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Nachwuchs mit 17: McCains konservative Vize-Kandidatin hat schwangere Tochter

John McCains Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin gilt als erzkonservativ - jetzt wird bekannt, dass die minderjährige Tochter der 44-Jährigen schwanger ist. Eilig versicherte die Republikanerin, das 17-jährige Mädchen werde bald heiraten. Kommentar des Wahlkampfteams: "Life happens."

St. Paul - Mit Sarah Palin wollten die Republikaner bei Religiösen und Konservativen punkten. Nun wird die 44-jährige Vizepräsidentschaftskandidatin von John McCain Großmutter - weil ihre unverheiratete Tochter schwanger ist.

Die 17-jährige Bristol werde den Vater des Kindes heiraten und mit ihm gemeinsam das Kind aufziehen, teilten Sarah Palin und ihr Mann Todd am Montag in einer schriftlichen Erklärung mit.

"Wir sind stolz auf Bristols Entscheidung, das Baby auszutragen, und noch stolzer, Großeltern zu werden", teilten die Palins mit. "Bristol und der junge Mann, den sie heiraten wird, werden bald erkennen, wie schwierig es ist, ein Kind großzuziehen", hieß es in der Erklärung weiter. "Deshalb werden sie die Liebe und die Unterstützung der gesamte Familie haben." In ihrer Erklärung sagten die Eltern Palin, sie seien "mit fünf wundervollen Kindern gesegnet, die wir mit unserem ganzen Herzen lieben und die alles für uns bedeuten".

Das Ehepaar machte die Schwangerschaft ihrer Tochter erst publik, nachdem Gerüchte im Internet aufgetaucht waren, denen zufolge der jüngste Sohn der Gouverneurin in Wahrheit Bristols Kind sei. Palin, so hieß es weiter, habe eine eigene Schwangerschaft vorgetäuscht, um danach das Kind als ihr eigenes auszugeben. Der kleine im Mai geborene Junge Trig ist geistig behindert.

Palin hat sich als Vertreterin traditioneller Familienwerte einen Namen gemacht und genießt großes Ansehen gerade an der religiös-konservativen Basis der Partei. So lehnt sie etwa Sexualaufklärung an Schulen ab und befürwortet stattdessen Programme, die sexuelle Enthaltsamkeit von Teenagern fördern sollen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain hatte die Gouverneurin am vergangenen Freitag als seine Kandidatin für das Amt des US-Vizepräsidenten vorgestellt.

Ein McCain-Mitarbeiter wurde mit den Worten zitiert, der Präsidentschaftskandidat habe vor der Nominierung von der Schwangerschaft von Bristol Palin gewusst. McCains Sprecher sagte, der Kandidat sehe die Sache als "private Familienangelegenheit". Die Palins würden ihre Tochter voll unterstützen. "Life happens", fügte der Sprecher hinzu - frei übersetzt: "So geht's im Leben."

McCains demokratischer Rivale Barack Obama kündigte an, die Schwangerschaft der Palin-Tochter sollte nicht zum Wahlkampfthema werden. Die Familien der Kandidaten müssten tabu sein und erst recht die Kinder. Die Schwangerschaft habe keine Bedeutung bei der Einschätzung der Qualifikation Palins als Gouverneurin oder als mögliche künftige Vizepräsidentin.

Nach vielfachen Manipulationen sperrte das Online-Lexikon Wikipedia derweil den Eintrag über Palin. Zuvor hatte ein Mitglied der Online-Community entdeckt, dass der Artikel über die Gouverneurin von Alaska massiv geschönt worden war, unmittelbar bevor McCain die 44-Jährige zu seinem "Running Mate" ernannt hatte.

Ein in der Wikipedia-Gemeinschaft bislang unbekannter Autor mit dem Namen "Young Trigg" hatte am vergangenen Donnerstag in dem Lexikon-Eintrag beispielsweise den Hinweis entfernt, dass Palin an Schönheitswettbewerben teilgenommen hatte. Insgesamt nahm "Young Trigg" rund 30 Änderungen vor, um die Politikerin in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. So wurde in dem Artikel die Bemerkung eingeführt, Palin sei "eine Politikerin von herausragender Integrität". Gestrichen wurde dagegen die Passage, in der erklärt wurde, wie Palin an der Universität zu ihrem Spitznamen "Sarah Barracuda" kam.

Die Änderungen an Wikipedia-Artikeln können in dem Online-Lexikon nachvollzogen und rückgängig gemacht werden. Nachdem der amerikanische Radiosender NPR (National Public Radio) die Manipulationen an dem Palin-Artikel aufgegriffen hatte, wurden durch andere Wikipedia-Autoren die Beschönigungen wieder entfernt und hunderte von anderen Textänderungen vorgenommen. Inzwischen haben Administratoren von Wikipedia den Artikel für Änderungen von beliebigen Wikipedia-Nutzern gesperrt ("semi-protected"). Damit darf nur noch ein kleiner Kreis von erfahrenen Autoren den Artikel verändern.

als/AFP/dpa

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