Nachwuchssorgen US-Armee gehen die Rekruten aus

Nahezu täglich verliert die US-Armee Soldaten im Irak. Nun hat sie auch an der Heimatfront ein ernsthaftes Problem: Sie kann nicht genügend Nachschub rekrutieren. Außerdem haben die Truppen in Afghanistan und im Irak ihr Jahresbudget von 65 Milliarden Dollar bereits aufgebraucht. Nun soll das Pentagon nachschießen.


US-Soldaten im Einsatz in Bagdad: Die Armee hat Nachwuchssorgen
REUTERS

US-Soldaten im Einsatz in Bagdad: Die Armee hat Nachwuchssorgen

Washington - General Franklin L. Hagenbeck, oberster Personalchef der amerikanischen Armee, hat Sorgen. Er findet nicht genügend junge Leute, die zur Truppe wollen. Dies trifft die Schlagkraft der Streitkräfte deshalb hart, weil die Vereinigten Staaten ihre Truppenstärke ausbauen wollen - nicht zuletzt wegen der Einsätze im Irak und in Afghanistan.

Bis zum Jahr 2006 soll sie nach Plänen des Pentagon auf 512.000 Mann aufgestockt werden. "Jeden einzelnen Tag mache ich mir sorgen um die Rekrutierung", sagte Hagenbeck in einem Interview mit der "New York Times". Noch nie habe die Armee in Kriegszeiten Freiwillige suchen müssen, klagt der General.

Damit das kurzfristige Ziel, die kämpfende Truppe um 30.000 Soldaten zu verstärken, erreicht wird, sind 4500 neue Rekruten nötig. Doch die Anwerber haben große Schwierigkeiten, die Quote für das nächste Jahr zu schaffen. Die Armee hat sich daher allerlei Anreize einfallen lassen, um kampfbereite Männer und Frauen zu locken: finanzielle Zulagen, Unterstützung bei der Ausbildung und weitere Vergünstigungen.

"Die Armee dünnt gefährlich aus"

Diejenigen, die sich melden, kommen sofort zum Einsatz. Das hat Kritiker im Kongress auf den Plan gerufen. Dass man den Rekruten keinen Puffer gewähre, bevor sie in den Soldatenrang aufsteigen, sei ein klares Zeichen dafür, dass die Armee nicht genügend Personal habe, um die rund 120.000 in den Irak entsandten Soldaten zu kompensieren. "Die Armee dünnt gefährlich aus", sagte der demokratische Abgeordnete Ike Skelton aus Missouri neulich auf einer Anhörung.

Generalstabschef Peter Schoomaker erwiderte auf derselben Anhörung: "Wir verstärken die Armee so schnell wir können." Die Armee-Führung überlegt nun, Marine- und Luftwaffensoldaten, die Kürzungen im Budget zum Opfer gefallen wären, doch länger zu behalten. Auch soll die Pensionierung altgedienter Soldaten hinausgezögert werden.

Pentagon fehlen 12,3 Milliarden Dollar

Die Bezahlung der zusätzlichen Kräfte und die finanziellen Lockmittel für Rekruten sind schwer zu finanzieren. 65 Milliarden Dollar hatte der Kongress für die Einsätze in Afghanistan und im Irak bewilligt. Doch der Unterhalt der Armee weist nach Angaben von unabhängigen Rechnungsprüfern des Kongresses bereits jetzt eine Finanzierungslücke von mindestens 12,3 Milliarden Dollar auf. Dies berichtet die "Washington Post". US-Präsident George W. Bush hat bereits neue Gelder in Höhe von 25 Milliarden Dollar für die Armee beantragt.

General Hagenbeck macht die relativ starke Wirtschaft für das geringe Interesse verantwortlich. Mögliche Rekruten zögen einen Job auf dem freien Markt vor. Die Armee habe in der Flaute Hochkonjunktur. Seiner Argumentation zufolge muss die US-Wirtschaft brummen: Denn Ende Juni waren lediglich 2260 Rekruten für das Eingangsprogramm erfasst - im Vergleich zu 12.236 vor einem Jahr.



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