Nahost Energieengpass in Gaza - Krisensitzung des Sicherheitsrats

Treibstoffmangel, Strommangel, Lebensmittelmangel - die Lage für die Bevölkerung im Gaza-Streifen spitzt sich nach der israelischen Blockade zu. Angesichts der Notlage wird sich heute der Weltsicherheitsrat mit der Lage im abgeriegelten Palästinenser-Territorium befassen.


New York - Die Arabische Liga hatte den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen angerufen. Der palästinensischer Beobachter im New Yorker Uno-Hauptsitz, Rijad Mansur, sagte, die Liga erwarte eine Erklärung, in der Israel aufgefordert wird, die Grenzen wieder zu öffnen.

Krankenhaus im Gaza-Streifen: Sorgen über die Stromknappheit
REUTERS

Krankenhaus im Gaza-Streifen: Sorgen über die Stromknappheit

Die 15 Sicherheitsratsmitglieder beschlossen in einer kurzen Zusammenkunft gestern, ihre eigentlich für Mittwoch geplante Sitzung um einen Tag vorzuverlegen. Nach einer knapp zweistündigen Diskussion hinter verschlossenen Türen war man dann kommentarlos auseinandergegangen. In dem Dauerkonflikt findet der Rat wegen der verhärteten Fronten zwischen den Beteiligten und ihren Verbündeten selten eine gemeinsame Linie.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon drückte nach Angaben seines Büros in einem Telefonat mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert seine Besorgnis über die Versorgungslage im Gaza-Streifen aus.

Schon am Freitag hatte Ban indirekt eine Aufhebung der Blockade gefordert. Er appellierte an Israel, "von Aktionen Abstand zu nehmen, die das Wohlergehen der Zivilbevölkerung in Gaza beeinträchtigen", hieß es. Die Abriegelung unterbreche dringend erforderliche Kraftstofflieferungen, die für Wasserpumpen und Strom in Wohnungen und Krankenhäusern notwendig seien. Zugleich forderte er einen sofortigen Stopp des Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen auf israelisches Gebiet.

Am Morgen ließ Israel erstmals seit Tagen wieder Öl und Treibstoff für das dortige Kraftwerk die Grenze passieren. Im weiteren Tagesverlauf wird erwartet, dass auch Lebensmittel und Medikamente wieder in das palästinensische Gebiet geliefert werden.

Israel hatte als Reaktion auf Raketenangriffe militanter Palästinenser am vergangenen Freitag das von der radikalislamischen Hamas kontrollierte Autonomiegebiet abgeriegelt. Die Blockade führte zu Versorgungsengpässen; wegen Treibstoffmangels wurde das einzige Kraftwerk in dem Küstenstreifen abgeschaltet, das ein Drittel der 1,5 Millionen Einwohner mit Strom versorgt.

Nach den Worten von Regierungschef Olmert soll die Blockade aber erst aufgehoben werden, wenn militante Palästinenser den Beschuss Israels einstellen.

Eine Uno-Sprecherin teilte gestern in New York mit, das Uno-Hilfswerk in den Palästinensergebieten (UNRWA) habe zwar noch ausreichend Lebensmittel, es fehle aber an Treibstoff und Plastiksäcken zur Auslieferung. Die Hilfen müssten deshalb von Mittwoch an gestoppt werden. Von den Lebensmitteln sind 860.000 Palästinenser abhängig.

asc/AP/dpa



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