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Nahost: Scharon verbietet Arafats Begräbnis in Jerusalem

Dass Jassir Arafat bereits gestorben ist, wird von offizieller Seite zwar heftig dementiert, doch Hoffnung auf ein Überleben des Palästinenserpräsidenten scheint kaum noch jemand zu haben. Israelische und palästinensische Unterhändler verhandeln bereits über den Ort seines Begräbnisses.

Palästinensischer Junge mit einem Arafat-Plakat in Gaza-Stadt: Noch immer herrscht Unklarheit über das Schicksal des Palästinenser- präsidenten
DPA

Palästinensischer Junge mit einem Arafat-Plakat in Gaza-Stadt: Noch immer herrscht Unklarheit über das Schicksal des Palästinenser- präsidenten

Paris/Ramallah - Israel will Arafat nach einem Tod im Gaza-Streifen begraben sehen. Israelische Medien berichteten weiter, ein Begräbnis in Jerusalem lehne Israel kategorisch ab. Gegenwärtig berieten israelische und palästinensische Repräsentanten über den Ort einer Bestattung.

Der palästinensische Regierungschef Ahmed Kurei wird erst am Samstag zu einem Treffen mit den Chefs seiner Sicherheitskräfte im Gaza-Streifen fahren. Kurei wolle heute nicht mehr wie ursprünglich geplant aus dem Westjordanland abreisen, sagte Abbas Saki, Mitglied im Zentralkomitee der Fatah-Bewegung, in Ramallah. Ziel ist nach palästinensischen Angaben, Konflikte innerhalb der Polizeitruppen beizulegen und sie auf die die amtierende Palästinenserführung zu verpflichten.

Bisher sind die Sicherheitskräfte Palästinenserpräsident Jassir Arafat direkt unterstellt, der aber in einem französischen Militärkrankenhaus im Koma liegt. Die führende Politiker der Palästinenser beraten seit Tagen über eine Verteilung der Macht. Die Kontrolle über die Sicherheitskräfte gilt als zentrale Frage. Kurei führt in Abwesenheit von Arafat den Nationalen Sicherheitsrat der Palästinenser.

Über das Schicksal Arafats herrscht jedoch noch immer Unklarheit. Die palästinensische Gesandte in Frankreich, Leila Schahid, wies französische und israelische Medienberichte über einen Hirntod des 75-Jährigen vehement zurück. Arafat befinde sich in einem "reversiblen Koma", sagte Schahid. Zuvor hatte der israelische Justizminister Josef Lapid in Jerusalem ohne Angabe von Quellen erklärt, Arafat sei hirntot und werde nur von Maschinen am Leben erhalten.

Schahid sagte dem Rundfunksender RTL, Arafat sei ins Koma gefallen, nachdem ihm vor verschiedenen Untersuchungen ein Narkosemittel verabreicht worden sei. "Ich kann Ihnen versichern, dass es keinen Hirntod gibt", erklärte sie am Freitagmorgen. "Er liegt im Koma, wir wissen nicht, welcher Art, aber es ist reversibel." Die Ärzte hätten noch keine Diagnose, woran Arafat leide. Magenkrebs werde aber ausgeschlossen. "Er könnte (wieder) aufwachen oder auch nicht", sagte Schahid. Alle lebenswichtigen Organe arbeiteten noch, ergänzte sie.

Dagegen sagte Lapid in einem Interview des israelischen Fernsehsenders Kanal Zwei: "Ich weiß nicht mehr als das, was die ganze Welt weiß. Es ist jetzt klar, dass er hirntot ist, klinisch tot, sie (die Ärzte) halten ihn künstlich am Leben. Sie müssen entscheiden, wann sie damit aufhören." Lapid war der erste ranghohe Vertreter der israelischen Regierung, der sich derart explizit zu Arafats Zustand äußerte. Allerdings blieb offen, woher der Justizminister seine Informationen hatte.

Arafat liegt seit Mittwochabend auf der Intensivstation des Militärkrankenhauses bei Paris, in dem er seit einer Woche behandelt wird. Das PLO-Exekutivkomitee übertrug gestern Ministerpräsident Ahmed Kureia die Befugnis zur Erledigung dringender Finanzangelegenheiten, die normalerweise in der Hand Arafats liegen.

Die israelischen Streitkräfte sind in erhöhte Alarmbereitschaft versetzt worden. Israel befürchtet im Fall von Arafats Tod Ausschreitungen in den palästinensischen Gebieten.

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