Nächste Station Pennsylvania Showdown in der Wiege der Nation

Mit ihrem Comeback in Ohio und Texas hat Hillary Clinton ihre letzte Chance im Rennen um das Weiße Haus gewahrt. Das Duell mit Barack Obama geht in die nächste Runde: In ein paar Wochen kommt es zum erneuten Showdown - diesmal in Pennsylvania.


Hamburg - Die Erleichterung war Hillary Clinton anzusehen. "Wir machen weiter, wir sind stark, und wir gehen den ganzen Weg", rief Clinton, 60, ihren jubelnden Anhängern im Wahlkampf-Hauptquartier in Columbus, der Hauptstadt von Ohio, zu.

Im Süden des Landes, in San Antonio, Texas, ähnliche Töne, wenn sie auch etwas weniger euphorisch als bei den Vorwahlentscheidungen der vergangenen Wochen klangen. "Wir sind auf dem Weg, die Nominierung der demokratischen Partei zu gewinnen", verkündete Barack Obama vor seinen Fans.

Es ist ein Comeback für Clinton - erfolgreich hat sie sich gegen den Knockout gewehrt, sich zurückgekämpft, zumindest in dieser Runde. Das Duell zwischen den beiden Rivalen geht weiter. Während John McCain bei den Republikanern endgültig alles klar gemacht hat, ist die Entscheidung im Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur wieder einmal vertagt.

Die nächsten Schlachten werden nun am Samstag in Wyoming und am kommenden Dienstag in Mississippi geschlagen. Allerdings kommt diesen Staaten keine größere Bedeutung zu, hier lassen sich Siege zählen, aber keine Massen an Delegiertenstimmen. Der nächste große Showdown steht am 22. April in Pennsylvania an - wenn keiner der beiden Konkurrenten vorher das Handtuch wirft, womit nicht zu rechnen ist.

Pennsylvania hat etwa 12,5 Millionen Einwohner, der "Keystone State" gilt als Wiege der amerikanischen Nation: In Philadelphia wurde am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung verabschiedet, genauso elf Jahre später die Verfassung der Vereinigten Staaten.

Von seiner Bevölkerungsstruktur her ähnelt der Staat im Osten der Vereinigten Staaten in vielerlei Hinsicht dem benachbarten Ohio, wo Hillary Clinton nun einen ihrer Comeback-Siege feiern konnte.

Einstweilen ist es nur ein Etappensieg, der sie im Rennen hält, ihr nach zwölf Niederlagen in Folge den nötigen Schwung gibt, um wieder selbstbewusst in die nächsten Duelle gehen zu können. Bei den Parteitagsdelegierten, die letztlich über die Nominierung entscheiden, liegt Obama weiterhin vorn. Und nur mit sehr deutlichen Siegen bei den verbleibenden Abstimmungen könnte Clinton den Vorsprung wettmachen.

Auch Pennsylvania muss freilich keine Entscheidung bringen. Steigt auch nach dieser Vorwahl keiner der Rivalen aus, könnte es zum Finale auf dem Parteitag im September kommen. Dort geben dann möglicherweise die Stimmen der sogenannten Super-Delegierten aus dem Parteiestablishment den Ausschlag.

Doch der Kampf zermürbt die Partei. Es ist nicht ausgeschlossen, dass aus den Reihen der Demokraten der Druck auf den zurückliegenden Kandidaten wächst, sich freiwillig aus dem Rennen zurückzuziehen. Für Clinton bedeutet das: Sie muss die Kritiker überzeugen, dass sie noch eine echte Chance auf die Kandidatur hat - und auch ihre Spender, die ihren Wahlkampf finanzieren.

Finanziell allerdings hat bislang Obama mehr Spielraum als Clinton, er treibt deutlich mehr Spenden ein. Clinton wird nun noch mehr alles daran setzen, den derzeitigen Publikumsliebling als Aufsteiger zu entzaubern, dem es vor allem an Erfahrung fehlt.

Für beide kommt es darauf an, bei den nächsten Vorwahlen Stammklientel zu mobilisieren. Denn die Anhängerschaft der Rivalen unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung deutlich. In Ohio und Texas gelang es Obama und Clinton die Reihen der Getreuen hinter sich zu schließen. Beide scheiterten beim Versuch, im Wähler-Reservoir des Gegners zu wildern.

Clinton bekam wieder viele Stimmen von Frauen, Arbeitern, Geringverdienern und Latinos. Obama konnte sich auf Afroamerikaner, Besserverdiener, jüngere Wähler und parteiungebundene Wähler verlassen. Beide Kontingente halten sich bislang in etwa die Waage. Sollte es keinem der beiden gelingen, Stammwähler des anderen in großer Zahl abzuwerben, dürfte das Rennen knapp bleiben.

phw/AFP/Reuters

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