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Prozess gegen Ukrainerin: Russisches Gericht verurteilt Sawtschenko wegen Mordes

Vor Gericht in Moskau: Schauprozess gegen eine Symbolfigur Fotos
REUTERS

Das Verfahren gegen Nadija Sawtschenko wird international heftig kritisiert. Jetzt hat ein russisches Gericht die Ukrainerin des Mordes schuldig gesprochen. Das Strafmaß wird später bekannt gegeben.

Nadija Sawtschenko bleibt im Gefängnis. Ein Gericht in der südrussischen Kleinstadt Donezk sprach die Ukrainerin des Mordes schuldig. Das berichten russische Nachrichtenagenturen.

Moskau wirft Sawtschenko vor, im Sommer 2014 am Tod von russischen Journalisten im Kriegsgebiet Ostukraine beteiligt gewesen zu sein. Sie soll 2014 im Donbas Mörserfeuer auf Zivilisten gelenkt haben. Sawtschenko habe "aus Hass absichtlich den Tod zweier Menschen verursacht", sagte Richter Leonid Stepanenko. Sawtschenko bestreitet die Vorwürfe.

Das Strafmaß soll erst nach Verlesen der Begründung bekannt gegeben werden - voraussichtlich am 22. März. Die russische Staatsanwaltschaft hat 23 Jahre Lagerhaft für die 35-jährige Frau gefordert. Die von der Anklage vorgebrachten Beweise konnten die meisten Prozessbeobachter nicht überzeugen.

Schon vor dem Urteil hatte Sawtschenko angekündigt, dass sie das Urteil nicht anfechten werde. Sie setzt auf einen Austausch Gefangener zwischen Russland und der Ukraine. Sonst werde sie nach Inkrafttreten des Urteils in zehn Tagen wieder in Hungerstreik treten, kündigten ihre Anwälte an.

Nationalheldin der Ukraine, Feindin Russlands

Der Prozess ist international massiv kritisiert worden - auch von Deutschland. "Ihre über 20-monatige Inhaftierung mit Einzelhaft und fragwürdigen Verhörmethoden widerspricht internationalen Standards", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er äußerte sich auch besorgt über den Gesundheitszustand der Frau, die bereits mehrere Hungerstreiks hinter sich hat. Zudem gebe es viele Fragen dazu, wie Sawtschenko auf russisches Territorium gebracht worden sei, sagte Seibert.

Sawtschenko selbst sagt, sie sei von prorussischen Kämpfern gefangen genommen und an Russland ausgeliefert worden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde sie von Russlands Geheimdienst verschleppt.

Die Vertretung der Europäischen Union (EU) in Moskau verlangte die sofortige Freilassung Sawtschenkos.

Sie wurde als Hubschrauberpilotin der ukrainischen Armee ausgebildet, sie kämpfte als Freiwillige gegen prorussische Separatisten in der Ostukraine. In der Ukraine wird Sawtschenko als Nationalheldin und Symbol des Widerstands gegen den Kreml verehrt, im russischen Staatsfernsehen wird sie dagegen als gefährliche Nationalistin dargestellt, die das Blut russischer Zivilisten an den Händen hat (die Hintergründe lesen Sie hier).

Der russische Grenzschutz verweigerte am Montag einer ukrainischen Abgeordneten die Einreise zu dem Prozess. Auch Sawtschenko hat ein Mandat: Sie war 2014 in Abwesenheit ins ukrainische Parlament gewählt worden.

heb/dpa/AFP/Reuters

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Fläche: 603.700 km²
(inklusive der Krim, die seit 2014 von Russland annektiert ist)

Bevölkerung: 45,363 Mio.

Hauptstadt: Kiew

Staatsoberhaupt:
Petro Poroschenko

Regierungschef: Volodymyr Hroisman

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