Nahost: Israel beschießt wieder Dutzende Ziele im Gaza-Streifen

Die israelische Armee hat in der Nacht wieder massiv den Gaza-Streifen bombardiert. Ziel war neben Raketenabschussrampen auch ein TV-Sender. Nach palästinensischen Angaben sind zwei Kinder unter den Toten. Dutzende Menschen wurden verletzt, darunter mehrere Journalisten.

Tel Aviv/Gaza - Die israelische Armee hat in der Nacht zum Sonntag erneut Ziele im Gaza-Streifen angegriffen. Es seien Dutzende von Raketenabschussrampen getroffen worden, teilte das Militär mit. Außerdem seien ein Trainings- sowie ein Kommunikationszentrum der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas getroffen worden. Auch die Marine habe mehrere Ziele an der nördlichen Küste des Gaza-Streifens angegriffen.

Nach israelischen Medienberichten feuerten militante Palästinenser nach Mitternacht zunächst keine Raketen mehr auf Israel ab. Am Morgen heulten allerdings in mehreren israelischen Ortschaften in der Nähe des Gaza-Streifens wieder die Sirenen.

Nach Angaben des palästinensischen Gesundheitsministeriums und von Augenzeugen wurden bei den Angriffen in der Nacht zwei Kleinkinder getötet und etwa 25 Menschen verletzt. Im nördlichen Gaza-Streifen seien mehrere Häuser getroffen worden. Auch das Büro des Fernsehsenders Al-Kuds, der der im Gaza-Streifen herrschenden Hamas nahesteht, sei angegriffen worden. Dabei seien sechs Journalisten verletzt worden. Insgesamt wurden nach diesen Angaben seit Beginn des Militäreinsatzes am Mittwoch 48 Palästinenser getötet und mehr als 500 Menschen verletzt.

Bedingungen für Feuerpause

Der israelische Rundfunk meldete, seit Mittwoch seien 800 Raketen auf Israel abgefeuert worden. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will die Angriffe im Gaza-Streifen beenden, wenn zugleich die Raketenattacken auf Israel eingestellt werden. Dies habe er in Telefongesprächen mit US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel gesagt, berichtete die Zeitung "Haaretz" am Samstag.

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Auch die Hamas nannte einem Bericht der israelischen Zeitung "Jediot Achronot" zufolge ihre Bedingungen für ein Ende der Raketenangriffe. Die seit 2007 bestehende Blockade der Enklave durch Israel und Ägypten müsse aufgehoben und die Tötungen von Mitgliedern militanter Palästinensergruppen durch Israel aufhören. Die Zeitung berief sich am Samstag auf die islamistennahe Webseite Palestine Al-Jaum. Die Forderungen habe der Hamas-Exilchef Chalid Maschaal dem Leiter des ägyptischen Geheimdienstes, Rafat Schehata, genannt.

Medienberichten zufolge soll ein israelischer Unterhändler nach Kairo gereist sein, um den Entwurf einer Vereinbarung über ein Ende der Gewalt zu prüfen. Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi beriet mit der Führung der radikalislamischen Hamas sowie den Verbündeten Katar und Türkei über Wege, die eskalierende Gewalt zwischen Israel und palästinensischen Extremisten zu beenden. Es gebe Diskussionen über Möglichkeiten, eine baldige Waffenruhe herbeizuführen, sagte Mursi bei einer Pressekonferenz am Samstag in Kairo. "Aber es gibt bis jetzt keine Garantien."

