Nahost Luftwaffe bombardiert Kraftwerk - Gaza ohne Strom

Nach der Entführung eines israelischen Soldaten ist die Lage im Nahen Osten extrem angespannt: Israel hat seine Truppen im Grenzgebiet zusammengezogen, eine militärische Großoffensive droht. Die Streitkräfte haben mit Luftangriffen begonnen.


Gaza/Tel Aviv - Ziel der ersten Angriffe seien drei Brücken gewesen, teilten palästinensische Sicherheitskräfte mit. Israels Armee bestätigte den Brücken-Angriff. Ziel der israelischen Angriffe sei es, einen Transport des am Sonntag verschleppten israelischen Soldaten innerhalb des Gazastreifens zu verhindern.

Am frühen Morgen meldeten die Nachrichtenagenturen: Israelische Flugzeuge haben das wichtigste Elektrizitätswerk im Gazastreifen angegriffen. Damit sei die Stromversorgung in weiten Teilen des Autonomiegebiets lahmgelegt. Auf die Anlage südlich von Gaza-Stadt wurden nach Angaben palästinensischer Sicherheitskräfte fünf Raketen abgefeuert.

Extremisten hatten am Wochenende an einem israelischen Militärposten zwei Soldaten getötet und einen dritten entführt, den 19-jährigen Gilad Schalit. Als Folge der Geiselnahme ließ Israel seine Truppen entlang der Grenze aufmarschieren, brachte seine Panzer in Stellung und drohte mit einer Großoffensive im Gazastreifen.

Nach den Luftangriffen am Dienstagabend sprachen die israelischen Streitkräfte zunächst von einem auf den Süden des Gazastreifens begrenzten Einsatz. Dieser richte sich gegen die "terroristische Infrastruktur". Auf der Gegenseite bezogen bewaffnete palästinensische Extremisten nahe des Grenzzauns in Gaza Stellung. Sie riefen die Bewohner auf, das Gebiet zu verlassen, über dem israelische Kampfhubschrauber kreisten.

Die Vermittlungsversuche ausländischer Vermittler über die Freilassung des entführten Soldaten sind einem Fernsehsender zufolge unterdessen gescheitert. Es gebe praktisch keine Chance auf eine Verhandlungslösung in der Geisel-Krise, berichtete das israelische Fernsehen unter Berufung auf eine Person im Umfeld der Vermittler am Dienstagabend. Ein Vermittler, der anonym bleiben wollte, widersprach diesen Angaben in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters allerdings. In die Geisel-Krise hatten sich ägyptische und französische Vermittler eingeschaltet.

EU "tief besorgt" über Lage in Nahost

Die Europäische Union zeigte sich über die jüngste Entwicklung im Nahen Osten "tief besorgt" und forderte die radikalen Palästinenser auf, den entführten Soldaten "sofort und bedingungslos" wieder freizulassen. Dies geht aus einer Erklärung hervor, die die österreichische EU-Präsidentschaft am Dienstagabend in Wien veröffentlichte. Nach direkten Kontakten der EU-Präsidentschaft und des EU-Chefdiplomaten Javier Solana mit "beiden Seiten" fordere man "alle (Konflikt-)Parteien auf, in dieser kritischen Situation Zurückhaltung zu üben und jede weitere Eskalation zu vermeiden".

Uno-Generalsekretär Kofi Annan appellierte an die Palästinenser, den entführten israelischen Soldaten freizulassen und damit zur Entspannung beizutragen. Seine Aufforderung habe er telefonisch an Palästinenserpräsident Mahmud Abbas gerichtet, sagte Annan vor Journalisten in New York. Am Mittwoch wollte Annan eigenen Angaben zufolge mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert am Telefon sprechen. Er halte zu allen Kontakt, die Einfluss auf die Lage in Nahost hätten und eine weitere Eskalation des Konflikts verhindern könnten, darunter auch mit Syriens Präsident Baschar al-Assad.

fok/dpa/AFP/AP/Reuters



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