Vorsitz im Repräsentantenhaus Nancy Pelosi soll mächtigste Frau Amerikas werden

Sie ist 78 Jahre alt und wohl bald Sprecherin im US-Repräsentantenhaus: Die Demokraten haben Nancy Pelosi für den Spitzenposten nominiert. Dabei hat sie rechts wie links mächtige Gegner.

Nancy Pelosi
AFP

Nancy Pelosi


Die Demokraten haben die 78 Jahre alte Nancy Pelosi offiziell als Kandidatin für das einflussreiche Amt als Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses nominiert. Bei einer parteiinternen Vorentscheidung sicherte sich Pelosi die Unterstützung ihrer Fraktion, wie mehrere US-Medien berichten.

Einen anderen Kandidaten gab es nicht. Die eigentliche Wahl im Repräsentantenhaus steht Anfang Januar an, wenn die neu gewählte Kammer des US-Kongresses zu ihrer ersten Sitzung zusammenkommt. Das wird für Pelosi zur eigentlichen Bewährungsprobe.

Pelosi war bereits von 2007 bis 2011 Vorsitzende des Repräsentantenhauses - als erste Frau in der Geschichte des Landes. Es ist nach dem US-Präsidenten und dessen Vize das dritthöchste politische Amt in den USA.

In den vergangenen Wochen hatten sich einige demokratische Abgeordnete gegen eine erneute Kandidatur Pelosis ausgesprochen und gefordert, sie solle nach mehr als 30 Jahren im Kongress und 16 Jahren an der Spitze ihrer Fraktion Platz machen für jemand Jüngeren.

Pelosi stimmte mehrere Kritiker aber um und wehrte eine größere Revolte erfolgreich ab.

Bei der Wahl im Januar kann sich Pelosi nur wenige Gegenstimmen aus den eigenen Reihen erlauben. Sie braucht 218 Stimmen, die Demokraten haben nach derzeitigem Stand eine künftige Mehrheit von 234 Sitzen in der Kammer. Es könnten womöglich noch 235 Sitze werden, denn das Rennen um einen Sitz ist noch unentschieden. Die Amerikaner hatten das Repräsentantenhaus Anfang November neu gewählt.

Den einen zu rechts, den anderen zu links

Pelosi wuchs als jüngstes von sechs Kindern in einer italienisch-stämmigen Familie auf. Später zog sie selbst fünf Kinder groß und startete danach ihre politische Karriere. Sie gilt als geschickte Taktiererin.

Ihre Partei durchlebt derzeit einen Wandel - die Demokraten kämpfen um den künftigen Kurs. Bei der Kongresswahl hatte sich eine ganze Reihe progressiver, jüngerer Kandidaten durchgesetzt, die nun im Repräsentantenhaus sitzen.

Viele Frauen sind darunter, Latinas, Musliminnen, Schwarze, Nachfahren von Ureinwohnern. Sie wollen die Partei moderner machen - und positionieren sich in vielen Fragen gegen Pelosi, die eher zum Establishment der Partei zählt.

Die Republikaner dagegen sehen Pelosi quasi als Linksextreme. Gleichzeitig begrüßen es viele Konservative insgeheim, dass sie noch einmal Vorsitzende des Repräsentantenhauses werden dürfte: Sie hoffen, gegen sie ähnlich hetzen zu können wie seinerzeit gegen Hillary Clinton - und so das rechte Wählerpotenzial zu mobilisieren.

Ob der Plan aufgeht, ist allerdings offen. Pelosi hat in ihrer politischen Karriere schon viele Gegner hinter sich gelassen.

wal/dpa



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DietzThought 28.11.2018
1. Diese Wahl zeigt,
dass die Demokraten nichts aus der Schlappe gegen Trump gelernt haben. Wenn, wie spekuliert wird, tatsächlich Hillary Clinton wieder antreten wird, dann ist Trumps Wiederwahl besiegelt. Gott schütze Amerika!
VadidWyle 28.11.2018
2. Sorrry, aber...
wer will denn schon eine Greisin als Präsidentin? Die Dame mag ja durchaus gut unterwegs sein, aber... echt jetzt? Das kann doch niemand ernst meinen! Ich würde sie mir vielleicht als Ur-Oma für meine Kinder wünschen - aber nicht als Führerin eines Landes ab 2020. Dieses Greisentum in Führungskreisen kennt man eher aus Sowjet-Strukturen, un es ist definitiv absolut überholt! Sorry, Madam...
bigmitt 29.11.2018
3. Bernie gilt zu alt um ...
...nochmals für die Präsidentschaft zu kandidieren..aber Pelosi soll noch mal Sprecherin des Hauses werden? Das soll jemand verstehen. Die Demokraten bekommen seit 2016 die Kurve nicht bzw. ist das Parteiestablishment a la Clinton noch zu stark um wirklich mal was zu bewegen. Was ist mit Medicare for all? Wo sind die Initiativen um Fracking zu verbieten oder Glass-Steagall wieder einzuführen oder eine Living Wage von 15 $ bundesweit? Leider wird sich daran auch bis 2020 nichts ändern...Impeachment und Trumps Steuererklärung...das ist ein die Agenda ab Januar und ein Armutszeugnis für die ehemalige Partei Kennedys. #walkaway, # berniewouldhavewon
janne2109 29.11.2018
4. zu alt
leider ist Mrs. Pelosi zu alt um richtig mitzumischen, schade, tolle Frau
Bernd R. 29.11.2018
5. Nicht Präsidentschaftskandidatin
... sondern als sondern Sprecherin des US-Repräsentantenhauses wird Pelosi aufgestellt. Lesen ist schon schwierig ... Allerdings stimme ich voll zu, dass man durchaus jüngere ans Ruder lassen sollte. Irgendwo sollte sich doch jemand finden lassen, der rethorisch gewandt und schlagfertig genug ist, die Republikaner niederzudiskutieren und deren Heuchlei offensichtlich zu machen. Beto O'Rourke ist mMn einer, der in die richtige Richtung geht - allerdings hat er am Ende in Texas auch wieder nur noch normalen Wahlkampf gemacht, anstatt seine Linie weiterzuverfolgen.
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