Anschlag in Einkaufszentrum Israel schaltet sich in Terrordrama von Nairobi ein

Seit vielen Stunden halten Geiselnehmer der somalischen Schabab-Miliz zahlreiche Menschen in einem Einkaufszentrum in Nairobi fest. Jetzt mischen sich israelische Sicherheitskräfte in das Drama ein, das mindestens 59 Menschen das Leben gekostet hat. Die Israelis sollen einen Verhandlungsplan entwickeln.


Nairobi - Die Nachrichtenagentur AFP hatte zunächst unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, eine israelische Spezialeinheit habe das Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi gestürmt. "Die Israelis sind gerade reingegangen, um die Geiseln und Verletzten zu retten", zitierte AFP einen Vertreter der Sicherheitskräfte. Der Grund: Die Shopping Mall gehört zum Teil einem israelischen Eigentümer.

Bestätigt wurde dies jedoch nicht. "Es gibt israelische Berater, die dabei helfen, eine Verhandlungsstrategie zu entwerfen, aber keine Israelis, die an einer bevorstehenden Stürmung des Gebäudes beteiligt sind", zitiert Reuters einen namentlich nicht genannten Sicherheitsexperten.

Nach Angaben von Kenias Präsident Uhuru Kenyatta werden die verbliebenen Islamisten im Einkaufszentrum von den kenianischen Sicherheitskräften immer weiter zurückgedrängt. "Die Kriminellen befinden sich jetzt an einem einzigen Ort in dem Gebäude", sagte er am Sonntagnachmittag. "Wir haben eine gute Chance, die Terroristen zu neutralisieren."

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Terroranschlag in Nairobi: Israel will helfen
Die bewaffneten Angreifer - vermutlich Anhänger der islamistischen Schabab-Miliz - hatten zuvor in dem Einkaufszentrum mindestens 59 Menschen getötet und 175 verletzt. Zu den Opfern zählen auch drei Briten, teilte das britische Außenministerium am Sonntag mit. Zuvor hatten bereits Frankreich, Kanada und Indien jeweils zwei Todesopfer unter ihren Staatsbürgern bestätigt. Zudem starben ein Südkoreaner und ein Chinese. Auch die USA befürchteten Todesopfer aus den Vereinigten Staaten. Das Auswärtige Amt konnte zunächst keine Angaben machen, ob auch deutsche Staatsbürger unter den Opfern sein könnten.

Bei den Tätern handele es sich um Feiglinge, sagte Präsident Kenyatta weiter. Er forderte die Bevölkerung zu Ruhe und Geduld auf. Die Sicherheit im ganzen Land sei verstärkt worden. "Ich fühle den Schmerz unserer Nation", betonte er und fügte hinzu, er selbst habe bei der Attacke seinen Neffen und dessen Verlobte verloren. "Lasst uns zusammen als eine Nation trauern." Zuvor hatte Kenyatta Überlebende in einer Klinik besucht.

Interpol bietet Kenia umfassende Hilfe an

Mehrere Schwerbewaffnete waren am Samstag in die Westgate Shopping Mall eingedrungen und hatten das Feuer auf Besucher und Angestellte eröffnet. Einige von ihnen wurden laut Augenzeugen "hingerichtet". Danach verschanzten sich die zehn bis 15 Täter mit Geiseln in dem Gebäude. Unter den Angreifern seien offenbar auch Frauen, sagte Präsident Kenyatta.

Die islamistische Schabab-Miliz aus dem Nachbarland Somalia bekannte sich zu dem Angriff. Die Tat ist demnach ein Racheakt für die Beteiligung des kenianischen Militärs an der Bekämpfung der Islamisten in Somalia.

Die internationale Polizeibehörde Interpol bot der kenianischen Regierung umfassende Hilfe an. Jede Informationsanfrage der kenianischen Behörden werde von der Interpol-Außenstelle in Nairobi "mit Vorrang" behandelt, teilte die Organisation an ihrem Sitz im französischen Lyon mit. Sie schlug auch die Entsendung von Gerichtsmedizinern, Anti-Terror-Experten und Analysten sowie Hilfe bei der Überprüfung von Fingerabdrücken und DNA-Spuren vor. Auf Anfrage könne die Behörde zudem Verdächtige international zur Fahndung ausschreiben und bei nationalen Polizeibehörden Festnahmen beantragen.

