienstag mit Kongressmitgliedern zum Gespräch treffen. Einzelheiten sind bisher nicht bekannt.

Trump hatte es bei der Pressekonferenz mit Putin in Helsinki auf eine Reporterfrage hin unterlassen, die mutmaßlichen russischen Cyberattacken auf die US-Demokraten zu verurteilen. Zwar betonte er auch bei diesem Auftritt sein "großes Vertrauen in meine Geheimdienstleute", doch sei Putin in seinem Dementi einer Wahlkampfeinmischung "extrem stark und kraftvoll" gewesen.

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Trump trifft Putin: Der Gipfel von Helsinki

Die US-Justiz hatte erst am Freitag zwölf Mitarbeiter des russischen Militärgeheimdienstes GRU angeklagt, für Hackerangriffe auf Computer der oppositionellen Demokraten vor der Wahl 2016 verantwortlich zu sein. Das Justizministerium teilte am Montag mit, gegen eine weitere Russin sei Anklage erhoben worden. Sie soll in den USA für die Regierung in Moskau gearbeitet haben, ohne dies anzuzeigen. Die 29-Jährige sei am Sonntag in Washington festgenommen worden. Nach US-Gesetz müssen sich ausländische Lobbyisten oder Diplomaten vor Beginn ihrer Tätigkeit in den USA beim Justizministerium melden.

In seinem Interview mit Fox News sprach Trump im Zusammenhang mit den Russlandermittlungen nun einmal mehr von einer "Hexenjagd" und von einer "wahren Schande". Die Untersuchungen von US-Sonderermittler Robert Mueller würden einen Keil zwischen die USA und Russland treiben, sagte Trump. "Es ist sehr traurig, was deswegen in unserem Land passiert."

Auch Putin hatte nach dem Gipfel dem Sender Fox News ein Interview gegeben. Auch dabei wies er eine Einmischung in die US-Wahlen zurück. "Russland als Staat hat sich nie in die internen Angelegenheiten der Vereinigten Staaten eingemischt", sagte Putin im Gespräch mit Moderator Chris Wallace. Die Ermittlungen von Mueller interessierten ihn nicht, sie seien ein "innenpolitisches Spiel der USA".

Videoanalyse: Wem nutzt das Treffen in Helsinki mehr?

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Trotz Trumps Beschwichtigungen hielten die US-Geheimdienste auch nach dem Gipfel mit Putin an ihren eindringlichen Warnungen vor Russland fest. "Wir sind in unseren Einschätzungen der russischen Einmischung bei der Wahl 2016 und den anhaltenden tiefgreifenden Bemühungen zur Aushöhlung unserer Demokratie deutlich gewesen", sagte US-Geheimdienstkoordinator Dan Coats am Montag. "Wir werden weiterhin ungeschminkte und objektive Informationen zur Unterstützung unserer nationalen Sicherheit liefern."

(Mehr zur Aktion "Deutschland spricht" finden Sie hier .)

Russland soll sich den Vorwürfen zufolge mit Hackerangriffen in den Präsidentschaftswahlkampf 2016 eingemischt haben, um Trump zu helfen und seiner demokratischen Konkurrentin Hillary Clinton zu schaden. Geheimdienste in Washington haben Belege für Hackerattacken auf Computer der Demokraten gesammelt. Sonderermittler Mueller hat russische Internettrolle wegen der Einflussnahme über soziale Netzwerke angeklagt. Und er geht den verdächtig engen Kontakten zwischen Moskauer Vertretern und Trumps Team nach.

aar/dpa/AFP

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Seite 1
kjmuller70 17.07.2018
1. Bakerman1
Who needs enemies with friends like this?
ulrics 17.07.2018
2.
Fakepresident strikes again.
dirk1962 17.07.2018
3. Das Treffen mit Putin
hat auch dem Letzten klar gemacht, das ein Trump für einen intelligenten Menschen nur ein Opfer, werden kein Gegner ist..Trump versagt zu 100% und merkt es in seiner nie Dummheit nicht einmal. In den Augen der Welt ist und bleibt Trump nur ein gefählicher Clown.
echoanswer 17.07.2018
4. Wogen glätten?
Die Amis fühlen sich wohl mit einem Rüpel an der Spitze. Das ist genau ihr Ding. The american way of life. Der funktioniert nur, wenn man andere erniedrigt und ausbeutet. Das genau ist sein Kern. Leben auf Kosten anderer, ohne Rücksicht auf Verluste. Und Trump liefert ihnen das. Warum soll ihn dann jemand ernsthaft kritisieren? Die Kritik ist nur billiges Schmierentheater. Hinter verschlossenen Türen wird Trump flächendeckend gefeiert.
WolfThieme 17.07.2018
5. Affentheater
Ein Treffen der Präsdidenten aus den USA und Russland wäre früher mal ein politisches Ereignis gewesen. Wen interessiert das zum blanken Gequatsche verkommende Gespräch denn heute noch? Offenbar nur ein paar hyperventilierende Medien. Dann doch lieber Jogi.
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