Hillary-Clinton-Nachfolger Kerry: Obamas zweite Wahl

Von Sebastian Fischer, Washington

Jetzt läuft alles auf John Kerry hinaus: Nachdem Obamas Favoritin Susan Rice als US-Außenministerin verzichtet hat, wird wohl der Senator aus Massachusetts den Posten übernehmen. Der Ex-Präsidentschaftskandidat ist eine gute Wahl.

US-Senator John Kerry: Traumjob in WashingtonZur Großansicht
REUTERS

US-Senator John Kerry: Traumjob in Washington

Als John Kerry und Barack Obama das letzte Mal etwas Zeit miteinander verbrachten, da lief es für beide nicht wirklich gut. Das war im Wahlkampf, vor den TV-Duellen. Der demokratische Ex-Präsidentschaftskandidat Kerry schlüpfte damals in die Rolle des Mitt Romney, gab tagelang den Sparringspartner für den Präsidenten. Prompt verlor Obama die erste Fernseh-Debatte gegen Rivale Romney.

Doch Kerrys neue Rolle könnte besser passen: Obama nominiert den 69-Jährigen wohl in Kürze als neuen Außenminister. So berichten es mehrere US-Medien. Der Präsident wird mit seiner Verkündung noch wenige Tage warten, denn das Land befindet sich nach dem Attentat von Connecticut im Schockzustand. Doch ist damit zu rechnen, dass noch vor Weihnachten das neue außen- und sicherheitspolitische Team des Präsidenten zum größten Teil steht.

Neben der bisherigen Außenministerin Hillary Clinton wird auch Verteidigungsminister Leon Panetta sein Amt aufgeben. Als dessen Nachfolger hoch im Kurs steht Chuck Hagel, moderater Republikaner und früherer Senator von Nebraska. Nur ein neuer CIA-Chef scheint nach dem unrühmlichen Petraeus-Abgang noch nicht endgültig gefunden, möglicherweise übernimmt Übergangsdirektor Michael Morell das Amt dauerhaft.

John Kerry jedenfalls wird im neuen Jahr seinen Traumjob antreten. Auf dem Demokraten-Parteitag in Charlotte im September hielt er eine solide Rede zur Außenpolitik, die als Bewerbung gewertet wurde. Und schon vor vier Jahren wäre er gern ins Außenministerium gewechselt, hatte damals Obama im Wahlkampf unterstützt und auf eine eigene Präsidentschaftsbewerbung verzichtet. Doch Obama wählte Ex-Rivalin Clinton.

Traumjob für Kerry

Auch nach Obamas neuerlichem Wahlsieg im November war Kerry nicht Obamas erste Wahl. Zwischen den beiden Männern besteht bisher kein besonders enges Verhältnis. Des Präsidenten Favoritin war Susan Rice, Amerikas Uno-Botschafterin und Vertraute Obamas. Die aber wurde von den Republikanern und Fox News über Monate massiv kritisiert, weil sie den Angriff auf die US-Vertretung im libyschen Bengasi nicht von Beginn an als Terror-Attacke bezeichnet hatte. Als die 48-Jährige dann in der vergangenen Woche erklärte, sie stehe nicht weiter als Kandidatin zur Verfügung, lief alles auf John Kerry hinaus.

Dennoch: Obamas zweite Wahl ist nicht generell zweite Wahl. Denn Kerry ist einer der erfahrensten amerikanischen Außenpolitiker. Seit gut drei Jahrzehnten sitzt er für den feinen Ostküstenstaat Massachusetts im Senat, seit 2009 leitet er zudem den wichtigen Außenausschuss der oberen Parlamentskammer. Kerry hat die Welt bereist, kennt die Entscheidungsträger. Er sondierte für Obama in Afghanistan und Pakistan, er traf Ägyptens neuen Präsidenten Mohammed Mursi als erster US-Vertreter. Als Präsidentschaftskandidat unterlag er George W. Bush im Jahr 2004, ist seitdem international aber ein Begriff.

Ketchup, Yale, Windsurfen

Kerry ist bekannt für seine vielen Berater, seine Faktenhuberei, sein hölzernes, steifes Auftreten. "Für John Kerry ist das Bad in der Menge das Gleiche wie für die Katze der Sturz in den Gartenteich", schrieb einmal der SPIEGEL. Doch mag die ruhige Art des Mannes Vorteile haben. Denn es gehe in Sachen Iran, Syrien oder beim israelisch-palästinensischen Konflikt künftig vor allem um stille Diplomatie, bemerkte die "Washington Post": "Es ist nicht leicht für einen Außenminister, leise zu operieren, aber Kerry versteht, dass das jetzt wichtig ist. Er ist weitgereist, so dass er die Kennenlern-Tour überspringen kann." Kerry, der Vermittler.

Möglicherweise ist er deshalb tatsächlich die bessere Wahl als Obamas Favoritin Rice. Denn die Uno-Botschafterin gilt als durchaus eigensinnig, nicht unbedingt als stille Diplomatin. Kerry hat Rice gegen die republikanische Kritik in Schutz genommen, wohl wissend, dass sie seine schärfste Konkurrentin war. Vertrauten hatte er Zurückhaltung auferlegt, sie sollten nicht für ihn werben im Hintergrund. Kerry gab den Parteisoldaten. Der Mann weiß, wie man politisch Karriere macht - und wie nicht.

