Nahost-Krieg Schwerste Verluste vor der Waffenruhe

Im Nahen Osten sollen in weniger als 24 Stunden die Waffen schweigen. Alle Konfliktparteien haben nach Uno-Angaben für Montagfrüh eine Waffenruhe vereinbart, aber noch ist Krieg zwischen Israel und der Hisbollah: Gestern starben 24 israelische Soldaten - die schwersten Verluste seit Einsatzbeginn.


New York/Beirut – Es sind nur noch wenige Stunden bis zur ersehnten Waffenruhe im Nahen Osten. Erleichtert teilte Uno-Generalsekretär Kofi Annan in der vergangenen Nacht mit, dass ab Montag, 7 Uhr MESZ, im Konflikt zwischen Israel und der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz die Waffen schweigen sollen.

Auf dem Weg zum Einsatz: Israelische Soldaten steigen in einen Militärhubschrauber
AFP

Auf dem Weg zum Einsatz: Israelische Soldaten steigen in einen Militärhubschrauber

Annan gab den diplomatischen Durchbruch nach Beratungen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert und Libanons Regierungschef Fuad Siniora bekannt. Beide hätten ihm zugesichert, dass die Feindseligkeiten eingestellt würden. Darüber sei er "sehr glücklich", sagte der Generalsekretär. Zugleich bat Annan die Konfliktparteien, ihre Kämpfe schon vor dem vereinbarten Termin einzustellen, um Zivilisten zu schonen: "In Respekt vor dem Geist und dem Ziel der Resolution des Sicherheitsrats sollten die Kämpfe nun aufhören."

Die Truppe der Vereinten Nationen würde mit beiden Seiten zusammenarbeiten, um die Einhaltung der Resolution zu überwachen, versicherte Annan. Die vorgesehene Truppe ist Teil der Resolution, auf die sich die 15 Mitglieder des Sicherheitsrats am Freitag nach tagelangem Ringen geeinigt hatten.

Das libanesische Kabinett, dem auch zwei Hisbollah-Minister angehören, hatte die Resolution gestern einstimmig gebilligt. Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah erklärte, die Hisbollah werde der Zustimmung der libanesischen Regierung zu der Resolution nicht im Wege stehen, auch wenn der Text "ungerecht" sei. Solange sich israelische Truppen im Südlibanon befänden, sei aber "der Krieg noch nicht beendet".

Das israelische Kabinett will heute über die Resolution befinden. "Wir haben vor, die Resolution zu billigen und morgen in den Waffenstillstand einzutreten", sagte Handelsminister Isaac Herzog heute. Ministerpräsident Olmert ging bei der Eröffnung der Kabinettssitzung zunächst nicht auf die Resolution ein. Er sagte den Ministern, dass er mit den Familien der beiden Soldaten zusammengekommen sei, die am 12. Juli von der Hisbollah entführt wurden. Er werde alles tun, um ihre Freilassung zu erreichen.

Unterdessen gingen die Kämpfe im Südlibanon in der vergangenen Nacht weiter. Israelische Soldaten stießen nach Armeeangaben in Richtung des Flusses Litani vor, der die Grenze der von Israel gewünschten Sicherheitszone bilden soll.

Die israelische Luftwaffe flog Angriffe auf Ziele im Süden, Osten und Norden des Landes. Israels Vorgehen wurde als Versuch gewertet, vor der Waffenruhe im Südlibanon vollendete Tatsachen zu schaffen und die Hisbollah möglichst weit zurückzudrängen. "Unsere Ziele werden hoffentlich bis Montag erreicht sein", sagte der befehlhabende General Udi Adam gestern. "Wir werden einen Teil des geplanten Gebietes übernehmen, vielleicht sogar das gesamte."

Bei den Kämpfen erlitt die israelische Armee die schwersten Verluste seit Beginn des Einsatzes vor einem Monat. Gestern seien 24 israelische Soldaten getötet und 85 weitere verletzt worden, teilte ein Armeesprecher heute mit. Fünf der Soldaten seien beim Abschuss ihres Hubschraubers gestorben. Zu dem Raketenangriff auf den Hubschrauber hatte sich die Hisbollah bekannt. Mit den neuen Opfern stieg die Zahl der getöteten Soldaten seit Beginn des Einsatzes am 12. Juli auf 110.

Bei einem israelischen Luftangriff auf das südlibanesische Dorf Burdsch Schimali starben nach örtlichen Polizeiangaben eine Mutter mit ihren drei Kindern sowie eine Hausangestellte. Das vierstöckige Haus sei bei dem Angriff in der vergangenen Nacht komplett zerstört worden, teilte die libanesische Polizei mit. Anwohner hätten vergeblich versucht, die fünf Verschütteten aus den Trümmern zu befreien.

hen/AFP/Reuters/AP/dpa



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