Nahostkonflikt: Israel tötet Palästinenser-Führer mit Raketen

Es war ein gezielter Luftangriff: Das israelische Militär hat einen radikalen Palästinenserchef im Gazastreifen mit Raketen getötet - er und ein Helfer starben in den Trümmern seines Kleinwagens. In der Grenzregion zu Israel flammt unmittelbar danach neue Gewalt auf.

Autowrack in Gaza: Palästinenser versammeln sich nach dem Luftangriff auf der Straße Zur Großansicht
AP

Autowrack in Gaza: Palästinenser versammeln sich nach dem Luftangriff auf der Straße

Gaza - Zwei israelische Raketen trafen Suheir al-Kaissi, Chef des militanten Volkswiderstandskomitees (PRC), offenbar am Freitag in seinem Auto im Süden von Gaza-Stadt. In den Trümmern des Kleinwagens starb auch einer seiner Helfer, Mahmud Hanani. Ein weiterer Insasse sei schwer verletzt worden, teilte der medizinische Notdienst im Gazastreifen mit.

Unmittelbar darauf hätten Mitglieder verschiedener militanter Palästinensergruppen versucht, vom Gazastreifen aus Raketen und Granaten Richtung Israel zu schießen. Ein israelisches Kampfflugzeug habe eines dieser Kommandos, das dem Islamischen Dschihad angehörte, mit einer Rakete beschossen. Nach Hamas-Angaben kamen acht Palästinenser ums Leben. Die Gewalt an der Grenze von Gaza-Streifen und Israel hat damit einen neuen Höhepunkt erreicht.

Insgesamt sollen 13 selbst gebaute Kleinraketen und Granaten in Israel eingeschlagen sein. Medienberichten zufolge wurde dabei ein Israeli leicht verletzt.

Al-Kaissi habe einen größeren Terroranschlag vom Sinai aus gegen Israel geplant, teilte das israelische Militär mit. Außerdem sei er an mehreren schweren Terroranschlägen gegen Israelis beteiligt gewesen. Hanani war erst im vergangenen Oktober als einer von insgesamt 1027 in Israel inhaftierten Palästinensern im Austausch gegen den entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit freigekommen.

Die israelische Armee erklärte zum ersten Angriff, Palästinenser hätten zuvor zwei Raketen aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels abgefeuert, ohne dabei Schaden anzurichten. Das israelische Militärradio berichtete unter Berufung auf "ranghohe Militärvertreter", die Armee wolle die Raketenangriffe aus dem Gazastreifen ein für alle Mal beenden.

Die radikalislamische Hamas, die im Gazastreifen seit 2007 regiert, befindet sich mit Israel praktisch in einer Waffenruhe, doch andere militante Gruppen feuern regelmäßig Raketen oder Mörsergranaten auf das benachbarte Israel ab. Die israelische Armee erwidert die Attacken in der Regel mit Luftangriffen. Seit Jahresbeginn wurden mehr als 50 Raketen aus Gaza auf Israel geschossen; dabei gab es keine Todesopfer.

