Nahost-Konflikt Obama überrascht mit deutlicher Kritik an Israel

Mit einer ungewöhnlich kritischen Rede hat sich US-Präsident Obama in Jerusalem ans israelische Volk gewandt. Es solle sich in die Lage der Palästinenser versetzen und Frieden schließen. Dafür erntete er begeisterten Beifall vom studentischen Auditorium und empörte Kommentare von Politikern.

Aus Jerusalem berichtet Ulrike Putz


Es war eine Rede, die es in sich hatte: Barack Obamas Ansprache vor Hunderten jungen Israelis war ein überraschender Höhepunkt seiner Nahost-Reise, mit der eigentlich äußerst niedrige Erwartungen verbunden waren. In selten deutlichen Worten beschrieb der US-Präsident dabei die Ungerechtigkeiten, denen Palästinenser ausgesetzt seien und beschwor die jungen Israelis, sich in die Lage der Nachbarn hineinzuversetzen. Frieden zu schließen sei nicht nur eine Sache der Fairness, sondern eine Notwendigkeit. Ein jüdisches und demokratisches Israel sei angesichts der demografischen Entwicklung nur möglich, wenn es ein lebensfähiges unabhängiges Palästina an seiner Seite gebe, so Obama.

Der Auftritt des Präsidenten war wohlorchestriert. Schon vor Wochen hatte die amerikanische Botschaft in Tel Aviv mit der Auswahl der Studenten begonnen, die am Donnerstagnachmittag das Audimax des Kongresszentrums in Jerusalem füllten. Kandidaten mussten sich per Facebook bewerben - ausgesucht wurden anscheinend vornehmlich Unterstützer von Obamas Politik. Anders wäre es kaum zu erklären, dass dieser auch nach sehr harschen und israelkritischen Sätzen stehende Ovationen erntete. Nur einmal kam es zu einem kurzen Zwischenruf. Ob der Störer, der in der Folge in Gewahrsam genommen wurde, einen Staat Palästina oder aber die Freilassung eines in den USA inhaftierten israelischen Spions forderte, war am Abend nicht klar.

Begonnen hatte Obama seine Rede mit der bereits mehrfach geäußerten Zusicherung amerikanischer Unterstützung. Erst als die Themen Syrien, Iran und Israels allgemeine Sicherheitslage abgehandelt waren, holte er aus: Obama beschwor das israelische Volk, Frieden notfalls auch gegen die eigene Politikerkaste durchzusetzen. "Politiker werden niemals Risiken eingehen, wenn die Wähler sie nicht dazu drängen", sagte Obama. Der Weg zum Frieden berge viele Risiken, doch auf die Dauer seien keine Mauer und kein Raketenabwehrsystem perfekt genug, um alle Feinde fernzuhalten.

Kritischer als in den vergangenen Tagen äußerte er sich auch zur israelischen Siedlungspolitik. "Israelis müssen anerkennen, dass die fortgesetzten Siedlungsaktivitäten nicht der Sicherheit dienen. Es ist nicht fair, wenn Siedlergewalt gegen Palästinenser ungestraft bleibt", sagte der US-Präsident. "Es ist nicht gerecht, palästinensische Familien aus ihren Häusern zu vertreiben. Besatzung und Vertreibung sind keine Lösung."

Obama fordert Israelis zu neuem Denken auf

Obamas Wortwahl steckte voller Symbolik, viele Begriffe waren so gewählt, dass sie die üblichen Denkmuster eines israelischen Publikums gegen den Strich bürsten mussten. Die israelischen Einheiten, die das Westjordanland besetzt halten, nannte er eine "ausländische Armee", die das Leben der Palästinenser kontrolliere. Viele Israelis glauben mit Verweis auf die Bibel, dass das Westjordanland zum Staat Israel gehört und dass ihre Soldaten dort auf eigenem Territorium operieren.

Erste Reaktionen seitens der Jerusalemer Regierung auf Obamas Rundumschlag reichten von schmallippig bis empört. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ mitteilen, dass er Obama dafür danke, erneut die bedingungslose Unterstützung Israels durch die USA erwähnt zu haben. "Im übrigen stimmt der Ministerpräsident Obama darin zu, dass wir ein wundervolles Land haben", so der knappe Text einer Pressemitteilung.

Naftali Bennett von der Siedlerpartei "Jüdisches Haus" tat Obamas Kritik an der andauernden Besatzung palästinensischer Gebiete als nichtig ab: "Keine Nation ist Besatzer seines eigenen Landes", sagte Bennett. Er hatte im Wahlkampf damit geworben, große Teile des Westjordanlands annektieren zu wollen. Er gehört zu denen, die ihren Anspruch auf das palästinensische Land mit einem göttlichen Versprechen begründen.

Miri Regev, die für Netanjahus Likud-Partei in der Knesset sitzt, sagte am Abend, Obama habe mit seiner Rede sein wahres, israelfeindliches Gesicht gezeigt. Obamas Rede könne so interpretiert werden, dass er das Volk aufgerufen habe, gegen Netanjahu als Regierungschef zu rebellieren, empörte sie sich gegenüber der Webseite Walla.co.il.

