Nahost Gefecht an der israelisch-syrischen Grenze

Neue Gewalt im Nahen Osten: Israelische Soldaten haben vier Menschen erschossen, die versucht haben sollen, von Syrien aus die Grenze nach Israel zu überqueren. Bei den Toten handelt es sich offenbar um demonstrierende Palästinenser. Auch am Gaza-Streifen kam es zu schweren Zwischenfällen.

Nakba-Jahrestag: Gedenken an Vertreibung und Sorge vor Anschlägen Militanter
AFP

Nakba-Jahrestag: Gedenken an Vertreibung und Sorge vor Anschlägen Militanter


Tel Aviv - Bei Schusswechseln auf den von Israel besetzten Golanhöhen sind am Sonntag nach Rundfunkberichten mehrere Menschen getötet worden. Dutzende weitere hätten Verletzungen erlitten, berichtete der israelische Rundfunk. Den Angaben zufolge überquerten mehrere hundert Palästinenser die streng bewachte Grenze zwischen Syrien und Israel. Im Bereich der drusischen Ortschaft Madschd al-Schams sei es zu Feuergefechten mit der israelischen Armee gekommen. Eine israelische Armeesprecherin sagte, man prüfe den Bericht. Radikalislamische Gruppierungen hatten zum palästinensischen Nakba-Tag zum Marsch auf die israelischen Grenzen aufgerufen.

Israelische Militärs bestätigten zunächst lediglich Warnschüsse. Aber der TV-Sender Channel 2 berichtete, vier Menschen seien bei dem Vorfall getötet worden. Zwischen zehn und zwanzig weitere Menschen würden medizinisch versorgt.

Israel besetzte die Golanhöhen 1967 während des sogenannten "Sechs-Tage-Krieges". Obwohl Syrien die Gebiete als Voraussetzung für einen Friedensschluss zurückfordert, ist die Grenze seit Jahrzehnten ruhig.

Gedenkveranstaltungen und Proteste

Die Demonstration ist vermutlich Teil der Gedenkveranstaltungen, mit denen Palästinenser weltweit der Flucht und Vertreibung hunderttausender Araber im Vorfeld und in Folge der israelischen Staatsgründung am 14. Mai 1948 gedenken.

Aus Sorge vor symbolträchtigen Anschlägen militanter Gruppen hat Israel bereits in der Nacht eine Abriegelung des besetzen Westjordanlandes verfügt. In Tel Aviv fuhr am Vormittag ein arabischer LKW-Fahrer in eine Menschenmenge, wobei ein Israeli getötet wurde und über ein dutzend weitere verletzt wurden. Die Polizei prüft Medienberichten zufolge, ob es sich um einen Anschlag handelte.

Auch anderenorts kam es zu Zusammenstößen. Palästinensischen Krankenhausmitarbeitern zufolge wurden am Sonntag am Gazastreifen-Kontrollpunkt Erez mindestens 45 Demonstranten verletzt, im Westjordanland am Kontrollpunkt Kalandia fünf weitere.

Am Grenzübergang Erez hatten sich rund tausend Palästinenser versammelt. Nach Berichten des israelischen Armeerundfunks gaben die Soldaten zunächst Warnschüsse ab und feuerten dann auf die Beine der Demonstranten.

Die politische Führung der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen nutzt die Gelegenheit, um erneut Israels Existenzrecht in Zweifel zu ziehen. Hamas-Führer Ismail Hanija sprach am Sonntag vor etwa 10.000 Gläubigen nach einem Morgengebet vor der Omari-Moschee in Gaza-Stadt von der Hoffnung auf ein baldiges Ende des "zionistischen Projektes in Palästina".

yas/dpa/AP/AFP

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