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01. Oktober 2007, 07:50 Uhr

Nahost

Iran bietet USA Hilfe im Irak an

Propaganda-Rhetorik oder ernst gemeinter Vorstoß? Iran hat den USA Hilfe im Irak angeboten, falls Washington einen Abzugsplan für seine Truppen vorlegt - dies kündigte Regierungsvertreter Laridschani in einem Zeitungsinterview an.

Teheran/London - Es ist ein großzügiges Versprechen aus Teheran: Iran hat angekündigt, den USA bei der Stabilisierung des Irak zu helfen, sollte Washington einen konkreten Plan für den Abzug seines Militärs aus dem Land vorlegen. Wenn die USA "einen klar definierten Zeitplan haben, werden wir ihnen helfen, den umzusetzen", sagte Irans Atom-Unterhändler Ali Laridschani der "Financial Times". "Wenn die USA aber ihre Fehler fortsetzen, sollten sie uns nicht um Hilfe fragen", fügte Laridschani hinzu.

Zeichen der Gewalt im Irak: Ein ausgebranntes Auto nach einem Bombenanschlag in Bagdad
REUTERS

Zeichen der Gewalt im Irak: Ein ausgebranntes Auto nach einem Bombenanschlag in Bagdad

Die US-Regierung lehnt einen konkreten Abzugsplan mit der Begründung ab, er würde den Aufständischen im Irak in die Hände spielen und sie ermutigen.

Laridschani wies zudem Vorwürfe Washingtons zurück, Iran unterstütze Aufständische im Irak mit Waffen. Derartige Vorwürfe seien Lügen, sagte Laridschani. Teheran habe Washington aufgefordert, Namen von iranischen Revolutionsgarden zu nennen, die nach US-amerikanischer Darstellung Extremisten im Irak unterstützen sollen - die USA hätten aber keine Antwort geliefert.

Der US-Senat hatte vergangenen Mittwoch einer Resolution zugestimmt, die Islamischen Revolutionsgarden zu einer Terrororganisation zu erklären. Iran wartete nicht lange mit einer Antwort auf diesen Beschluss: Gestern bezeichneten Abgeordnete des Parlaments in Teheran den amerikanischen Geheimdienst CIA und die US-Streitkräfte als "terroristische Organisationen". Das iranische Parlament verurteile die Aggressionen des US-Militärs im Irak und in Afghanistan.

Laridschani, der auch Sekretär des Obersten iranischen Sicherheitsrates ist, warnte die USA zugleich vor einem Angriff auf sein Land. Ihr Scheitern im Irak sollte die USA davon abschrecken, ähnliche Interventionen zu wiederholen, sagte der Politiker. Ein Angriff auf Iran wäre gleichbedeutend damit, "seine Hand in einen Bienenkorb zu stecken".

hen/Reuters

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