bos/dpa/AFP/Reuters

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insgesamt 8 Beiträge
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1.
mr_spock 10.03.2012
Zitat von sysopREUTERSEs war ein gezielter Luftangriff: Das israelische Militär hat einen radikalen Palästinenserführer im Gazastreifen mit Raketen getötet. Mindestens drei weitere Menschen starben. Nahostkonflikt: Israel tötet Palästinenser-Führer mit Raketen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820472,00.html)
Nichts Neues seit Jahrzehnten.
2.
spiegel 10.03.2012
Zitat von mr_spockNichts Neues seit Jahrzehnten.
So sieht's aus! Vergeltung hier, Israelische Raketen dort,... Das macht doch alles keinen Sinn.
3. Gezielte Tötung
Anthrophilus 10.03.2012
Zitat von sysopREUTERSEs war ein gezielter Luftangriff: Das israelische Militär hat einen radikalen Palästinenserführer im Gazastreifen mit Raketen getötet. Mindestens drei weitere Menschen starben. Nahostkonflikt: Israel tötet Palästinenser-Führer mit Raketen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,820472,00.html)
Gezielte Tötung... ohne Anklage... ohne Anwalt... ohne Richterspruch... ohne Gesetzesgrundlage... gegen die Menschenrechte. In Deutschland zum Glück undenkbar. Ich kann die Sorgen und Ängste der Israelis verstehen und akzeptieren. Nicht jedoch deren Vorgehensweise. Zwei Raketen schlagen in ein Auto eines mutmaßlichen Terroristen ein. Weitere zivile Opfer werden billigend in Kauf genommen. Woanders nennt man sowas Kriegsverbrechen. Die Palästinenser feuern aus Wut, Hass und Verzweiflung mit Kassam-Raketen und Kalaschnikows zurück. Israel schickt Kampfjets. Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter. Wir brauchen ein neues Zeitalter der Aufklärung... des Umdenkens... des Friedens. "Gezielte" Tötungen (Kollateralschäden inbegriffen) sind jedenfalls nicht die Lösung.
4. Da bin ich ganz Ihrer Meinung ...
benno18 11.03.2012
"Gezielte" Tötungen (Kollateralschäden inbegriffen) sind jedenfalls nicht die Lösung.[/QUOTE] Leider jedoch schreiben alle Foristen nur wie es nicht geht. Keiner schreibt, wie es gehen soll. Nach jedem Raketenangriff einer Pali gruppe bittet Israel um Auslieferung der Verantwortlichen. Leider bis heute ohne Erfolg. Mein Vorschlag wäre ganz einfach: Abschwören der Gewalt, Anerkennung des Existenzrechtes Israels und Beginn von Friedensverhandlungen.
5.
Mononatriumglutamat 11.03.2012
Zitat von AnthrophilusGezielte Tötung... ohne Anklage... ohne Anwalt... ohne Richterspruch... ohne Gesetzesgrundlage... gegen die Menschenrechte. In Deutschland zum Glück undenkbar. Ich kann die Sorgen und Ängste der Israelis verstehen und akzeptieren. Nicht jedoch deren Vorgehensweise. Zwei Raketen schlagen in ein Auto eines mutmaßlichen Terroristen ein. Weitere zivile Opfer werden billigend in Kauf genommen. Woanders nennt man sowas Kriegsverbrechen. Die Palästinenser feuern aus Wut, Hass und Verzweiflung mit Kassam-Raketen und Kalaschnikows zurück. Israel schickt Kampfjets. Die Spirale der Gewalt dreht sich weiter. Wir brauchen ein neues Zeitalter der Aufklärung... des Umdenkens... des Friedens. "Gezielte" Tötungen (Kollateralschäden inbegriffen) sind jedenfalls nicht die Lösung.
Was die meisten nicht wissen (wollen), ist, dass solchen Fällen immer ein ordentliches, naturgemäß jedoch nicht öffentliches Gerichtsverfahren vorausgeht. Mit Richterspruch und Gesetzesgrundlage, und keineswegs gegen die Menschenrechte. Die Praxis war sogar schon Gegenstand eines Urteils des israelischen Obersten Gerichts, das solche Tötungen unter bestimmten Umständen für rechtmäßig beurteilt -- nämlich dann, wenn mildere Mittel der Gefahrenabwehr nicht zur Verfügung stehen. Da werden sich die Israelis aber freuen. ;-) Welche Handlungsalternative bleibt ihnen, wenn Festnahmen, Ermittlungen und Strafverfahren ausgeschlossen sind? Das ist ja leider das Problem: dass die Staatsgewalt in Gaza diese Täter nicht verfolgt. Nein. Auch das internationale Völkerrecht benennt den Schutz von Zivilisten nicht als absolutes, unverletzliches Ziel, sondern verpflichtet explizit zur Abwägung zwischen zivilen Opfern und militärischem Ziel. Auch das weiß (leider) kaum jemand. Sie irren hinsichtlich der zeitlichen Abfolge: *zuerst* haben die Terroristen -- übrigens nicht "die Palästinenser", sondern die Terroristen unter ihnen -- auf israelische Zivilisten geschossen, und *dann* hat Israel sich dagegen gewehrt. Da dies den Israelis in ihrer überwiegenden Mehrzahl bekannt und bewusst ist, möchte ich Ihnen empfehlen, sich mit Ihrem frommen Appell an die arabische Seite zu richten.
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Geschichte Israels

DER SPIEGEL
Interaktiv: Das Heilige Land im Wandel

Knackpunkte der Nahost-Gespräche
Sicherheit
Israel betont, es werde keinen Palästinenserstaat geben, solange die Sicherheit des jüdischen Staates nicht garantiert sei. Obwohl es in den vergangenen Jahren kaum noch Selbstmordanschläge palästinensischer Terroristen gibt, fühlen sich die Israelis bedroht.

