Nahost-Konferenz in Annapolis Bushs Gipfel der Halbherzigkeit

Erstmals seit langem versuchen sich die USA als Nahost-Friedensvermittler. Doch der Gipfel in Annapolis ist mies vorbereitet, und Präsident Bush setzt sich nicht mit voller Kraft ein. Außenministerin Rice wird kämpfen müssen, um Erfolge zu erzielen - zum Beispiel in der Syrien-Frage.

Von Ulrike Putz und , Beirut und Washington


Das "Israel Project" hatte in den noblen Nationalen Presse-Club geladen. Gereicht wurde Lachs auf Salatbouquet, die Teller klapperten leise, die Gastgeberin sprach sanft von Frieden und von Verständigung.

Dann kam David Wurmser.

Vier Jahre lang fungierte Wurmser als wichtigster Nahostberater des US-Vizepräsidenten Dick Cheney - und wenn es nach ihm ginge, müsste man der Region keine so große Bedeutung beimessen. "Es ist absurd, dass Außenministerin Condoleezza Rice selbst zum Ozonloch beiträgt, indem sie durch die ganze Welt jettet, um Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zu erreichen", erklärte Wurmser den erstaunten Zuhörern. Es gebe doch so viele andere, wichtigere Herausforderungen: Nordkorea, Iran, China, Energieversorgung, Moskau, Japan ...

Immer weiter ging die Aufzählung. "Für mich käme der Konflikt ganz unten auf meiner Prioritätenliste", sagte Wurmser. "Ihn so weit nach oben zu setzen, setzt ein ganz falsches Signal."

Der streitbare Beamte hat dieses Jahr die Regierung verlassen, jetzt leitet er eine Beratungsfirma. Wurmser sprach bei dem Termin in der vergangenen Woche als Privatmann. Doch der denkwürdige Auftritt des Cheney-Vertrauten so kurz vor der Annapolis-Konferenz spiegelt deutlich die Spannungen innerhalb der Regierung von George W. Bush.

Zwar sind die USA nun offiziell stolzer Gastgeber für hochrangige Vertreter von 49 Staaten und Organisationen, die bei dem Gipfeltreffen Wege zum Frieden zwischen Israelis und Palästinensern ausloten wollen. Darunter sogar Saudi-Arabien und Syrien - die beide bei der letzten großen US-Verhandlungsinitiative unter Bill Clinton in Camp David im Jahr 2000 nicht eingebunden waren. Alle treffen sich am Dienstag in den Gebäuden der schmucken Marineakademie Annapolis im Bundesstaat Maryland - in deren Räumen eine Fahne mit dem aufmunternden Motto hängt: "Don't give up the ship!" - "Gib das Schiff nicht auf!"

Doch noch bevor auf der Konferenz die erste Rede gehalten wurde, haben viele Beobachter schon die Hoffnung auf große Fortschritte aufgegeben. "Alle Teilnehmer treibt eher die Angst vor dem Versagen um als die Hoffnung auf einen Erfolg", sagt Tamara Cofman Wittes vom Brookings Institution zu SPIEGEL ONLINE. Die entscheidenden Protagonisten seien innenpolitisch sehr geschwächt - US-Präsident George W. Bush ebenso wie der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und der israelische Regierungschef Ehud Olmert.

Das Gipfeltreffen wurde katastrophal vorbereitet

Shmuel Rosner, US-Korrespondent der israelischen Zeitung "Haaretz", beeindruckt noch nicht mal die Anreise der arabischen Staaten: "Dieses ganze Treffen verrät uns doch viel mehr über den Gastgeber als über die Gäste."

Und der Gastgeber präsentiert sich launisch. Weite Teile von Bushs Regierungsmannschaft scheinen sehr wenig Lust zu haben, sich für einen Erfolg in Annapolis ins Zeug zu legen. Dafür spricht schon die katastrophale Vorbereitung. Erst Anfang vergangener Woche wurde die Großkonferenz offiziell bestätigt. Hektisch mussten die Delegationen danach Hotels umbuchen. Briefings für Reporter wurden mit wenigen Minuten Vorwarnung angesetzt - und kollidierten mit dem US-weiten Reisechaos zu Thanksgiving, einem der wichtigsten Feiertage des Landes.

Grund für diese offene Halbherzigkeit: Im Weißen Haus wird das Treffen auch als Eingeständnis von Schwäche gesehen - vor allem im einflussreichen Kreis um Dick Cheney und die Neokonservativen. Sie akzeptieren zähneknirschend, dass ein stärkeres US-Engagement für Frieden im Nahen Osten wohl der Preis ist, den man für mehr Hilfe gegen das immer stärkere Iran entrichten muss.



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