Bodenoffensive im Gaza-Streifen Israel beruft 16.000 neue Reservisten ein

Israel weitet seine Offensive aus: Für den Einsatz im Gaza-Streifen mobilisiert die Armee 16.000 zusätzliche Reservisten. Die israelische Regierung will am Donnerstag über das weitere Vorgehen beraten.

Israelische Panzer: Inzwischen 86.000 einberufene Reservisten
DPA

Israelische Panzer: Inzwischen 86.000 einberufene Reservisten


Gaza/Tel Aviv - Zwei Wochen nach Beginn der Bodenoffensive im Gaza-Streifen hat die israelische Armee 16.000 weitere Reservisten mobilisiert. Der israelische Rundfunk meldete am Donnerstag, sie sollten zur Entlastung der kämpfenden Truppen eingesetzt werden. Die Zahl der einberufenen Reservisten belaufe sich damit insgesamt auf 86.000.

Das israelische Sicherheitskabinett habe die Armee am Mittwoch angewiesen, den Militäreinsatz im Gaza-Streifen noch auszuweiten. Am Donnerstag wollte die israelische Regierung bei einer Sondersitzung über das weitere Vorgehen beraten.

Angesichts der steigenden Totenzahlen und der verheerenden Zerstörungen im Gaza-Streifen hatte Palästinenserpräsident Mahmud Abbas das Palästinensergebiet am Mittwoch zum "humanitären Katastrophengebiet" erklärt. Er forderte die Vereinten Nationen dazu auf, alles zu unternehmen, um den Menschen in der Küstenenklave am Mittelmeer zu helfen.

Tränenausbruch vor laufender Kamera

Der langjährige Sprecher des Uno-Palästinenserhilfswerks (UNRWA), Chris Gunness, brach angesichts der schlimmen Zustände bei einem Live-Interview mit dem arabischen Nachrichtensender Al Jazeera in Tränen aus. "Die Rechte der Palästinenser, sogar ihrer Kinder, werden völlig verwehrt, und es ist entsetzlich", sagte Gunness und begann verzweifelt zu schluchzen. Das Interview musste daraufhin abgebrochen werden.

Der israelische Angriff auf eine Schule der Uno-Hilfsorganisation UNRWA im Gaza-Streifen war am Mittwoch auch von Verbündeten scharf kritisiert worden. Zuletzt hatte etwa die US-Regierung immer deutlicher das Vorgehen der verbündeten Israelis im Gaza-Streifen kritisiert. Mehrfach wies das Weiße Haus daraufhin, dass mehr Bemühungen unternommen werden müssten, um die Zahl ziviler Opfer zu verringern.

Am Mittwochvormittag waren beim Beschuss der Schule im Flüchtlingslager Dschabalija, in der 3000 Menschen Schutz gesucht hatten, mindestens 15 ums Leben gekommen.

amz/dpa

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.