Die israelischen Grenzstädte werden immer wieder von Raketen der radikalislamischen Hamas beschossen. Schlagen diese Geschosse auf israelischer Seite ein, kommt es regelmäßig zu Vergeltungsschlägen auf palästinensischem Gebiet. Die Palästinenser machen ihrerseits Angriffe durch das israelische Militär geltend.

Flüchtlinge
Als Folge der Kriege 1948/49 und 1967 gibt es in den palästinensischen Gebieten und Israels Nachbarländern 4,8 Millionen registrierte palästinensische Flüchtlinge und ihre Nachkommen.

Die Flüchtlinge beharren auf das Recht, in ihre Heimat im heutigen Israel zurückkehren zu dürfen, Israel verneint dieses Recht und will den Verzicht auf eine Rückkehr in einem Friedensvertrag festschreiben.

Grenzen
Nach dem Willen der Palästinenser soll ihr Staat die 1967 von Israel besetzten Gebiete Westjordanland, Gaza und Ost-Jerusalem umfassen. Israel beansprucht jedoch Teile dieses Territoriums – entgegen internationalem Recht – für sich. Israel hatte den Gaza-Streifen 2005 zwar geräumt, sein Embargo seit der Machtübernahme der Hamas 2007 aber verschärft.

Israel will zudem an Teilen des Westjordanlands festhalten. Dort gibt es rund 120 jüdische Siedlungen mit etwa 300.000 Israelis. In Ost-Jerusalem leben nach Angaben israelischer Menschenrechtler weitere 200.000. Nach internationalem Recht sind diese Siedlungen auf besetztem palästinensischen Gebiet illegal und müssen geräumt werden.

Jerusalem
Der künftige Status der Stadt mit heiligen Stätten von Juden, Muslimen und Christen ist besonders umstritten. Israel beharrt auf dem ungeteilten Jerusalem als Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil als Hauptstadt ihres künftigen Staates. Im Jahr 2000 scheiterte der Nahost-Gipfel an der Jerusalemfrage.
Golan
Syrien dringt darauf, dass die 1967 besetzten Golanhöhen im Rahmen einer Friedenslösung zurückgegeben werden. Von der 1150 Quadratkilometer großen Hochebene hat Israels Armee einen guten Blick nach Syrien und in den Libanon. Umgekehrt könnten die Syrer vom Golan aus große Teile Israels überwachen. Heute leben in dem Gebiet neben rund 20.000 Syrern auch etwa 20.000 jüdische Einwohner.
Scheba-Farmen
Das 30 Quadratkilometer kleine Gebiet an der Grenze von Syrien, Libanon und Israel ist seit langem umstritten. Die Vereinten Nationen und die USA sind der Ansicht, dass das Territorium als Teil der Golanhöhen zu Syrien gehört. Der Libanon und Syrien haben ihre Ansprüche bislang nicht eindeutig formuliert und wollen den Grenzdisput nach einem israelischen Rückzug klären.
Wasser
Schon vor 20 Jahren wurde vor einem drohenden Nahost-Krieg um Wasserquellen gewarnt. Wegen des Bevölkerungswachstums und der oft rücksichtslosen Ausbeutung der Ressourcen werden die Süßwasservorräte immer knapper. Amnesty International wirft Israel vor, Palästinenser bei der Nutzung der gemeinsamen Ressourcen zu benachteiligen, was die Regierung zurückweist. Die Kontrolle des von Israel genutzten Wassers ist auch ein Streitpunkt im Ringen um die künftige israelisch-syrische Grenze auf den Golanhöhen.

Fotostrecke
Israels Regierungschefs: Wechselspiel der Macht