ler/dpa/Reuters

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insgesamt 159 Beiträge
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1. Ganz pragmatisch
aramcoy 18.11.2012
Also ich betrachte mich sicherlich nicht als Freund der israelischen Politik, aber wenn jemand immer wieder Raketen auf mein Gebiet abfeuert, würde ich ihm alles kurz und klein machen. Von daher habe ich durchaus Verständnis für die Reaktion Israels. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Palästinenser geschlossen Frieden mit Israel wollen. Und solange es bei den Palästinensern militante Gruppen gibt, die Raketen abfeuern, können die Palästinenser auch nicht erwarten dass die Israelis a) nicht mit Gewalt antworten und b) ihnen irgendwo entgegenkommen.
2.
Lekcad 18.11.2012
Zitat von aramcoyAlso ich betrachte mich sicherlich nicht als Freund der israelischen Politik, aber wenn jemand immer wieder Raketen auf mein Gebiet abfeuert, würde ich ihm alles kurz und klein machen. Von daher habe ich durchaus Verständnis für die Reaktion Israels. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Palästinenser geschlossen Frieden mit Israel wollen. Und solange es bei den Palästinensern militante Gruppen gibt, die Raketen abfeuern, können die Palästinenser auch nicht erwarten dass die Israelis a) nicht mit Gewalt antworten und b) ihnen irgendwo entgegenkommen.
Das doofe ist ja, ihr Text funktioniert mit ausgetauschten Vorzeichen auch (nicht): Also ich betrachte mich sicherlich nicht als Freund der palistinänsischen Politik, aber wenn jemand immer wieder Raketen auf mein Gebiet abfeuert, würde ich ihm alles kurz und klein machen. Von daher habe ich durchaus Verständnis für die Reaktion Palistinas. Ich habe nicht das Gefühl, dass die Israelis geschlossen Frieden mit Palistäna wollen. Und solange es bei den Israelis militante Gruppen gibt, die Raketen abfeuern, können die Israelisauch nicht erwarten dass die Palistinänser a) nicht mit Gewalt antworten und b) ihnen irgendwo entgegenkommen
3. Blockade
separatist 18.11.2012
Die Hamas will eine Aufhebung der Blockade. Die Tatsache, dass sie über Raketen aus iranischer Produktion verfügen, zeigt aber, dass die Blockade noch nicht scharf genug ist.
4. Ein Versuch
chriskoli 18.11.2012
Zitat von sysopDie israelische Armee hat in der Nacht wieder massiv den Gaza-Streifen bombardiert. Ziel war neben Raketenabschussrampen auch ein TV-Sender. Nach palästinensischen Angaben sind zwei Kinder unter den Toten. Dutzende Menschen wurden verletzt, darunter mehrere Journalisten. Nahost: Israel beschießt wieder Dutzende Ziele im Gaza-Streifen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nahost-israel-beschiesst-wieder-dutzende-ziele-im-gaza-streifen-a-867879.html)
Gibt es in dieser Auseinandersetzung, die sich nun schon seit Jahrzehnten zieht keine andere Möglichkeit, als die, das weiterhin unschuldige Menschen, auf beiden Seiten, verletzt, verstümmelt oder getötet werden? Gäbe es nicht, wie vor einigen Jahren in Irland eine Chance, dass beide Konfliktparteien darüber nachdenken, wie sie sich arrangieren könnten? Was wäre der kleinste gemeinsame Nenner mit den beide Seiten leben könnten? Kein Israeli, kein Palästinenser möchte ständig in Angst um sich und sein Familie leben.
5. Verständnis?
fritzlothar 18.11.2012
Man kann Verständnis dafür haben, sich gegen 800 Raketen innerhalb von ein paar Tagen zu wehren. Selbstverständlich. Nur: dieses Verständnis gilt für beide Seiten. Wieviel Geschosse sind denn auf Gaza niedergegangen? Das bringt doch alles Nichts, dieses Aufrechnen und dieses Gejammer. Mich ärgert riesigst die Einseitigkeit der Wahrnehmung und - der Darstellung. Jetzt bombardieren die Israelis die Mediententren im Gaza. Warum nur? Um Zeugen zu beseitigen oder wenigstens zu minimieren? Jede Menge Druck wird auf die Palästinenser ausgeübt, mit diesem Wahnsinn endlich aufzuhören. Richtig so. Da darf man nicht mit nachlassen. Jedoch muß der gleiche Druck auch auf die Israelis ausgeübt werden. Und was passiert statt dessen? Denen wird signalisiert, so weiterzumachen. Anders kann man die Haltung der US Regierung und der mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten EU gar nicht interpretieren. Hört endlich mit dieser verfluchten Heuchelei auf.
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Kampf gegen Hamas: Netanjahus gefährliche Strategie

Fläche: 22.072 km²

Bevölkerung: 7,837 Mio.

Regierungssitz: Jerusalem

Staatsoberhaupt: Schimon Peres

Regierungschef: Benjamin Netanjahu

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Israels gezielte Tötungen: Raketen, Gift und Schokolade
Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
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Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
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Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
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Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
AP
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
AP
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
DPA
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
REUTERS
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.