Nahost-Konflikt: Israel kritisiert eigene Truppen

Israels Armee hat Fehler beim Vorgehen gegen Palästinenser-Proteste im Westjordanland eingestanden. In einem Untersuchungsbericht heißt es: Die Soldaten hätten "auf professionellere Weise" handeln können.

Israelischer Soldat (20. März im Dorf Irak Burin): "Auf professionellere Weise vorgehen" Zur Großansicht
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Israelischer Soldat (20. März im Dorf Irak Burin): "Auf professionellere Weise vorgehen"

Jerusalem - Die israelischen Streitkräfte haben Einsätze der eigenen Truppen im Westjordanland kritisiert, bei denen vier Palästinenser getötet wurden. Die Vorfälle am 20. und 21. März mit ihren "ernsten" Folgen seien "unnötig" gewesen, hieß es in einem ersten Untersuchungsbericht. Die Soldaten hätten "auf professionellere Weise vorgehen" können. Die Beteiligten müssen nun mit disziplinarischen Schritten rechnen.

Ein Eingreifen der Soldaten bei den Demonstrationen in dem Dorf Irak Burin am 20. März sei nicht erforderlich gewesen, hieß es am Dienstag in einer Antwort des Militärs auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters. Zudem hätte am darauffolgenden Tag zumindest eine weitere Schießerei in der Gegend vermieden werden können.

Bei beiden Vorfällen hätten sich den Soldaten Alternativen geboten, hieß es in den Untersuchungsergebnissen des Generalmajors Avi Misrahi weiter. Es ist ungewöhnlich, dass das israelische Militär seine Angehörigen öffentlich kritisiert. Die Vorfälle belasteten zeitgleich stattfindende Vermittlungsversuche der USA, die die festgefahrenen Friedensverhandlungen neu beleben sollten.

Amtszeit von Generalstabschef Gabi Aschkenasi wird nicht verlängert

Die israelische Regierung wird die Amtszeit von Generalstabschef Gabi Aschkenasi nicht über Februar 2011 hinaus verlängern. Verteidigungsminister Ehud Barak habe den General über diese Entscheidung informiert, die in Abstimmung mit Regierungschef Benjamin Netanjahu getroffen worden sei, teilte das Ministerium mit. Über einen geeigneten Nachfolger solle in den kommenden Monaten entschieden werden.

Die Amtszeit des israelischen Generalstabschefs läuft vier Jahre. Bei mehreren von Aschkenasis Vorgängern allerdings wurde sie um ein Jahr verlängert, womit die Regierung ihre Zufriedenheit mit deren Arbeit ausdrückte. In Aschkenasis Amtszeit fiel die Gaza-Offensive der israelischen Armee im Winter 2008/2009, bei der mehr als 1400 Palästinenser ums Leben kamen.

Lieberman gegen palästinensische Pläne

Unterdessen wandte sich der israelische Außenminister Avigdor Lieberman gegen palästinensische Pläne, im nächsten Jahr einseitig einen unabhängigen Staat auszurufen. Ein solcher Schritt könnte Israel veranlassen, Teile des Westjordanlands zu annektieren und bestehende Friedensverträge wie das Abkommen von Oslo zu annullieren, sagte Liebermann.

Der palästinensische Ministerpräsident Salam Fajjad hatte kürzlich erklärt, auch ohne einen Friedensvertrag mit Israel könnte schon im Sommer 2011 ein palästinensischer Staat ausgerufen werden.

wit/apn/Reuters/AFP

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1. Ein antisemitischer Bericht
vantast 07.04.2010
Eindeutig. Man weiß doch aus Erfahrung, daß beim Erobern neuer Gebiete größte Zurückhaltung, besonders gegen Zivilisten, geboten ist. Wenn es beim letzten Krieg bei den "Terroristen" nur etwa über 1200 Tote gab, bei etwa 20 Israelis, spricht diese Zurückhaltung doch für sich.
2. ...
juxeii 07.04.2010
Zitat von vantastEindeutig. Man weiß doch aus Erfahrung, daß beim Erobern neuer Gebiete größte Zurückhaltung, besonders gegen Zivilisten, geboten ist. Wenn es beim letzten Krieg bei den "Terroristen" nur etwa über 1200 Tote gab, bei etwa 20 Israelis, spricht diese Zurückhaltung doch für sich.
ihrem zynismus folgend, muss man aber dann noch das *wertigkeitsverhältnis* zwischen IDF-soldat und terrorist angeben. das dürfte je nach politischer jahreszeit so zwischen 1:300 und 1:2000 liegen. dieses verhältnis lässt sich immer schön an einem gefangenenaustausch abzählen.
3. Palästinenser werden deportiert
wales, 14.04.2010
Zitat von sysopIsraels Armee hat Fehler beim Vorgehen gegen Palästinenser-Proteste im Westjordanland eingestanden. In einem Untersuchungsbericht heißt es: Die Soldaten hätten "auf professionellere Weise" handeln können. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,687545,00.html
Von Fehlern der isr. Armee zu sprechen ist wohl, den Opfern gegenüber, gelinde gesagt, sehr zynisch. Diese sogn. Fehler sind geplant und gewollt. Ich frage mich wirklich was aus dem SPON nur geworden ist. Früher berichteten Sie sachlich und ohne wirklich Partei zu ergreifen. Heute sind Sie sehr nach rechts gerückt. Wenn Palästinenser versuchen die Mauer, die auf ihrem Land gebaut wurde zu zerstören, nennen Sie diese 'militant' und Soldaten die dieses verhindern durch Erschießung, nennen Sie nur 'Soldaten', dabei wissen Sie und ich sehr genau, dass Palästinenser sehr wohl das Recht haben, sich mit allen Mitteln gegen die Besatzer zu wehren. Ist auch international anerkannt. Berichten Sie lieber über diesen Vorgang ein wenig genauer http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,688987,00.html Kein sogn. demokratisches, menschenrechtsliebende, westliche Land verliert auch nur eine Silbe über diesen menschenverachtenden Plan, der in Kürze in die Tat umgesetzt wird. Wo bleibt der Aufschrei der Weltgemeinschaft? Ist es nicht an der Zeit Israel in seine Schranken zu weisen.
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