Israels rechter Aufsteiger Bennett Der Bulldozer

Kurz vor der Wahl in Israel stürzt Benjamin Netanjahu in Umfragen ab: Er bekommt gefährliche Konkurrenz von rechts. Ausgerechnet sein einst engster Mitarbeiter, der junge Multimillionär Naftali Bennett, nimmt dem Premier Stimmen ab - er punktet mit noch extremeren Positionen zur Palästina-Frage.

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Selbstbewusster Naftali Bennett: Der Jungpolitiker setzt Netanjahu unter Druck
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Selbstbewusster Naftali Bennett: Der Jungpolitiker setzt Netanjahu unter Druck


Es hatte eigentlich so ausgesehen, als würde Israels Premierminister Benjamin Netanjahu bei der Wahl am 22. Januar einen Rekordsieg einfahren. Doch nun macht ihm jemand einen Strich durch die Rechnung: Naftali Bennett, der Mann, der als Stabschef dabei half, Netanjahu zurück an die Macht zu bringen.

Erst im November hat Bennett überraschend den Vorsitz der kleinen rechten Partei Habajit Hajehudi übernommen - zu Deutsch: Jüdisches Haus. Dabei setzte Bennett sich gnadenlos gegen einen Parteifreund durch, der neben seinem Amt als Minister auch als Rabbi dient und Bennett selbst verheiratet hatte.

Seit seinem überwältigenden Sieg führt Bennett die Partei zu einem rasanten Aufstieg - auf Kosten von Netanjahus Likud-Beitenu-Block. In Umfragen liegt er schon an dritter Stelle mit rund 15 von 120 Knesset-Sitzen. Geht der Trend weiter, könnte Habajit Hajehudi sogar zweitstärkste Kraft werden.

Netanjahus Likud-Beiteinu stürzt gleichzeitig immer weiter ab. Statt derzeit 42 Sitzen liegt Likud-Beiteinu in Umfragen nur noch bei rund 34. Im Wahlkampf schießt sich Netanjahu nun auf Bennett ein.

Der politische Newcomer ist plötzlich sein gefährlichster Gegner.

Multimillionär mit 33

Alles, was der politische Quereinsteiger Naftali Bennett gerade anfängt, scheint ihm zu gelingen. Gerade einmal 40 Jahre alt, hat der Sohn amerikanischer Einwanderer aus San Francisco bereits mehrere erfolgreiche Karrieren hinter sich.

Erst war Bennett Soldat in zwei Eliteeinheiten der israelischen Armee. Wie Netanjahu diente er in der Anti-Terror-Truppe Sajeret-Matkal. Nach wie vor ist er dort Offizier der Reserve im Rang eines Majors. Nach seinem Militärdienst und einem Jura-Studium zog er nach New York. Bennett gründete ein Software-Unternehmen, das er nur wenige Jahre später für 145 Millionen Dollar verkaufte. Mit 33 hatte er ausgesorgt. Er schrieb eine Ratgeberkolumne für Unternehmer in der israelischen Zeitung "Haaretz".

"Wenn Raketen auf israelische Städte fallen und sich dem Zentrum des Landes nähern, könnte man versucht sein, die langweilige Routine einer Hightech-Firma zu verfluchen", schrieb er in seiner Kolumne im Juli 2006. Der zweite Libanon-Krieg hatte gerade begonnen. Er sollte dem Leben von Naftali Bennett eine neue Richtung geben.

Vom Libanon-Krieg in die Politik

Bennett wurde eingezogen wie Tausende andere Israelis. Als Israel in den Libanon einmarschierte, kam sein bester Freund ums Leben. Erschüttert kehrte Bennet aus dem Einsatz zurück. "Wie viele Reservesoldaten hatte er das Gefühl, dass er das Land rehabilitieren müsste nach dem Ruin, den sie gerade erlebt hatten", schreibt der israelische Journalist Ari Shavit.

Der Kriegsheimkehrer ging in die Politik. Ausgerechnet Oppositionschef Benjamin Netanjahu heuerte den damals 34-Jährigen und politisch unerfahrenen Bennett an - als seine rechte Hand. Zwei Jahre rackerte Bennett als Stabschef unermüdlich für Netanjahu. Ein Jahr später, kurz vor Netanjahus Ernennung zum Premier, ging Bennett wieder. Es heißt, er habe sich mit Netanjahus Ehefrau gestritten, die als schwierig gilt.

Bennett wird zu einem von Netanjahus härtesten Kritikern. Premierminister Netanjahu spricht sich auf Druck von US-Präsident Barack Obama für einen temporären Stopp des Siedlungsbaus im Westjordanland aus, der in der Praxis jedoch nicht umgesetzt wird. Bennett wird Vorsitzender der Siedler.

Dabei wohnt Bennett selbst gar nicht in einer Siedlung. Er steht nicht für den orthodoxen, sondern einen modernen jüdischen Patriotismus. Sein Zuhause ist in Ra'anana bei Tel Aviv, im israelischen Silicon Valley.