Schmierenkampagne von George W. Bush

Er hat sich nun, kurz vor seinem achten Lebensjahrzehnt, nicht mehr allzuviel zu beweisen. Und Überraschungen dürfte Obama mit ihm nicht erleben. Denn spätestens seit seiner Präsidentschaftskandidatur ist so gut wie alles bekannt über den Patrizier von der US-Ostküste: Er ist reich, gut 230 Millionen Dollar schwer; Yale-Absolvent und Windsurfer; verheiratet mit Teresa Heinz Kerry, der Erbin des Heinz-Ketchup-Imperiums; er war Vietnam-Kriegsheld und Kriegsgegner gleichermaßen ("Aus einer Verpflichtung für das Land, das ich liebe, werde ich hinausgehen und möglicherweise für eine Sache sterben, mit der ich überhaupt nicht einverstanden bin"); als junger Mann ging er mit John F. Kennedy segeln und wollte - so sagt man ihm nach - seither Präsident werden.

Doch dafür hat es nicht gereicht. Der kumpelige Bush schlug den elitär wirkenden Kerry vor acht Jahren auch dank einer Schmierenkampagne, die Kerrys Vietnam-Auszeichnungen (Silver Star, Bronze Star, drei Purple Hearts) und seinen Dienst auf einem Patrouillenboot im Mekong-Delta in Frage stellte.

Sollte es tatsächlich auf das Duo Kerry-Hagel in Außen- und Verteidigungsministerium hinauslaufen, hätte sich Obama für die letzten beiden Jahre des US-Kampfeinsatzes in Afghanistan zwei durchaus kriegskritische Partner gesucht. Beide stimmten für Bushs Irak-Krieg, kritisierten die Regierung danach aber scharf. Hagel verglich den Irak mit Vietnam. Katholik Kerry sagte während seines Wahlkampfs 2004 stets, Amerika dürfe niemals in den Krieg ziehen, "weil es will, sondern nur, wenn es muss".

Anders als Rice wird Kerry keine Probleme haben, von seinen Noch-Kollegen im Senat als Außenminister bestätigt zu werden. Die Kammer muss einer Neubesetzung zustimmen. Wenn dies 60 von 100 Senatoren tun, läuft alles reibungslos. Fällt die Mehrheit knapper aus, kann die Minderheit den Berufungsprozess etwa durch Endlosdebatten ("Filibuster") verschleppen oder blockieren. Die Demokraten haben 55 Sitze im neuen Senat; es hätte also mindestens fünf Republikaner gebraucht, um Rice ohne Probleme durchzubringen. Danach sah es zuletzt nicht mehr aus.

Nur ein Problem bringt Kerrys Berufung mit sich: Die Demokraten müssten um seinen Senatssitz bangen, eine Neuwahl in Massachusetts wäre erforderlich. Und bei den knappen Mehrheitsverhältnissen in Washington zählt jede Stimme für Obama.

Doch dieses Risiko wird der Präsident wohl in Kauf nehmen.

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insgesamt 18 Beiträge
ObackoBarama 16.12.2012
Klar... sich liften lassen, hat er's schon.
Klar... sich liften lassen, hat er's schon.
henrikhjortdal 16.12.2012
Gut fur Europa dass ein Intellektueller Aussenminister wird.
Gut fur Europa dass ein Intellektueller Aussenminister wird.
jochen1978 16.12.2012
Er ist immerhin schon 69. Problemgebiete wird er genug beackern müssen: Syrien, Ägypten, Israel/Palästina, Mali, Afghanistan, Pakistan, Sudan, Nordkorea, US-Dauerthema Iran (P.S. Bald werden die einen neuen Präsidenten haben, [...]
Er ist immerhin schon 69. Problemgebiete wird er genug beackern müssen: Syrien, Ägypten, Israel/Palästina, Mali, Afghanistan, Pakistan, Sudan, Nordkorea, US-Dauerthema Iran (P.S. Bald werden die einen neuen Präsidenten haben, Entspannung möglich!)
j.m. 16.12.2012
Kerry: Ein Bush-Kriegs-Ja-Sager der dann andauernd darüber winselt dass Bush nicht genug Verbündete hineingezogen hat und daher der Krieg so teuer ist und nebenbei die Irakischen Verluste mit 1000:1 runterrechnet. Tolle [...]
Zitat von sysopDer Ex-Präsidentschaftskandidat ist eine gute Wahl.
Kerry: Ein Bush-Kriegs-Ja-Sager der dann andauernd darüber winselt dass Bush nicht genug Verbündete hineingezogen hat und daher der Krieg so teuer ist und nebenbei die Irakischen Verluste mit 1000:1 runterrechnet. Tolle Wahl! Und die Republikaner stellen wieder den Kriegsminister? Must be the wind of CHANGE!
taglöhner 16.12.2012
Quelle? Egal, klasse Mann!
Zitat von ObackoBaramaKlar... sich liften lassen, hat er's schon.
Quelle? Egal, klasse Mann!
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  • Sonntag, 16.12.2012 – 20:07 Uhr
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Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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