Nahost Luftangriffe verweigert - Israel feuert General

Die israelische Luftwaffe hat den Brigadegeneral Jifta Spektor entlassen. Auch er hatte einen Brief unterschrieben, in dem 27 Kampfpiloten es ablehnten, dicht besiedelte Palästinensergebiete unter Feuer zu nehmen.


Tel Aviv - Spektor ist der ranghöchste Unterzeichner des Verweigererbriefes. Er sei als Fluglehrer der Luftwaffe entlassen worden, meldete die israelische Zeitung "Haaretz". 27 Kampfpiloten hatten Mitte September in einem Brief an Luftwaffen-Kommandeur Dan Haluz erklärt, sie würden sich nicht mehr an Angriffen auf dicht besiedelte Palästinensergebiete beteiligen. Befehle zu gezielten Tötungen von palästinensischen Terroristen seien "illegal und unmoralisch", hatten die israelischen Kampfpiloten Mitte September in einem Brief an Luftwaffenkommandeur Dan Haluz erklärt.

Reservegeneral Spektor hatte sich vor seiner Entlassung mit Haluz zu einem Gespräch getroffen und sich dabei geweigert, seine Unterschrift zurückzuziehen. In der vergangenen Woche waren bereits zwei Hubschrauberpiloten entlassen worden, die es ebenfalls abgelehnt hatten, ihre Erklärung zurückzunehmen.

Angesichts zahlreicher Warnungen vor neuen palästinensischen Anschlägen hat Israel unterdessen die kurzfristige Einberufung von drei Reserve-Bataillonen angeordnet. Mehrere Bataillone, die ihren Dienst in den Palästinensergebieten beendet hatten, wurden aus dem Urlaub zurückgeholt. Nach dem Selbstmordanschlag vom Samstag in Haifa, bei dem eine 29-jährige Palästinenserin 19 Israelis mit sich in den Tod gerissen hatte, gab es verstärkt Terrorwarnungen. Die genaue Zahl der eingerufenen Reservisten wollte ein Armeesprecher am Mittwoch auf Anfrage nicht nennen.

Verteidigungsminister Schaul Mofas sagte, es handele sich um eine "begrenzte Aktion". Die Soldaten sollten noch vor dem an diesem Freitag beginnenden Laubhüttenfest zum Einsatz kommen. Israel habe inzwischen "Beweise", wonach militante Palästinensergruppen in der syrischen Hauptstadt Damaskus direkt an der Planung des Anschlags von Haifa beteiligt gewesen seien. Die israelische Luftwaffe hatte am Sonntagmorgen ein mutmaßliches palästinensisches Trainingslager westlich von Damaskus bombardiert. Syrien hatte daraufhin den Weltsicherheitsrat angerufen.

Der palästinensische Außenminister Nabil Schaath wies einen Bericht der Londoner Tageszeitung "The Guardian" zurück, wonach Palästinenserführer Jassir Arafat, 74, vor wenigen Tagen einen leichten Herzanfall erlitten haben soll. Schaath sagte, Arafat habe eine Mageninfektion gehabt, und sei dadurch sehr geschwächt worden. Arafat hatte bei seinen Auftritten vor Journalisten und Fernsehkameras in den vergangenen Tagen einen sehr geschwächten Eindruck gemacht. Gegen den Willen Arafats wird an diesem Donnerstag das Palästinenserparlament in Ramallah zusammenkommen, um über die "Notstandsregierung" Ahmed Kureias abzustimmen.

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