"Dad, ich wurde angeschossen… Komm und hilf mir, bitte"

In den vergangenen Stunden waren vereinzelt Details der Geiselnahme an die Öffentlichkeit gedrungen. So berichtete der in Nairobi lebende Nahashon Mwangi, dass er einen Telefonanruf seines Sohnes erhalten habe, in dem dieser ihn anflehte, ihn aus dem Westgate Centre herauszuholen. "Dad, ich wurde angeschossen... Komm und hilf mir, bitte."

Eine Frau namens Amita Sharma sagte BBC Radio Berkshire: "Wir haben einen Freund, dessen Schwiegertochter im vierten Monat schwanger war, und wir wissen, dass sie erschossen wurde." Sie habe außerdem einen Cousin, der in dem Einkaufszentrum arbeite. "Als ich mit ihm sprach, sagte er, seine Freunde seien noch drin, und einer von ihnen sei erschossen worden."

Auch Prominente wie der ghanaische Dichter Kofi Awoonor zählte zu den Opfern. Der Politiker Ben Mulwa, der erst im März bei den Präsidentschaftswahlen angetreten war, überlebte hingegen. Eine Kugel sei wenige Zentimeter an seinem Kopf vorbeigeflogen und in einer Wand eingeschlagen.

"Die Angreifer hatten schwere Gewehre dabei. Sie trugen Kopfbedeckungen, wie Jassir Arafat sie früher anhatte, und sprachen einen Mix aus verschiedenen Sprachen", erinnert sich Mulwa an die grauenhaften Momente der Angst. "Ich habe gesehen, wie sie einem Wächter in den Kopf geschossen haben." Er selbst habe sich hinter Blumen versteckt und sei deshalb mit dem Leben davongekommen.

Ein anderer Überlebender erklärte: "Überall flogen Kugeln, es gab keinen sicheren Ort mehr." Der Mann suchte Schutz hinter Einkaufswagen des Supermarktes Nakumatt und schaffte es, sich in ein Büro zu retten. Dort schloss er sich über Nacht ein und nahm Kontakt mit der Polizei auf. "Sie haben gesagt, sie würden mich retten, und jetzt bin ich in Sicherheit."

ala/yes/AFP

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
gandhiforever 22.09.2013
1.
Die Israelis sind bekannt dafuer, dass sie eine solche Sutiation beenden, Verhandeln ist nicht ihre Staerke. Es ist ja auch bekannt, dass Ueben nie so realistisch ist wie der Ernstfall.
Gerard Le Peintre 22.09.2013
2. Unverständlich
Kenya hat Tausende Soldaten nach Somalia geschickt, um dort die Shebab zu bekämpfen. Jetzt hat sie keine ausreichende Kräfte um die Shebab Geiselnehmer in der Hauptstadt zu bekämpfen?Zur Erinnerung, die Shebab gehören zur Elkaida, und nach der Aüsserung von La Clinton, "Wir haben Alkaïda geschaffen".
Spiegelansgar 22.09.2013
3. Was hat Israel in Nairobi verloren ?
Das Eingreifen der Israelis ist sicher eine "Medienpanne".- Wenns stimmt, haette es nicht an die Oeffentlichkeit gedurft. - Denn Israel hat in Nairobi ebenso wenig verloren wie Obama in Libyen.
neu_ab 22.09.2013
4.
Israel hat viel Erfahrung mit dem gründlichen, schnellen & besonnenen Lösen terroristischer Probleme. Sie sind gänzlich unbehindert von gutmenschlichem Zögern. Mein Tip daher: das Problem ist in ein paar Stunden gelöst, die islamischen Terroristen tot.
hartz4sucht 22.09.2013
5. Die Verhandlungsoption ...
schliessen die Mörder definitiv aus! Es geht ihnen darum soviele unschuldige Nichtmuslime wie möglich zu töten und selber zu "Märtyrern" zu werden! Das schreiben ihnen ihre religiösen Vorstellungen vor! Deshalb muss sofort gehandelt werden ehe noch mehr Geiseln umkommen! Es gilt zu retten was noch zu retten ist!
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