Mehr als acht Stunden Pelosi hält Rekordrede vor US-Repräsentantenhaus

Marathon-Rede im US-Repräsentantenhaus: Die Demokratin Nancy Pelosi sprach mehr als acht Stunden ohne Pause. Damit wollte sie den Druck auf die Republikaner in der "Dreamer"-Frage erhöhen.

Nancy Pelosi nach ihrer Rekord-Rede
AFP

Nancy Pelosi nach ihrer Rekord-Rede


Die US-Demokratin Nancy Pelosi hat die längste Rede in der Geschichte des US-Repräsentantenhauses seit Beginn der Aufzeichnungen vor 108 Jahren gehalten. Um 10.04 Uhr begann sie mit ihrer Rede, in der sie den Schutz Hunderttausender junger Immigranten forderte, der "Dreamers". Um 18.11 Uhr verließ sie schließlich das Rednerpult - nach acht Stunden und sieben Minuten ohne Pause. Laut einer Mitarbeiterin habe die 77-Jährige in der Zeit nur Wasser getrunken.

Ihre Rede unterbrach sie nur kurz, als ihr ein Zettel gereicht wurde. "Ich erfahre gerade, dass die Historiker des Hauses bestätigen, dass du gerade den Rekord für die längste Rede im Haus seit mindestens 1909 gehalten hast", las Pelosi die Mitteilung eines Mitarbeiters vor. "Ich frage mich, wer das war?"

Der bisherige Rekordhalter war der Kongressabgeordnete Champ Clark aus dem Bundesstaat Missouri, der fünf Stunden und 15 Minuten sprach. Ob vor 1909 eine längere Rede vor dem Repräsentantenhaus gehalten wurde, ist unbekannt. Die Ehre der längsten Rede in der Geschichte des US-Kongresses gebührt Strom Thurmond aus South Carolina, der im Senat aus Protest gegen das Bürgerrechtsgesetz von 1957 insgesamt 24 Stunden und 18 Minuten redete.

Mit ihrer Aktion wollte die demokratische Minderheitsführerin Pelosi, die Stöckelschuhe mit rund zehn Zentimeter hohen Absätzen trug und während ihrer Rede stand, erreichen, dass sich das Repräsentantenhaus eines Schutzprogramms für die "Dreamers" annimmt, das im März ausläuft. Während ihrer Rede las sie Briefe von Menschen vor, die bislang durch das Programm vor einer Abschiebung geschützt sind. Pelosi sagte, die Schilderungen zeigten, wie sehr diese Menschen die USA liebten. An die Adresse der Republikaner fügte sie hinzu: "Ehren Sie das Repräsentantenhaus und geben Sie uns die Chance, eine Abstimmung abzuhalten."

Druckmittel für Haushaltsabstimmung

Das sogenannte Daca-Programm gibt Migranten, die als Kinder mit ihren Eltern illegal in die USA eingewandert sind, einen temporären Schutzstatus. Sie können dadurch arbeiten oder eine Universität besuchen. Betroffen sind 750.000 bis 800.000 Menschen. Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Herbst entschieden, das von seinem Vorgänger Barack Obama ins Leben gerufene Programm zu beenden. Allerdings räumte er dafür eine Frist bis zum 5. März ein. Er forderte den Kongress auf, bis dahin eine Neuregelung zu finden.

Die Demokraten hatten ursprünglich versucht, über die Haushaltsverhandlungen Druck auf die Republikaner auszuüben und so zu einer Einigung zu kommen. Sie weigerten sich im Januar, einem Übergangshaushalt zuzustimmen, dadurch kam es zu einem Stillstand der Regierung. Der republikanische Senatsführer Mitch McConnell sagte den Demokraten daraufhin zu, dass es in den kommenden Wochen eine Abstimmung über Daca geben werde.

Am Donnerstagabend läuft für den Kongress erneut eine Frist aus, innerhalb derer es eine Einigung über die Finanzierung der Regierung geben muss. Pelosi forderte zu Beginn ihrer Rede eine Zusicherung der Republikaner im Repräsentantenhaus, dass sich die Kammer mit einem Gesetz zu Daca beschäftigen wird. Andernfalls würden sie und andere Mitglieder ihrer Fraktion einem Haushaltspaket nicht zustimmen.

Während sie sprach, verkündeten die Spitzen beider Parteien im Senat eine Einigung über einen Entwurf. Er würde eine deutliche Steigerung der Ausgaben für Verteidigung und andere Programme vorsehen, beinhaltet aber keine Gesetzgebung zum Thema Einwanderung.

Mit ihrem angekündigten Widerstand hat Pelosi durchaus ein Druckmittel in der Hand. Die republikanische Führung im Repräsentantenhaus könnte bei einer Abstimmung über das Haushaltspaket auf Stimmen der Demokraten angewiesen sein. Mehrere sehr konservative Republikaner haben Bedenken an dem Entwurf geäußert.

max/dpa/AFP

insgesamt 18 Beiträge
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shoper34 08.02.2018
1. Marathon
Amerikanische Kommunikationswissenschaftler, Neurologen , Psychologen etc. wissen seit Jahrzehnten, dass die Aufmerksamkeit von Menschen ( egal welchen Alters, Kultur oder Bildungsstand ) für Reden kaum über 2 Stunden am Stück ausreicht. Nur Nancy Pelosi scheint das nicht zu wissen. Da im US-Repräsentantenhaus meist ältere Herrschaften sitzen, muss sie davon ausgehen, dass mindestens 6 Stunden ihrer Rede inhaltlich wirkungslos verpufft sind. Was soll das ?
crazy_swayze 08.02.2018
2.
Viel Show, wenig Inhalte. So kann man heutige amerikanische Politik zusammenfassen.
sven2016 08.02.2018
3.
Show statt kämpferischer Politik. Wer hört so lange zu? In der amerikanischen Politik arbeiten Viele nur noch für die Aufmerksamkeit der Medien. Weniger Brot, mehr Spiele.
thequickeningishappening 08.02.2018
4. Die Dreamers werden bleiben dürfen
sobald Trump im Gegenzug Etwas erhält Das er als Mauer politisch verkaufen kann!
frenchie3 08.02.2018
5. @ 1+3 Wen intetessiert es
wie lange aufmerksam zugehört wurde? War doch auch nicht Sinn der Sache sondern ein Protest. Wer da anwesend sein mußte ist weichgeklopft
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