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Nahost: Israel beschießt Büro von Palästinenser-Premier

Israel erhöht nach der Entführung eines Soldaten den Druck auf die Palästinenser: In der Nacht zu Sonntag feuerte ein Kampfhubschrauber eine Rakete auf das Büro des palästinensischen Regierungschefs Hanija.

Gaza - Augenzeugen zufolge ging das Gebäude nach dem israelischen Luftangriff in der Nacht zum Sonntag in Flammen auf, die Feuerwehr konnte den Brand aber eindämmen. Hanija selbst war nicht in dem Gebäude, als die von einem Kampfhubschrauber abgefeuerte Rakete einschlug. Er verurteilte den Angriff als Teil einer Politik des Dschungels und der Arroganz. Bei einem zweiten Angriff auf Büros einer Extremistengruppe wurde ein Mitglied der Hamas getötet. Mindestens ein Geschoss schlug zudem in einer palästinensischen Schule ein. Opfer gab es dort nicht.

Palästinenser-Premier Hanija in seinem beschädigten Büro: Ein Angriff auf die Regierungsfähigkeit von Hamas
AP

Palästinenser-Premier Hanija in seinem beschädigten Büro: Ein Angriff auf die Regierungsfähigkeit von Hamas

"Wir erhöhen den Druck und werden weiterhin tun, was notwendig ist, um sicherzustellen, dass die Hamas ihren Preis zahlt", sagte Israels Innenminister Roni Bar-On einem Militärsender nach dem Luftangriff. Die Offensive zielte seinen Worten zufolge auf die Regierungsfähigkeit der Hamas.

Hanija rief die Weltgemeinschaft zum Einschreiten auf. Der Luftangriff auf sein Büro in Gaza sei ein Angriff "auf ein palästinensisches Symbol". Vor dem beschädigten Gebäude sagte er: "Wir fordern die internationale Gemeinschaft und die Arabische Liga auf, ihre Verantwortung gegenüber unserem Volk zu übernehmen und einzuschreiten, um diese Aggression zu beenden." In der Palästinenserführung hieß es, dass Hanijas Leben "in Gefahr" sei, wenn der israelische Soldat Gilad Schalit nicht freikomme.

Israel halte die Palästinenserführung und die Hamas für verantwortlich für die Entführung des 19-jährigen Soldaten "und für sein Schicksal", sagte eine Armeesprecherin. Das Militär werde weiterhin "alle Mittel" einsetzen, die ihm zur Verfügung stünden, um die bedingungslose Rückkehr des Soldaten zu erlauben. Israel hatte nach der Entführung des Soldaten mehrfach damit gedroht, gegen führende Hamas-Mitglieder vorzugehen. Zu der Entführung hatten sich drei palästinensische Gruppierungen bekannt, unter ihnen der bewaffnete Arm der Hamas, die Essedin-el-Kassam-Brigaden. Palästinensischen Unterhändlern zufolge ist der 19-jährige Soldat am Leben und medizinisch versorgt worden.

Israelische Truppen und Panzer waren am Mittwoch in den Gaza-Streifen eingerückt und hatten das Küstengebiet abgeriegelt. Am Donnerstag hatte das Militär im Westjordanland 64 Hamas-Politiker festgenommen, unter ihnen acht Minister und 24 Parlamentsabgeordnete.

Die Bedingungen palästinensischer Extremisten zur Freilassung der Geisel lehnt Israel strikt ab. Diese hatten unter anderem gefordert, Israel müsse 1000 arabische Gefangene freilassen und die Offensive im Gazastreifen beenden. Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas hatte gemeinsam mit ägyptischen Unterhändlern verhandelt, um eine Zuspitzung der Situation zu vermeiden. "Die Dinge sind nicht zum Stillstand gekommen. Die Menschen arbeiten weiter an einer zufrieden stellenden Lösung und wir werden diese hoffentlich auch bekommen", sagte Abbas am Samstag.

Angesichts einer sich abzeichnenden Versorgungskrise im abgeriegelten Gazastreifen wollte Israels Ministerpräsident Ehud Olmert sich noch am heutigen Sonntag mit seinen Ministern treffen. Es wurde damit gerechnet, dass die Regierung einen wichtigen Grenzübergang zumindest für Lieferungen von Waren, Generatoren und anderen wichtigen Versorgungsgütern wieder öffnen würde.

cai/afp/reuters

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