Kalachowlan - Die Lage im Irak spitzt sich zu, führende Politiker attackieren einander heftig. Jetzt hat Vizepräsident Tarek al-Haschemi angesichts der Mordvorwürfe gegen ihn vor einem Bürgerkrieg gewarnt. Die Anschuldigungen seien eine Verschwörung, um Gegner des schiitischen Ministerpräsidenten Nuri al-Maliki zu beseitigen, sagte der Sunnit Haschemi.
Die Beziehungen zwischen den Religionsgruppen seien derzeit so gespannt wie zuletzt zwischen 2005 und 2007. Maliki strebe die Herrschaft einer Partei unter seiner Führung an.
Vizepräsident Haschemi wird vorgeworfen, mit Todes-Schwadronen zusammengearbeitet zu haben, gegen ihn liegt ein Haftbefehl vor. Er soll sie für Tötungen und Anschläge bezahlt haben. Der Vizepräsident weist die Anschuldigungen zurück, er hält sich in der halbautonomen Kurdenregion im Norden des Landes auf.
Der Streit hat den Irak kurz nach dem Abzug der letzten US-Kampfeinheiten in eine schwere Krise gestürzt. Bei mehreren Anschlägen in schiitischen Gegenden Bagdads sind allein am vergangenen Donnerstag nach Behördenangaben mindestens 72 Menschen getötet worden. Mehrere am Straßenrand oder in Autos deponierte Sprengsätze waren explodiert.
Machtvakuum nach US-Abzug
Am vergangenen Wochenende hatten die letzten US-Truppen das Land verlassen. Bereits im Vorfeld gab es Warnungen, dass in dem Machtvakuum nach dem Abzug alte Konflikte wieder aufbrechen könnten. Die amerikanischen Einheiten hatten als militärischer Puffer und vor allem als Vermittler zwischen den verschiedenen Lagern operiert. Bei den Bombenexplosionen handelt es sich nun offenbar um die erste organisierte Anschlagsserie seit dem Abzug.
Fast neun Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins kämpfen in dem tief gespaltenen Land Schiiten und Sunniten erbittert um die Macht. Die Sunniten wiesen am Mittwoch den Vorschlag des schiitischen Ministerpräsidenten Maliki zurück, in den kommenden Tagen parteiübergreifende Gespräche abzuhalten. Maliki stehe für den eigentlichen Grund der Krise und leiste keinen Beitrag zur Lösung, begründete der wichtigste sunnitische Block im Parlament seine Ablehnung.
Maliki drohte den Sunniten im Gegenzug mit einem dauerhaften Ausschluss von der Macht, sollten sie die Koalition platzen lassen. US-Vizepräsident Joe Biden rief die Beteiligten zu Gesprächen auf.
Maliki hatte die Auslieferung des Vizepräsidenten gefordert und ihm einen fairen Prozess zugesichert.
Unter Führung der USA hatten sich die Religionsgruppen auf eine fragile Machtteilung geeinigt. Demnach hat der schiitische Ministerpräsident einen sunnitischen und einen kurdischen Stellvertreter.
otr/Reuters/dpa
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