Nahost Gewalt überschattet die Jordanien-Wahl

Die wichtigste Oppositionspartei boykottierte die Abstimmung, es gab Beschwerden über Stimmenkäufe: Überschattet von Gewalt hat die Bevölkerung von Jordanien ein neues Parlament gewählt.

Gewalt bei der Wahl in Jordanien: Beschwerden über Stimmenkauf
REUTERS

Gewalt bei der Wahl in Jordanien: Beschwerden über Stimmenkauf


Amman - Die bedeutendste Oppositionspartei nahm an der Wahl nicht teil, deshalb wurde mit einem klaren Sieg der regierungsnahen Kandidaten gerechnet: Die fundamentalistische Islamische Aktionsfront sah sich durch das neue Wahlrecht benachteiligt und boykottierte deshalb die vorgezogene Abstimmung über ein neues Parlament in Jordanien.

Bei einer Schießerei zwischen Anhängern rivalisierender Kandidaten im Süden des Landes kam ein Mensch ums Leben, zwei wurden verletzt. Dies teilte der Sprecher der Wahlkommission, Samih al-Maajta, mit.

Im ländlichen Wahlkreis Madaba hatte die Polizei zuvor 30 mit Messern bewaffnete Männer festgenommen, die Wähler an der Stimmabgabe hindern wollten. Andernorts wurde nach Informationen des TV-Senders Al-Arabija in die Luft geschossen, um die Anhänger eines Konkurrenten abzuschrecken. Die staatliche Nachrichtenagentur Petra meldete, in mehreren Bezirken seien Wähler aus dem Verkehr gezogen worden, die versucht hätten, mehr als einen Wahlzettel auszufüllen. In einigen südlichen Bezirken gab es Beschwerden über Stimmenkauf.

Erwartet wurde daher ein klarer Sieg regierungsnaher Kandidaten, vor allem von Stammesangehörigen mit guten Verbindungen zu König Abdullah II.. Die islamistische Opposition trat nicht an mit der Begründung, dass das neue Wahlrecht Stimmen aus der Stadt entwerte. Dort bekommen die radikalen Parteien traditionell mehr Stimmen als auf dem Land. Fast 80 Prozent der Jordanier leben laut einer CIA-Studie in Ballungsräumen. Die Unterstützerbasis des Königs kommt hingegen aus Wüstenregionen.

Bei der Wahl traten insgesamt 763 vornehmlich regierungsnahe Kandidaten an, darunter 134 Frauen. Zwölf der 120 Sitze sind für Frauen reserviert, neun für Christen, zwei Mandate erhalten Vertreter der kaukasischen Minderheit der Tscherkessen.

Abdullah hatte Ende vergangenen Jahres das Parlament aufgelöst und Neuwahlen angekündigt, nachdem im Zusammenhang mit der Wahl 2007 massive Betrugsvorwürfe laut geworden waren. Die Legitimationskrise lähmte das Parlament seither.

als/dpa/AFP



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insgesamt 3 Beiträge
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bismarck_utopia 09.11.2010
1. Quote
Habe ich das richtig verstanden: In Jordanien gibt es für das Parlament nicht nur eine Frauenquote, sondern auch eine - Christenquote?
SNA 10.11.2010
2. Jordanien
Zitat von bismarck_utopiaHabe ich das richtig verstanden: In Jordanien gibt es für das Parlament nicht nur eine Frauenquote, sondern auch eine - Christenquote?
Ja, und das Land ist übrigens in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Im Übrigen war Jordanien bisher allemal eine Reise wert. Ob das allerdings so bleibt...
ein anderer 10.11.2010
3. destabilisierende Wirkung
Zitat von sysopÜberschattet von Gewalt hat die Bevölkerung von Jordanien ein neues Parlament gewählt. Die wichtigste Oppositionspartei boykottierte die Abstimmung. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,728223,00.html
Die meisten palästinensischen Jordanier und Exilpalästinenser leben in den Ballungszentren. Es ist nicht erstaunlich, dass der ungelöste israelisch-palästinensische Konflikt auch dort seine destabilisierende Wirkung entfaltet. Und nicht nur Jordanien wird durch den Konflikt im Nachbarland destabilisiert, auch in Ägypten ist diese Gefahr spürbar.
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