Nahost-Konflikt Hanija ruft Palästinenser zu neuem Aufstand auf

Hamas-Anführer Ismail Hanija hat zu einem neuen Palästinenseraufstand aufgerufen. Grund dafür ist Israels Entscheidung, zwei Kulturstätten im Westjordanland zum Nationalerbe zu erklären. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warnte vor einem "Religionskrieg".

Hamas-Anführer Hanija: "Mit einem Volksaufstand und praktischen Maßnahmen reagieren"
dpa

Hamas-Anführer Hanija: "Mit einem Volksaufstand und praktischen Maßnahmen reagieren"


Gaza - Israels Entscheidung, zwei Kulturstätten im Westjordanland zum israelischen Nationalerbe zu erklären, stößt bei den Palästinensern auf scharfen Widerstand. Ismail Hanija, Anführer der im Gazastreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas, rief deswegen am Dienstag zu einem neuen Palästinenseraufstand gegen Israel auf. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas von der rivalisierenden Fatah-Organisation warnte in Brüssel vor einem "Religionskrieg" und kritisierte Israels Entscheidung als Provokation.

"Die Menschen im Westjordanland müssen mit einem Volksaufstand und praktischen Maßnahmen reagieren", sagte Hanija während einer Protestveranstaltung in Gaza. Die israelische Regierung hatte am Sonntag beschlossen, die Patriarchengräber in Hebron und das Rachelsgrab bei Bethlehem auf eine Liste von insgesamt etwa 150 Stätten zu setzen, für deren Erhaltung man sich einsetzen wolle. Im Rachelsgrab soll die Lieblingsfrau Jakobs - einer der biblischen Erzväter - beerdigt sein, in den Patriarchengräbern der Urvater Abraham, den auch Muslime als Ibrahim verehren.

"Ich weiß, dass die Europäische Union die Art dieser israelischen Provokation versteht", sagte Abbas am Dienstagabend in Brüssel nach einem Gespräch mit dem Präsidenten des Europaparlaments, Jerzy Buzek. "Die EU weiß, dass solche Provokationen nicht positiv zum Friedensprozess beitragen können", fügte er hinzu. Abbas bekräftigte, die Palästinenser verlangten unverändert den Stopp aller israelischen Siedlungsaktivitäten als Voraussetzung für die Wiederaufnahme von Friedensverhandlungen. "Es ist von allergrößter Bedeutung, dass Israel alle Siedlungsbauten einfriert", sagte er. "Für Friedensverhandlungen muss es einen Stopp der Siedlungen geben."

Bei den Palästinensern, die das Westjordanland als Teil eines künftigen eigenen Staates beanspruchen, sorgte die Entscheidung Israels über die Kulturstätten für Empörung. In Hebron kam es deswegen bereits mehrfach zu Unruhen und gewaltsamen Protesten.

wit/dpa



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archelys, 24.02.2010
1. Volk <--->Nation
Zitat von sysopHamas-Anführer Ismail Hanija hat zu einem neuen Palästinenseraufstand aufgerufen. Grund dafür ist Israels Entscheidung, zwei Kulturstätten im Westjordanland zum Nationalerbe zu erklären. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas warnte vor einem "Religionskrieg". http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,679903,00.html
Das wäre eine sehr gute Gelegenheit für Juden, Christen und Muslime, etwas gemeinsam zu machen. Aber wehe, wenn es für profane Zwecke mißbraucht wird.
p.maxwell 24.02.2010
2. welche perspektive...
...haben die palästinenser? der " friedensprozess " läuft seit oslo auf vollen touren. ok, das einzige, das auf vollen touren läuft, ist die immer stärker fortschreitende jüdische besiedlung des westjordanlandes. die " bantustanisierung " der besetzten gebiete, die fortschreitenden enteignungen, der zugang zu wasser, militante siedler; welche perspektive haben die menschen in den seit nunmehr 43 jahren von israel besetzten gebieten? welche perspektive hat der staat israel? demokratie oder ethnische theokratie?
myrtil1 24.02.2010
3. Warum die ganze Aufregung?
Wenn die Pälestinenser Jerusalem als Hauptstadt ihres hoffentlich bald zu gründenden Staates reklamieren, mit der Begründung, Jerusalem sei für den Islam eine überaus bedeutende Stadt, dann winkt die Weltöffentlichkeit dies ohne mit der Wimper zu zucken durch. Pech für die Palästinser, dass Jerusalem im Koran keine einziges Mal explizit erwähnt wird....... Wenn Israel die Gräber von Stammmüttern und -vätern als Kulturerbe definiert, dann reagiert die Hamas gleich mit dem Aufruf zu einer neuen Gewaltwelle. Hier werden wohl Brillen mit unterschiedlicher Brennschärfe verwendet
Karl_M. 24.02.2010
4. Gesuchte Provokation
Die Hamas versucht wieder eine neue Provokation zu erschaffen. Israel erhebt die Gräber der jüdischen Stammväter und - mütter zu einem Kulturerbe. Die Welt ist empört, wenn Juden ihre Kulturstätten ehren, wenn aber Moslems ihre Kultstätten für andere Religionen ganz sperren (Mekka, Felsendom etc.) dann nimmt dies die Weltgemeinschaft ohne Kommentar hin und applaudiert im Stillen noch. Seltsame Welt
no reason for a name 24.02.2010
5. Üble Doppelmoral
Der Felsendom, der auf dem Tempelberg an der Stelle des Tempels von Salomon aufgebaut worden ist, ist für nicht-Moslems gesperrt. Nur mit Sondergenehmigungen kann man überhaupt auf den Tempelberg kommen. Mekka und viele andere Stätte des Islams, kann man als nicht-Moslem gar nicht besuchen. Israel will mit der Entscheidung die heiligen Stätte des Judentums aber auch des Christentums zu schützen und schon nutzt die Welt die Möglichkeit mal wieder gegen Israel zu hetzen. Absurd ist es schon.
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