Einen palästinensischen Staat lehnt Bennett ab

Die Zukunft des Westjordanlands ist noch immer Bennetts Thema. 60 Prozent des Gebiets, die sogenannte "Area C", in der nach Schätzungen der Uno rund 150.000 Palästinenser leben, will Bennett annektieren. Einen palästinensischen Staat wird es mit ihm nicht geben. "Wir müssen uns fragen, was richtig für uns ist. Die Welt wird uns zwar verurteilen - aber es dann einfach akzeptieren", sagte er in einem Interview mit der "Times of Israel".

Bennetts Aufstieg zeigt, wie weit nach rechts Israel in den vergangenen Jahren gerückt ist. Seine radikalen Forderungen sind gesellschaftsfähig. Er treibt Netanjahu im Wahlkampf noch weiter nach rechts.

Auch Benjamin Netanjahu spricht nicht mehr von einer Zwei-Staaten-Lösung. Kurz vor Weihnachten erlaubte der Premierminister neue Siedlungen ausgerechnet im sogenannten "E-1"-Gebiet nahe Ost-Jerusalem, wo ein künftiger palästinensischer Staat wohl seine Hauptstadt errichten würde.

Zwar wird wohl auch Bennett Netanjahu nicht das Amt des Premiers streitig machen können. Doch dürfte der Jungpolitiker wohl zum wichtigen Machtfaktor in den Koalitionsverhandlungen werden. Bennett hat bereits erklärt, dass ihn das Ministerium für Wohnungsbau interessiert, wo er Einfluss auf die Siedlungspolitik nehmen will.

Mit gewohntem Selbstbewusstsein hat Bennett über Netanjahu in dem "Times"-Interview erklärt: "Er ist ein guter Mann. Sein Herz ist am richtigen Fleck." Doch manchmal schwanke der Premierminister unter internationalem Druck zu sehr und rudere wieder zurück - etwa bei der Palästina-Politik. "Wir sehen unseren Job darin, ihn von außen her zu stärken", sagte Bennett über sich und seine Partei.

Nach der Wahl will er erst damit anfangen, Netanjahu so richtig unter Druck zu setzen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 89 Beiträge
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Seite 1
axlban 08.01.2013
1. ehrlich
Er ist wenigstens ehrlich. Nun darf sich als Regierung positioniert werden.
an-i 08.01.2013
2. seit dem Fall des
haben wir in ganz Europa und angrenzenden Regionen eine Zunahme von extrem (bis faschistoidem) rechtem Gedankengut zu tun...
weltoffener_realist 08.01.2013
3.
Zitat von sysopDPAKurz vor der Wahl in Israel stürzt Benjamin Netanjahu in Umfragen ab: Er bekommt gefährliche Konkurrenz von rechts. Ausgerechnet sein einst engster Mitarbeiter, der junge Multimillionär Naftali Bennett, nimmt dem Premier Stimmen ab - er punktet mit noch extremeren Positionen zur Palästina-Frage. Naftali Bennett: Ein Multi-Millionär macht Netanjahu Konkurrenz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/naftali-bennett-ein-multi-millionaer-macht-netanjahu-konkurrenz-a-876211.html)
Ich wage die Vorhersage, dass ich eine Befriedung dieser Region nicht mehr erleben werden - und das, obwohl ich statistisch noch ein paar Jahrzehnte übrig habe. Beide Seiten tun fortwährend alles dafür, dass es keine friedliche Lösung geben kann.
horst hanson 08.01.2013
4. Die Welt darf es NICHT akzeptieren.
"Wir müssen uns fragen, was richtig für uns ist. Die Welt wird uns zwar verurteilen - aber es dann einfach akzeptieren", sagte er in einem Interview mit der "Times of Israel". Es ist jetzt Aufgabe der Gesellschaft und Politik Politikern wie Bennett klar aufzuzeigen, dass die Welt eben diese Schritte nicht akzeptiert und nötigenfalls glaubhaft sanktioniert.
mindphuk 08.01.2013
5.
Zitat von sysopDPAKurz vor der Wahl in Israel stürzt Benjamin Netanjahu in Umfragen ab: Er bekommt gefährliche Konkurrenz von rechts. Ausgerechnet sein einst engster Mitarbeiter, der junge Multimillionär Naftali Bennett, nimmt dem Premier Stimmen ab - er punktet mit noch extremeren Positionen zur Palästina-Frage. Naftali Bennett: Ein Multi-Millionär macht Netanjahu Konkurrenz - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/naftali-bennett-ein-multi-millionaer-macht-netanjahu-konkurrenz-a-876211.html)
Dank rechter und faschistoider Treiber und Hetzer weltweit wird es nie Frieden geben, denn daran haben diese Menschenfeinde und Chauvinisten kein Interesse. Und das gilt für ALLE Seiten, ob nun religiös fundamentalistisch oder politisch.
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