Reaktionen seitens palästinensischer Politiker ließen am Abend noch auf sich warten. Auch sie könnten zumindest in Teilen kritisch ausfallen. Denn auch die Palästinenser bedachte Obama in der Heiligen Stadt mit Kritik. Sie müssten akzeptieren, dass Israel ein jüdischer Staat sei. Das bedeutet auch, dass sie die bittere Wahrheit akzeptieren müssen, nie wieder in die Heimat ihrer Vorväter im heutigen Israel zurückkehren zu können.

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Seite 1
abraxas63 21.03.2013
1.
Zitat von sysopDPAMit einer ungewöhnlich kritischen Rede hat sich US-Präsident Obama in Jerusalem ans israelische Volk gewandt. Es solle sich in die Lage der Palästinenser versetzen und Frieden schließen. Dafür erntete er begeisterten Beifall vom studentischen Auditorium und empörte Kommentare von Politikern. Nahost-Konflikt: Obama erhöht den Druck auf Israel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nahost-konflikt-obama-erhoeht-den-druck-auf-israel-a-890287.html)
Uuups! Ehrliche Worte von einem Politiker? Keine Sorge, sie werden ungehört verhallen. Leider sind die Spielregeln in der Region andere, als sie Obama vernünftigerweise vorschweben.
Onkel_Karl 21.03.2013
2.
Zitat von sysopDPAMit einer ungewöhnlich kritischen Rede hat sich US-Präsident Obama in Jerusalem ans israelische Volk gewandt. Es solle sich in die Lage der Palästinenser versetzen und Frieden schließen. Dafür erntete er begeisterten Beifall vom studentischen Auditorium und empörte Kommentare von Politikern. Nahost-Konflikt: Obama erhöht den Druck auf Israel - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/nahost-konflikt-obama-erhoeht-den-druck-auf-israel-a-890287.html)
Das ist doch eine Farce...was hat denn Obama so grossartig kritisiert ausser das was schon die ganze Welt längst weiss,Israel verletzt souveräne Länder und bombardiert irgendwelche Ziele(in syrien vor kurzem),Israel schickt Kommandos in die Golan-Höhen und muss danach ihre Verletzte an der Grenze einsammeln,so wie es vor etwa 3 Monaten der Fall war,als angeblich verletze Syrier an die Grenze zu Israel kamen und von da in ein Krankenhaus eingeliefert wurden..ich meine wir reden hier von Israel-Grenze und nicht von Holland Grenze zu Deutschland,da wird erst geschossen dann noch mal geschossen und erst dann fragt man wer das ist. Israel verletzt alle internationale Gesetze und baut weiterhin Siedlungen in Palästina und gleichzeitig reden sie von Frieden...von welchem Frieden oder einen guten Willen kann man sprechen,wenn auf fremden Gebiet Siedlungen gebaut werden. Obama ist in meinen Augen der grösste Blender der Presidenten in USA,bei Bush wussten wir wenigstens was er vor hat und haben alles abgenickt aber ein Obama der Freidensnobelpreis-Träger ist viel hinterlistiger,er hat den Drohnen-Krieg überall auf der Welt gestartet und tötet jeden Tag Menschen in Pakistan,Afganistan,Libyen und das ohne Gericht und Anklage,dabei sterben jedes mal unschuldige Zivilisten bei diesen Angriffen und was sagt Obama..ich lese jeden Abend den Lebenslauf von einem mutmasslichen Terroristen und entscheide dann ob er getötet werden darf...ist das nicht toll einen Gott zu spielen und über Schicksale anderer zu entscheiden. Es ist einfach abartig wie wir alle unsere Werte über Bord geworfen haben,wir waren stolz darauf dass wir bis zuletzt verhandelt haben und gegen jede Form vom Krieg waren..heute ist alles auf den Kopf gestellt,ein Krieg heisst heute Befreiung,ein Terrorist von gestern ist heute ein Freiheitskämpfer und unser Freund(so wie Militär-Kommendant in Libyen/Tripolis),dank der Unterlagen aus Tripolis kennen wir das system mit geheimen Gefängnissen die USA überall auf der Welt betrieben haben oder bis heute betreiben(Gouantanoma bay),ein souveräner Staat bedeutet heute nichts mehr und alle Grenzen werden neu gezogen...Ja Obama hat den Irak Krieg "beendet" und will Truppen aus Afganistan abziehen aber was macht er danach..das hat er auch schon verraten,Pazifik ist das nächste Ziel der US Aussenpolitik und geheime Kriege in Nord Afrika und nahen Osten,dabei ist ein Konflikt mit China in Pazifik Raum unausweichlich. Überall auf der Welt herrscht Leid und Chaos wenn USA jemanden demokratisieren wollen und kein einziges land ist heute befriedet oder den Menschen es besser geht aber uns ist es egal und wir folgen blind dem Diktat aus Washington.
WhereIsMyMoney 21.03.2013
3.
Worte, sonst nichts. Obama ist immer gut wenn es ums Reden geht, seine Handlungen sind mehr als dürftig. Es ist wenige Monate her als seine Beuaftragte, Rice, bei der UNO mit einer idiotischen Rede beeindruckte, nachdem die Welt Palästina anerkannt hatte.
ruthteibold-wagner 21.03.2013
4. Das ist Obama, wie er leibt und lebt.
Er kann verdammt gut reden. Aber ob Reden reicht, den Friedensnobelpreis zu rechtfertigen, wenn der Redner über Machtmittel verfügt? Müsste dem Reden nicht passendes Handeln entsprechen?
mickt 21.03.2013
5. Richtig gut!
Danke für den Mut und die Klarheit!
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