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Nahost-Krise: Uno stoppt Gaza-Hilfe nach Angriffen durch Israel

Sie wollen ihre Mitarbeiter nicht weiter gefährden: Die Vereinten Nationen haben ihre Hilfsarbeit im Gaza-Streifen vorübergehend gestoppt. Einrichtungen der Uno seien "immer mehr Angriffen ausgesetzt", sagte ein Sprecher.

Gaza - Hilfslieferungen in den umkämpften Gaza-Streifen durch die Vereinten Nationen wird es vorerst nicht mehr geben: "Die UNRWA hat entschieden, alle ihre Operationen im Gaza-Streifen zu stoppen, weil ihre Einrichtungen und Mitarbeiter immer mehr Angriffen ausgesetzt sind", sagte ein Sprecher der United Nations Relief and Works Agency am Donnerstag in Gaza.

Die Arbeit des Uno-Hilfswerks bleibe so lange ausgesetzt, bis die israelischen Behörden die Sicherheit des Hilfspersonals gewährleisten könnten, sagte UNRWA-Sprecher Chris Gunness. Die Uno-Organisation versorgt etwa 750.000 Menschen im Palästinensergebiet mit Nahrungsmitteln.

Zuvor hatte die Uno erklärt, die israelischen Streitkräfte hätten einen Lastwagen mit einer Hilfslieferung für den Gaza-Streifen beschossen. Dabei sei der Fahrer getötet worden.

Der Zwischenfall habe sich während der dreistündigen Waffenruhe ereignet, die Israel zur Versorgung der Bewohner des Gebiets mit Nahrung und Wasser eingeräumt hat, erklärte Uno-Sprecher Adnan Abu Hasna. Die Uno hätte die Hilfslieferung mit Israel koordiniert, und das Fahrzeug sei mit einer Uno-Flagge und -Abzeichen gekennzeichnet gewesen. Die israelischen Streitkräfte erklärten, der Vorfall im nördlichen Gaza-Streifen werde untersucht.

Am Dienstag kamen bei einem israelischen Angriff auf eine Schule der Vereinten Nationen im Gaza-Streifen nach palästinensischen Angaben 39 Menschen ums Leben, Uno-Vertreter sprachen von 40 Todesopfern. Die israelischen Streitkräfte begründeten den Angriff damit, dass palästinensische Kämpfer in der Nähe der Schule Mörsergranaten abgefeuert hätten.

Nahost-Konflikt
Die Gebiete
Im Grunde dreht sich der Konflikt um das Existenzrecht Israels und die Forderung nach einem eigenen Palästinenserstaat . Es gibt inzwischen palästinensische Autonomiegebiete - den Gaza-Streifen und das Westjordanland . Die Grüne Linie trennt die Gebiete von Israel. Um die israelischen Siedlungen in den umstrittenen Gebieten gibt es immer wieder Streit.
Die Gegner
Dem Staat Israel stehen einzelne Gruppierungen und Institutionen gegenüber: im Gaza-Streifen und Westjordanland die Palästinensische Autonomiebehörde | Hamas | Kassam-Brigaden | Volkswiderstandskomitee (PRC) | PLO | Fatah | Al-Aksa-Brigaden | Islamischer Dschihad | im Libanon die Hisbollah
Geschichte
Bisher war es der israelischen Armee weitgehend gelungen, das Leid in Gaza unter Verschluss zu halten. Die Armee riegelt das Kampfgebiet rigide ab, der internationalen Presse wird der Zugang rundweg verwehrt. Seit Tagen zögert die Armee es immer wieder hinaus, Helfer, Beobachter und Reporter in die Kampfzone zu lassen. Doch dieser Versuch der israelischen Regierung, die Offensive als Kampf gegen die islamistische Hamas zu legitimieren, wird nun allmählich unterlaufen. So erhebt an diesem Donnerstag auch das Rote Kreuz schwere Vorwürfe gegen Israel und berichtet von schockierenden Szenen bei einem kurzen Besuch während der dreistündigen Waffenruhe am Mittwoch in Gaza.

Dringend müsse man Helfern breiten Zugang zu Verwundeten in der Stadt Gaza ermöglichen, fordern Vertreter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und kritisieren heftig die israelische Regierung. Zuerst hatte den Angaben zufolge ein Rettungsteam des IKRK und des Palästinensischen Roten Halbmondes (PRCS) tagelang vergeblich versucht, in das von der israelischen Armee beschossene Viertel Saitun zu gelangen. Erst am Mittwoch, während der kurzen Waffenruhe, ließen Soldaten die Retter mit vier Ambulanzen passieren. Das Militär erklärte die Verzögerung damit, dass die eigenen Soldaten wichtiger seien als die Koordination der Fahrten von Ambulanzen.

In Kairo trafen am Donnerstag die israelischen Regierungsberater Schalom Turgeman und General Amos Gilad ein, um mit der ägyptischen Führung über einen Plan für eine dauerhafte Waffenruhe im Gaza-Streifen zu sprechen.

Der ägyptische Präsident Husni Mubarak hatte am Dienstag zusammen mit dem französischen Staatschef Nicolas Sarkozy einen Plan vorgelegt, der eine humanitäre Feuerpause, eine Aussöhnung zwischen den rivalisierenden Palästinenserfraktionen und eine dauerhafte Waffenruhe vorsieht. Gleichzeitig sollen internationale Beobachter sicherstellen, dass der Waffenschmuggel aus Ägypten in den von der Hamas kontrollierten Gaza-Streifen aufhört.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in Paris, der Schlüssel für eine Waffenruhe seien "Garantien für Israels Sicherheit". Sie ließ offen, ob sich Deutschland mit Soldaten an einer internationalen Beobachtermission beteiligen würde.

Israel hatte sich positiv zu dem ägyptischen Plan geäußert. Der Nachrichtensender al-Arabija meldete allerdings am Donnerstag, Vertreter der Hamas und anderer radikaler Palästinensergruppen, die ihre Büros in Syrien haben, hielten den Vorschlag für "ungeeignet".

Seit dem 27. Dezember sind nach Angaben der palästinenischen Gesundheitsbehörde im Gaza-Streifen 763 Menschen getötet und mehr als 3100 verletzt worden.

hen/AP/dpa

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