Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Luftangriffe auf Gazastreifen: Israel tötet Extremistenführer bei Vergeltungsschlag

DPA

Israels Flieger haben in der Nacht Ziele im Gazastreifen bombardiert, darunter das Haus eines radikalen Palästinenserführers. Am Morgen wurden erneut Raketen auf Tel Aviv abgefeuert - aber noch in der Luft zerstört.

Tel Aviv/Gaza - Der Konflikt zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas spitzt sich zu. In der Nacht flog das israelische Militär Bombenangriffe auf Ziele im Gazastreifen, darunter das Haus eines der Führer der Extremistengruppe Islamischer Dschihad. Hafes Hamad und fünf Menschen starben, berichteten Haaretz online und die palästinensische Nachrichtenagentur Maan.

Hamad, zwei seiner Brüder und seine Eltern starben bei dem Bombardement seines Hauses in der Stadt Beit Hanun, wie das Innenministerium von Gaza mitteilte. Eine bisher nicht identifizierte Frau war ebenfalls unter den sechs Todesopfern. Eine Sprecherin des israelischen Militärs sagte, sie könne sich zu dem Militärschlag nicht im Detail äußern.

Damit stieg die Zahl der von Israel bei der jüngsten Offensive Getöteten auf mindestens 25 - darunter sollen sieben Kinder sein. Nach palästinensischen Angaben wurden auch ranghohe Hamas-Aktivisten getötet, darunter der Marinekommandeur Raschid Jassin. Etwa 130 Menschen seien bei den Bombardements verletzt worden, berichteten palästinensische Sanitäter und Sicherheitsleute in der Nacht zum Mittwoch.

Insgesamt sind 160 Ziele beschossen worden, sagte eine Militärsprecherin in Tel Aviv. Seit Beginn der Militäroperation in der Nacht zuvor hätten Luftwaffe und Marine 435 Ziele angegriffen. Militante Palästinenser im Gazastreifen hätten in diesem Zeitraum 225 Raketen auf Israel abgefeuert. Davon habe die Raketenabwehr rund 40 abgefangen. Es gab bisher keine Berichte über Opfer in Israel.

Raketenalarm in Tel Aviv

Die radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und "Islamischer Dschihad" setzten ihren Raketenbeschuss auf Israel fort. Sie weiteten ihre Attacken sogar auf die israelischen Großstädte Tel Aviv und Jerusalem aus, wo auch die Warnsirenen heulten. Es habe Raketenalarm im Minutentakt gegeben, berichten Medien am Dienstagabend. Alle Luftschutzbunker seien in Jerusalem geöffnet worden. Extremisten hätten mehr als 150 Raketen auf Israel abgefeuert, berichtete die Zeitung "Times of Israel".

Auch am Mittwoch heulten in Tel Aviv und in Zentral-Israel die Warnsirenen, die Menschen eilten in die Schutzräume. Wie das Armeeradio berichtete, wurden alle Geschosse in der Luft von Abfangraketen zerstört. Ein Militärsprecher sagte, die islamistische Hamas verfüge noch über Dutzende Raketen, die auch weiter entfernte Ziele in Israel erreichen könnten. Nach Angaben der Armee wurden zwei Geschosse im Großraum Tel Aviv abgefangen.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kündigte als Reaktion auf den eskalierten Nahost-Konflikt für Mittwoch ein Krisentreffen seiner Regierung an, wie der israelische Rundfunk meldete. Ägyptens Präsident Abd al-Fattah al-Sisi habe Abbas am Telefon zugesichert, sein Land werde sich für einen Waffenstillstand zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas einsetzen, hieß es. Die Arabische Liga forderte den Uno-Sicherheitsrat in New York auf, eine Dringlichkeitssitzung wegen der Lage in Nahen Osten abzuhalten, schreiben die israelische Zeitung "Haaretz" und die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa.

EU mahnt zur Zurückhaltung

Auslöser der neuen beidseitigen Angriffe waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern am 12. Juni, in der vergangenen Woche wurde dann ein palästinensischer Jugendlicher getötet - mutmaßlich aus Rache. Israel ist seit der Entführung massiv gegen die Infrastruktur der Hamas im Westjordanland vorgegangen und hat Hunderte Mitglieder der Organisation festgenommen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Armee an, auch Vorbereitungen für eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen zu treffen. Er kündigte an, im Kampf gegen die Hamas sei es an der Zeit, "die Samthandschuhe auszuziehen". Die Armee wurde ermächtigt, bis zu 40.000 Reservisten zu mobilisieren. Israel will mit der "Operation Zuk Eitan" ("Fels in der Brandung") den ständigen Raketenbeschuss seiner Ortschaften aus dem Gazastreifen unterbinden.

Die EU reagierte extrem beunruhigt auf die eskalierende Gewalt in Nahost. "Wir verfolgen die sich rasch verschlechternde Lage im Süden Israels und im Gazastreifen mit schwerer Besorgnis", erklärte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten. "Die EU verurteilt das willkürliche Feuer auf Israel durch militante Gruppen im Gazastreifen scharf." Doch auch die wachsende Anzahl ziviler Opfer, insbesondere Kinder, durch israelisches Gegenfeuer verurteile die EU. Alle Seiten müssten "äußerste Zurückhaltung" walten lassen und alles für eine sofortige Waffenruhe tun.

heb/Reuters/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Krise in Israel: Raketenalarm und Luftangriffe

Fotostrecke
Israels Regierungschefs: Wechselspiel der Macht


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: