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Nahost-Konflikt: Syrien und Israel führen indirekte Friedensgespräche

Die Bestätigung kam aus Jerusalem und Damaskus: Israel und Syrien führen indirekte Friedensgespräche unter türkischer Vermittlung. Israels Regierungschef Olmert strebt ein "umfassendes Friedensabkommen" an.

Ankara/Jerusalem - Nun ist es offiziell: Der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat erstmals indirekte Friedensgespräche mit Syrien unter türkischer Vermittlung bestätigt - kurz darauf äußerte sich auch Damaskus ähnlich. Beide Seiten hätten ihren Willen zu Gesprächen in gutem Glauben bekundet, hieß es am Mittwoch in einer von Olmerts Büro veröffentlichten Erklärung. Die Verhandlungen fänden unvoreingenommen und in offener Atmosphäre statt.

Israelische Soldaten auf den Golan-Höhen
AP

Israelische Soldaten auf den Golan-Höhen

Ein Sprecher des syrischen Außenministers sagte der staatlichen syrischen Nachrichtenagentur SANA am Mittwoch: "Beide Seiten haben ihre Absicht erklärt, in bester Absicht zu verhandeln und einen ernsthaften dauerhaften Dialog zu führen, um einen vollständigen Frieden auf der Basis der Konferenz von Madrid zu erreichen."

Im Gegensatz zu direkten Gesprächen reden die Verhandlungspartner bei indirekten Gesprächen nicht unmittelbar miteinander. Im aktuellen Fall reden beide Seiten jeweils mit der Türkei. Ziel sei "ein umfassendes Friedensabkommen" auf der Grundlage der Madrider Friedenskonferenz von 1991, hieß es aus Olmerts Büro.

Berichte über israelisch-syrische Kontakte unter türkischer Vermittlung gibt es seit mehreren Monaten. Zuletzt hatten Israels Verteidigungsminister Ehud Barak sowie Syriens Präsident Baschar al-Assad von geheimen Treffen berichtet. Ein Vertreter der israelischen Regierung sagte nun, die Gespräche seien bereits Ende des vorigen Jahres beim Türkei-Besuch Olmerts eröffnet worden und trügen nun Früchte. Israel steht derzeit auch in Friedensverhandlungen mit den Palästinensern, die bislang aber kaum vorangekommen sind.

Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan hatte Ende April erklärt, von beiden Ländern um Vermittlung gebeten worden zu sein. Die Türkei pflegt sowohl zu Syrien als auch zu Israel und den USA gute Beziehungen.

Syrien fordert von Israel eine Rückgabe der Golanhöhen, die Israel im Sechstagekrieg 1967 erobert und besetzt hat. Die Gespräche scheiterten jedoch, da Syrien der von Israel angebotene Rückzug nicht weit genug ging. Israel hatte als Voraussetzung für Friedensgespräche bislang verlangt, dass Syrien seine Unterstützung für die radikal-islamische Palästinenserorganisation Hamas und die pro-iranischen Hisbollah-Milizen im Libanon aufgibt. Israel betrachtet, anders als Syrien, beide als Terrororganisationen. Darüber hinaus hat Israel gefordert, dass Syrien seine strategischen Beziehungen zum Iran beendet. Zuletzt verhandelten die Nachbarstaaten 2000.

Nach Informationen der "Jerusalem Post" wollen türkische Diplomaten jetzt klären, wer sich vor Aufnahme von direkten Verhandlungen zu welchen Dingen verpflichtet.

flo/dpa/AP/Reuters

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